Frankfurter Buchmesse und die Weimarer Republik

Ich suche Videos über die Frankfurter Buchmesse in diesem Jahr und werde mit Videos mit solchen Titeln konfrontiert: „Schabenangriff aud Compact-Stand…“, „Angriff der Linksmaden“ und „Antifanten dumm wie Brot,…“. Die Begrifflichkeit der Überschriften macht Standpunkte klar: Schaben werden zertreten, Maden verursachen Ekel. Mit dieser simplen Psychologie werden Gleichnisse aufgebaut, die zu Holocausts füren. Geistige Verrohung, die ohnehin ohne Zutun stattfindet,… Read more »

Ich suche Videos über die Frankfurter Buchmesse in diesem Jahr und werde mit Videos mit solchen Titeln konfrontiert: „Schabenangriff aud Compact-Stand…“, „Angriff der Linksmaden“ und „Antifanten dumm wie Brot,…“.

Die Begrifflichkeit der Überschriften macht Standpunkte klar: Schaben werden zertreten, Maden verursachen Ekel. Mit dieser simplen Psychologie werden Gleichnisse aufgebaut, die zu Holocausts füren. Geistige Verrohung, die ohnehin ohne Zutun stattfindet, wird von den half-wits der Politik von Höcke bis Trump gerechtfertigt. Die Rechte wird ja permanent angegriffen – was allerdings nicht abzustreiten ist. Seit Pegida wurde der „Nazi“-Begriff differenzierungslos verwendet und eine Menge Menschen ins rechte Abseits geschoben. Das war schreiende Überheblichkeit vor allem der Etablierten – was der Linken wiederum geschadet hat. Wann haben wir verlernt, zu kommunizieren?

Weder links noch rechts sollte Konfrontation aus dem Weg gehen. Das heißt gerade nicht, sich gegenseitig zu überbrüllen oder körperlich zu werden. Eine Buchmesse stelle ich mir als einen Ort vor, wo Menschen zunächst einmal eines tun: Nachdenken. Also wäre doch Diskurs möglich. Es sei denn, bestimmte Leute nutzen die Buchmesse lediglich als Präsentationsfläche ihrer selbst.

Die Rechte erlebt Aufschwung aus dem simplen Fakt, daß die gemäßigte Politik der letzten Jahr nur mithilfe der Wirtschaft erfolgreich sein konnte; der Wohlfahrtstaat wurde durch Öl und Krieg möglich gemacht. Der zivilisierte Umgang miteinander wurde und wird nur dort möglich, wo existentielle Sorge gering ist. Gegenwärtig scheint nur Geld das Mittel zu Bildung und Anstand. Geldarme Menschen sind weder ungebildet noch unanständig – doch genau dorthin bewegt sich die Gesellschaft seit Jahren: Mangelnde Daseinsvorsorge, geringe Bildungschancen jener Kinder, welche nicht in Privatschulen unterkommen etc. In Amerika sind die Auswirkungen dieser Politik schon länger sichtbar: Private Universitäten produzieren keine gebildeten Menschen, sondern zufriedene Kunden, deren Kinder als elitäre Klüngel später hohe Ränge in Wirtschaft und Politik bekleiden. Wie gut regieren Menschen, welche vom durchschnittlichen Arbeitsleben ihrer Mitbürger keinen Schimmer haben? Wie wehren sich Menschen, die von Politikern regiert werden, welche keine Empathie für das Leben ihrer Bürger aufbringen können?


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