Thema: Texte

I like cubes… Papervision3D exploding cubes especially

The cubewall
A simple XML driven gallery (noooo way, not another one!). I like cubes. So I made an exploding wall. Sorry, no source – it’s too crappy. Anyway: Additionally there will be some more functionality if I ever find time. Physics for instance…

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Uebungsmaterial

Warum müssen die ersten Geschichten immer von und über Liebe handeln? Warum von ihren erschreckenden und ernüchternden Konsequenzen, die wir – recht abgeklärt inzwischen – hinnehmen?

Weil es zum Schreiben das beste Übungsmaterial ist. Weil dieses Gefühl einen so absonderlichen und übermächtigen Platz in jedem von uns einnimmt, daß wir gar nicht abgeklärt genug sein können, um nicht wenigstens unsere Mundwinkel zu einem melancholischen Lächeln zu verziehen, wenn wir darüber lesen. Wenn wir uns wiederfinden. Wir sind Liebende. Und wir kommen nicht daran vorbei.


Anzünden! Abknallen!

Das steckt doch in den meisten von uns: Unsicherheit, Angst vor Bedeutungslosigkeit und der permanente Drang, im Leben nie stillstehen zu dürfen. Nach ein paar Minuten MTV und der 40-Zimmer-Villa nebst 120-Auto-Garage von P.Diddy & Co. sehe ich nur meine mickrige Existenz, meinen Unwert.

Damals, als dieser alte Notar während meines zweiten mündlichen Staatsexamens eingeschlafen war, hätte ich aufspringen, seinen Schlips und damit das ganze verdammte Justizministerium anzünden sollen. Hätte.

Heute steht es wie damals und die selben alten, selbstgerechten und überheblichen Säcke urteilen über aufgeregte Referendare. Die wiederum sind selber schuld, daß sie diesen Mist mitmachen. Damit meine ich vor allem jene – den Großteil – die gar nicht mehr wissen, warum sie Jura eigentlich studiert haben.

Zwar bin ich damals mit einem Abschluß rausgekommen. Aber in jenem Moment, als der Alte uns etwas vorschnarchte, kam die Erkenntnis mit aller Wucht, daß wir uns permanent nur drücken lassen. Und zwar von alten, mürben, lebensmüden und gleichgültigen Kerlen und dem gleichen System. Und das gilt nicht nur für angehende Juristen.

Amokläufer sind eben keine abgeklärten Zyniker, sondern wohl die sensibelsten Menschen.


“[...] Und wenn sie Socken sortiert: Sie macht es dann so hingebungsvoll als würde sie ewig getrennte Liebende wieder vereinen. Ein nahezu unmerkliches Lächeln zeugt davon, daß sie überzeugt ist, sie verbessere die Welt ein wenig. Das sind die wenigen Momente, in der die ewig wiederkehrende Hausarbeit sich mit ein wenig Sinn zu füllen scheint. Und gerade solche Momente sind sehr labil, wodurch jedes Bewußtsein über die Sache des Socken-Sortierens nur schädlich sein kann. Ich lasse sie dann in Ruhe und versuche jeden Hinweis auf meine Präsenz und die Probleme der Welt still und heimlich von ihr fernzuhalten. [...]“


Was in Leere alles drinsteckt…


Spürst Du denn keine Leere? Theo schaute Martin vorwurfsvoll an. Ach, rede doch nicht von Leere! In dieses Wort kann man alles hineinlegen.

Was das solle, fragte Theo. Martin, recht genervt, schnaufte zu ihm hin, daß das, was jeder Leere nennt, eher Selbstmitleid heißen solle. „Mit dem Begriff Leere muß man sehr sorgsam umgehen. Es ist zu einfach, zu klischeehaft-tragisch, mit diesem Wort umher zu werfen.  Andere nehmen es auf, suchen ihre eigene Leere und stimmen ein. Ohne zu wissen, was der eine mit Leere meint.

In den Begriff Leere paßt alles. Seine Bedeutung ist eben genau das, was jedermann zuerst hineinlegt: Abwesenheit von Liebe, Abwesenheit von Gesellschaft, Abwesenheit eigener Gefühle… All das hat eines gemeinsam: Tragik und Angst.

Spreche ich von Leere, weiß jeder angeblich was damit gemeint ist. Und sagte ich dazu, daß ich dort Leere spüre, wo Sie einst war, dann leidet jeder plötzlich mit, spürt das Gefühl einer frischen Wunde, eines ausgerissenen Baumes – wenn er nämlich daran denkt, wie seine letzte Liebe ihn einst verlassen hat. Gut, lassen wir beim Thema Liebe die Ignoranten beiseite, die gerade eine frische besitzen: Die haben gar keine Affektion für traurige Hingabe. Vorerst nicht.

In meinem Fall ist das anders“, meint Martin, sichtlich ruhiger geredet. „Ich habe die Liebe verlassen, nicht sie mich. Ich bin jemand anderes; das kann nicht ich sein. Zählte ich stichpunktartig das auf, was ich an ihr geliebt habe, was ‚zweckmäßig‘ am ihr war, daß sie die beste war, die ich jemals hatte. Legte ich noch ein wenig Gefühl hinein, würde ich meinen, sie wäre die einzige und bliebe auch die einzige für mich – und mit etwas Wahn behauptete ich dann auch – wenn ich bei Sinnen wäre – sie sei unersetzlich und ich bliebe für immer allein. Was soll das also?“

Theo schüttelte leicht den Kopf. Er hatte Martin nicht aus den Augen gelassen und eine wehmütig-besorgte Miene aufgelegt. „Was hat Sinn mit Emotion zu tun?“ fragte er.

Martin schaute prüfend auf und hob die Augenbraue mit einem leicht herablassenden Gesichtsausdruck. Theo lies ihn nicht antworten, sondern antwortete selbst: „Du analysierst, wie Du denken und fühlen müßtest, wenn du ‚du‘ wärest und nimmst Dir damit jegliche Hoffnung, Du selbst zu werden.

Statt dessen bist du  ein Mensch ohne Gefühl, mit Angst vor Kontrollverlust. Du hast diese Selbstbetrügerei so gut geübt – oder das Talent dazu –  daß allein deine Vernunft genug Zuversicht erzeugt.“  Theo macht eine Pause und fügte zynisch und mit einem leichten Lächeln hinzu, daß es wenigstens eine Emotion sei, diese Zuversicht.

„Zuversicht eine Emotion? Pfff…. In verzweifelter Form vielleicht. Dann ist es eine Schwester der Hoffnung. Aber ich kann beruhigt sein: mir Zuversicht einzureden ist emotionslos. Sich Hoffnung hinzugeben wäre krank, wäre paradox. Hoffnung setzt geistige Ausweglosigkeit voraus – sie ist pures Gefühl, kontrollos – denn nur so kann sie existieren. Zum Glück bin ich noch nicht soweit.“ Martin zeigte Theo, daß er das Thema für erledigt betrachtete indem er aufstand und sich zur Seite drehte.


“Denn Politik ist gestern und heute mehr denn je das, als was die Kyniker der zerfallenden griechischen Stadtgemeinschaften sie erlebten: ein bedrohliches Zwangsverhältnis von Menschen zueinander, eine Sphäre bedenklicher Karrieren und fragwürdiger Ambitionen, ein Mechanismus der Entfremdung, die Ebene des Krieges und des sozialen Unrechts – kurzum jene Hölle, die die Existenz gewaltfähiger Anderer über uns verhängt.”

- Peter Sloterdijk, Kritik der zynischen Vernunft


Arme zynische Schweine

Der aufgeklärte Mensch flieht. Er revoltiert. Aber er weicht einem Kampf aus, den er sich früher oder später immer stellen muß: Dem Kampf gegen die Absurdität des Lebens. Das ist das Gefühl permanenter Verlorenheit, permanenter Heimatlosigkeit. Das Früher, die Kindheit, das beschützte Zuhause ist Vergangenheit. Die kommt nicht wieder. Dagegen stellt sich die Zukunft als ungewisses Etwas, was Hoffnung zu einer Farce verkommen läßt. Zu hoffen, heißt sich mit Wunschdenken zu beruhigen, sich in Sicherheit zu wiegen, sich einer Droge hinzugeben.

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