<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Gerechtigkeit &#8211; The Personalist</title>
	<atom:link href="https://www.thepersonalist.de/category/recht/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://www.thepersonalist.de</link>
	<description>Gesellschaft, Politik, Philosophie ... &#38; das Web</description>
	<lastBuildDate>Mon, 17 Nov 2025 22:47:23 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	

<image>
	<url>https://www.thepersonalist.de/wp-content/uploads/2013/08/cropped-thePersonalist-logo-E2.1-1-32x32.png</url>
	<title>Gerechtigkeit &#8211; The Personalist</title>
	<link>https://www.thepersonalist.de</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>Wehrpflichtlotto.</title>
		<link>https://www.thepersonalist.de/wehrpflichtlotto/</link>
					<comments>https://www.thepersonalist.de/wehrpflichtlotto/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marco]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 17 Nov 2025 22:47:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Gerechtigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Kritik]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.thepersonalist.de/?p=4733</guid>

					<description><![CDATA[<p><img width="1024" height="576" src="https://www.thepersonalist.de/wp-content/uploads/2025/11/hard-hat-riot-full-documentary-a-1-1024x576.jpg" class="attachment-large size-large wp-post-image" alt="" decoding="async" fetchpriority="high" srcset="https://www.thepersonalist.de/wp-content/uploads/2025/11/hard-hat-riot-full-documentary-a-1-1024x576.jpg 1024w, https://www.thepersonalist.de/wp-content/uploads/2025/11/hard-hat-riot-full-documentary-a-1-600x338.jpg 600w, https://www.thepersonalist.de/wp-content/uploads/2025/11/hard-hat-riot-full-documentary-a-1-768x432.jpg 768w, https://www.thepersonalist.de/wp-content/uploads/2025/11/hard-hat-riot-full-documentary-a-1-700x394.jpg 700w, https://www.thepersonalist.de/wp-content/uploads/2025/11/hard-hat-riot-full-documentary-a-1.jpg 1280w" sizes="(max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px" /></p><!-- wp:paragraph -->
<p>Ob das mal ein Begriff wird? In Deutschland wird über die Möglichkeit diskutiert, junge Männer zur Wehrpflicht per Los einzuziehen. Die Befürworter argumentieren: Eine Lotterie entlaste die Mehrheit, gleiche Chancen aus und vermeide eine flächendeckende Pflicht. Man wirft also symbolisch alle wehrdienstfähigen Menschen eines Jahrgangs in einen Topf und zieht jene, die „dran sind“. Abstrakt betrachtet soll das objektiv wirken: kein Klassenprivileg, kein Ausweichen durch Beziehungen, kein Freikaufen, wie einst im Kaiserreich.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Doch gerade diese Gleichheitsbehauptung hält bei näherem Hinsehen nicht. <strong>Zufall ist nicht Gerechtigkeit.</strong> Er ersetzt lediglich ein klar begründetes Auswahlverfahren durch Blindheit. Und er blendet jene Faktoren aus, die eigentlich entscheidend wären: Wer ist psychisch geeignet? Wer trägt bereits familiäre Verantwortung? Wer studiert, wer pflegt Angehörige, wer engagiert sich sozial? Wer kann – und wer sollte? Es wird aber sicher genug Ausnahmen geben - so kennt man die deutsche Gesetzgebung.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Dazu kommt ein zweites Problem: Die Lotterie verschiebt Verantwortung. Sie nimmt dem Staat die moralische Begründungspflicht – und den Bürgern die Möglichkeit, bewusst „Ja“ oder „Nein“ zu sagen. Pflicht wird nicht erklärt, sie wird ausgelost. Politisch clever, demokratisch fragwürdig.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Wenn der Staat Verteidigung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe versteht, dann braucht es <strong>eine offene Debatte</strong>, keine Lostrommel. Die Amerikaner hatten das in den 1970ern schon als Programm:</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:embed {"url":"https://youtu.be/UU3lEp9a9C4?si=6zNA8SA0XCSjaGfe\u0026t=728","type":"video","providerNameSlug":"youtube","responsive":true,"className":"wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"} -->
<figure class="wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
https://youtu.be/UU3lEp9a9C4?si=6zNA8SA0XCSjaGfe&amp;t=728
</div></figure>
<!-- /wp:embed -->

<!-- wp:paragraph -->
<p></p>
<!-- /wp:paragraph -->]]></description>
		
					<wfw:commentRss>https://www.thepersonalist.de/wehrpflichtlotto/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>2</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>&#8222;Just six weeks of corruption&#8220; &#8211; eine Zusammenschau.</title>
		<link>https://www.thepersonalist.de/just-six-weeks-of-corruption-eine-zusammenschau/</link>
					<comments>https://www.thepersonalist.de/just-six-weeks-of-corruption-eine-zusammenschau/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marco]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 13 Mar 2025 21:31:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Gerechtigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.thepersonalist.de/?p=4499</guid>

					<description><![CDATA[<p><img width="1024" height="576" src="https://www.thepersonalist.de/wp-content/uploads/2025/03/murphy-six-weeks-in-this-white-h-1024x576.jpg" class="attachment-large size-large wp-post-image" alt="" decoding="async" srcset="https://www.thepersonalist.de/wp-content/uploads/2025/03/murphy-six-weeks-in-this-white-h-1024x576.jpg 1024w, https://www.thepersonalist.de/wp-content/uploads/2025/03/murphy-six-weeks-in-this-white-h-600x338.jpg 600w, https://www.thepersonalist.de/wp-content/uploads/2025/03/murphy-six-weeks-in-this-white-h-768x432.jpg 768w, https://www.thepersonalist.de/wp-content/uploads/2025/03/murphy-six-weeks-in-this-white-h-700x394.jpg 700w, https://www.thepersonalist.de/wp-content/uploads/2025/03/murphy-six-weeks-in-this-white-h.jpg 1280w" sizes="(max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px" /></p><!-- wp:paragraph -->
<p>Der US-Senator Chris Murphy fasste im US-Kongress die ersten sechs Wochen der Trump-Administration zusammen. Hier ein auf Deutsch übersetztes Transkript.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p></p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Herr Präsident,</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Ich bin ein großer Fan der Boston Red Sox, und einer der berühmtesten Spieler in der jüngeren Geschichte der Red Sox ist Manny Ramirez. Manny Ramirez war ein großartiger Baseballspieler, aber er hatte die Angewohnheit, sowohl auf als auch abseits des Spielfelds einige ziemlich absurde Dinge zu tun. Einiges davon war für das Team schädlich, darunter bizarre Vorfälle auf dem Spielfeld, wie das Abfangen von Würfen anderer Outfielder, bevor sie das Infield erreichten. Abseits des Spielfelds störten seine Eskapaden oft das Team.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Sein Verhalten wurde so regelmäßig, dass unter den Red Sox-Fans ein Spruch entstand: „Das ist nur Manny, der Manny ist.“ Im Laufe der Jahre wurde dieser Satz zu einer Art Akzeptanz dafür, dass Manny Ramirez jede Saison eine Menge Dinge tun würde, die dem Team schadeten. Mit der Zeit wurden diese Verhaltensweisen nicht mehr mit Feindseligkeit aufgenommen; sie wurden kaum noch bemerkt. Sie wurden normalisiert.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Ich erzähle diese Geschichte, weil sie ein universelles Konzept veranschaulicht: Wenn schlechtes Verhalten normalisiert wird, fühlt es sich nicht mehr wie schlechtes Verhalten an – selbst wenn es Menschen schadet.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Heute ist die Welt voller korrupter Regierungen – Regierungen, in denen Führer und die wohlhabende Elite das Volk bestehlen. Diese Anführer und ihre Oligarchenfreunde halten ihre Hände in der Staatskasse, stehlen Steuergelder und manipulieren wirtschaftliche Regeln, um sich selbst märchenhaft zu bereichern, während sie ihren Bürgern schaden.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Nehmen wir zum Beispiel Wladimir Putin. Er hatte nie einen Job außerhalb der Regierung und soll dennoch über ein Vermögen von 200 Milliarden Dollar verfügen. Eines seiner vielen Häuser soll 1,4 Milliarden Dollar gekostet haben, wobei allein die jährlichen Kosten für die Gartenpflege 2 Millionen Dollar betragen. Dieses 1,4-Milliarden-Dollar-Haus wurde mit Geld bezahlt, das aus der russischen Staatskasse gestohlen wurde – mit anderen Worten: aus den Taschen des russischen Volkes. Putin und seine Verbündeten tun dies seit so langer Zeit und so unverhohlen, dass ihre Korruption als Teil des russischen Lebens akzeptiert wurde. Sie ist Mainstream geworden. Die Tatsache, dass Putin und seine Kumpane das russische Volk bestehlen, ist nicht länger schockierend – sie wird erwartet.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Genau das passiert heute in Amerika, und es ist herzzerreißend, das zu sagen. In den ersten sechs Monaten der Trump-Präsidentschaft haben Trump, Elon Musk und ihre milliardenschweren Freunde eine atemberaubende Welle offener, öffentlicher Korruption entfesselt. Es unterscheidet sich nicht grundlegend von dem, was in Russland passiert ist. Diese Machenschaften zielen darauf ab, das amerikanische Volk zu bestehlen, um sich selbst zu bereichern. Ihre Strategie ist einfach: Sie tun es so offen und in einem so schwindelerregenden Tempo, dass das Land überwältigt, desensibilisiert oder in den Glauben gelullt wird, dass dies einfach die Art ist, wie Regierung funktioniert – dass Korruption unvermeidlich ist.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Aber das ist <em>nicht</em> die Art, wie Regierung funktioniert. Die Ereignisse der letzten sechs Wochen sind beispiellos. Der Präsident und seine Milliardärsfreunde sollen uns nicht bestehlen. Sie sollen ihre Macht und ihren Zugang nicht nutzen, um die Regeln zu ihren eigenen Gunsten zu manipulieren. Das war schon immer falsch. Es ist immer noch falsch. Und wir müssen es nicht akzeptieren.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>In den nächsten Minuten möchte ich ein Experiment wagen. Ich möchte Ihnen so schnell wie möglich einige der bedeutendsten Fälle von offenkundiger Korruption in den ersten sechs Wochen der Trump-Präsidentschaft darlegen. Wenn Sie alles zusammen sehen, gibt es keine Möglichkeit, zu einer anderen Schlussfolgerung zu kommen: Dieses Weiße Haus ist auf dem besten Weg, die korrupteste Regierung in der Geschichte des Landes zu werden. Nur weil sie es offen tun, für jeden sichtbar, bedeutet das nicht, dass es keine Korruption ist.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Ich hoffe, dass Ihnen beim Anblick all dieser Fälle die Schwere dieses Moments bewusst wird. Ich hoffe, dass meine Kollegen und die Öffentlichkeit sich weigern, zu akzeptieren, dass ein Präsident und seine Berater das Oval Office als Instrument zur persönlichen Bereicherung nutzen.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Es ist <em>unsere</em> Entscheidung, keine Korruption zu tolerieren. Es ist auch <em>unsere</em> Entscheidung, ob wir Amerika zu einem Ort wie Russland werden lassen, wo Führungspersönlichkeiten routinemäßig das Volk bestehlen.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Dies ist eine erschreckend lange Liste – nur etwa 20 Beispiele für korruptes Verhalten in den ersten sechs Wochen der Trump-Präsidentschaft. Also, los geht’s:</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:list -->
<ul class="wp-block-list"><!-- wp:list-item -->
<li><strong>17. Januar</strong>: Trump bringt die „Meme Coin“ heraus. Dies ist möglicherweise die korrupteste Tat von allen, da sie es russischen Oligarchen und Konzernchefs im Wesentlichen ermöglicht, Trump heimlich Geld zu überweisen. Niemand weiß, wer die Coin kauft, aber Trump verdient Geld daran. Er behält 80 % der Coins zurück, wartet, bis der Preis steigt, und gibt dann weitere Coins aus, um den Wert künstlich zu erhöhen. Dies ermöglicht es denen, die politische Gefälligkeiten suchen, Trump heimlich Geld zuzuschieben.</li>
<!-- /wp:list-item -->

<!-- wp:list-item -->
<li><strong>20. Januar</strong>: Trump wird vereidigt und enthüllt sofort seine Energieagenda. Berichte legen nahe, dass er während des Wahlkampfs einen Deal mit der Öl- und Gasindustrie machte: Sie sollten ihm eine Milliarde Dollar spenden, und im Gegenzug würde er ihnen Vergünstigungen gewähren. An seinem ersten Tag stoppt Trump alle Genehmigungen für Windprojekte, erleichtert jedoch das Geschäft für Öl- und Gasunternehmen und gibt ihnen genau das, wofür sie bezahlt haben.</li>
<!-- /wp:list-item -->

<!-- wp:list-item -->
<li><strong>25. Januar</strong>: Trump feuert 17 Generalinspektoren. Diese Inspektoren untersuchen Korruption innerhalb der Regierungsbehörden. Wenn Sie ohne Kontrolle korrupt sein wollen, feuern Sie zuerst die Aufpasser.</li>
<!-- /wp:list-item -->

<!-- wp:list-item -->
<li><strong>27. Januar</strong>: Trump entlässt Gwyn Wilcox vom National Labor Relations Board (NLRB), wodurch es handlungsunfähig wird. Davon profitieren Elon Musk und andere Milliardäre, die wegen Arbeitsrechtsverletzungen angeklagt sind.</li>
<!-- /wp:list-item -->

<!-- wp:list-item -->
<li><strong>30. Januar</strong>: Trump vergibt Aktien im Wert von über 800.000 Dollar an mehrere Vorstandsmitglieder der Trump Media &amp; Technology Group, wodurch sie von ihrer Position in seiner Regierung profitieren.</li>
<!-- /wp:list-item -->

<!-- wp:list-item -->
<li><strong>1. Februar</strong>: Trump entlässt den Direktor des Consumer Financial Protection Bureau (CFPB), einer Behörde, die Elon Musk und Trumps finanzielle Unterstützer untersucht.</li>
<!-- /wp:list-item -->

<!-- wp:list-item -->
<li><strong>6. Februar</strong>: Trumps Justizminister kündigt eine Politik zur Einschränkung der Durchsetzung des Foreign Agents Registration Act an, wodurch es seinen Verbündeten erleichtert wird, heimlich für ausländische Regierungen zu arbeiten.</li>
<!-- /wp:list-item -->

<!-- wp:list-item -->
<li><strong>10. Februar</strong>: Die Korruptionsanklagen gegen New Yorks Bürgermeister Eric Adams werden im Austausch für seine politische Loyalität gegenüber Trump fallengelassen.</li>
<!-- /wp:list-item -->

<!-- wp:list-item -->
<li><strong>12. Februar</strong>: Das Außenministerium kündigt einen Kauf von 400 Millionen Dollar für gepanzerte Teslas an – ein direkter Vorteil für Musk.</li>
<!-- /wp:list-item -->

<!-- wp:list-item -->
<li><strong>15. Februar</strong>: Die FDA entlässt 20 Beamte, die Elon Musks Neuralink-Gerät überprüften. Regulierungsbehörden sollten nicht von denen kontrolliert werden, die eine Genehmigung von ihnen benötigen.</li>
<!-- /wp:list-item -->

<!-- wp:list-item -->
<li><strong>19. Februar</strong>: Die IRS kündigt die Entlassung von 7.000 Mitarbeitern an, vor allem diejenigen, die Milliardäre und Konzerne prüfen – ein klarer Schutz für Trumps wohlhabende Verbündete.</li>
<!-- /wp:list-item -->

<!-- wp:list-item -->
<li><strong>26. Februar</strong>: Berichte zeigen, dass Gäste Millionen Dollar zahlen, um mit Trump in Mar-a-Lago zu speisen, während Geschäftsleuten Meetings mit dem Präsidenten für 5 Millionen Dollar angeboten werden.</li>
<!-- /wp:list-item --></ul>
<!-- /wp:list -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Das ist nur <em>sechs Wochen</em> Korruption.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Wenn ein früherer Präsident Treffen für Millionen von Dollar angeboten hätte, wäre das ein Skandal gewesen. Doch Trump und Musk glauben, dass wir durch ihr übermäßiges Tempo der Korruption abstumpfen.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>So sterben Demokratien. Und wir müssen sagen: <em>Das ist nicht in Ordnung.</em></p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:embed {"url":"https://www.youtube.com/watch?v=hycoCYenXls\u0026list=WL\u0026index=2","type":"video","providerNameSlug":"youtube","responsive":true,"className":"wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"} -->
<figure class="wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
https://www.youtube.com/watch?v=hycoCYenXls&amp;list=WL&amp;index=2
</div></figure>
<!-- /wp:embed -->]]></description>
		
					<wfw:commentRss>https://www.thepersonalist.de/just-six-weeks-of-corruption-eine-zusammenschau/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>1</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Gewissen, Wert und Normalisierung</title>
		<link>https://www.thepersonalist.de/gewissen-wert-und-normalisierung/</link>
					<comments>https://www.thepersonalist.de/gewissen-wert-und-normalisierung/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marco]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 25 Mar 2024 09:02:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Gerechtigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte & Essay]]></category>
		<category><![CDATA[freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Gewissen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.thepersonalist.de/?p=4301</guid>

					<description><![CDATA[<p><img width="583" height="768" src="https://www.thepersonalist.de/wp-content/uploads/2024/03/DAF-Logo-neu-2022-ohne-Claim-583x768.png" class="attachment-large size-large wp-post-image" alt="" decoding="async" srcset="https://www.thepersonalist.de/wp-content/uploads/2024/03/DAF-Logo-neu-2022-ohne-Claim-583x768.png 583w, https://www.thepersonalist.de/wp-content/uploads/2024/03/DAF-Logo-neu-2022-ohne-Claim-288x380.png 288w, https://www.thepersonalist.de/wp-content/uploads/2024/03/DAF-Logo-neu-2022-ohne-Claim-768x1012.png 768w, https://www.thepersonalist.de/wp-content/uploads/2024/03/DAF-Logo-neu-2022-ohne-Claim-691x910.png 691w, https://www.thepersonalist.de/wp-content/uploads/2024/03/DAF-Logo-neu-2022-ohne-Claim.png 941w" sizes="(max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px" /></p><!-- wp:paragraph -->
<p>„Es gibt drei Kräfte auf dieser Erde, die das Gewissen dieser<br>schwächlichen Rebellen zu ihrem eigenen Glück für immer besiegen und fesseln können: Das Wunder, das Geheimnis und die Autorität.” So schrieb Fjodor Dostojewski in „Die Brüder Karamasow”. Alles kommt in einem Begriff zusammen: dem Wert. Ein Wert hat nach der Definition des Anthropologen Clyde Kluckhohn das desire, das Begehren, im Zentrum. An diesem Begehren mißt sich ein Gewissen. Ist es richtig oder ist es falsch? In einem Wert steckt Wahrheit. In ihm versammelt sich alles, was dem Zweck des Begehrens zuträglich ist. Wahrheit ist etwas, das sich dem indogermanischen Wörtchen wēr nähert. Wēr hat die Begriffe Vertrauen, Treue, Zustimmung als Inhalt. Faktizität ist dagegen Kern der modernen rationalen Definition. Ihr fehlt etwas Substantielles: Die Antwort darauf, wie man aus Fakten ein Begehren erzeugen kann. Goethes Faust lebt das Drama: Trotz allem Wissens fehlt ihm das Erstrebenswerte und mit ihm die Orientierung auf eine Wahrheit hin. Der Zukunft kann man nur mit Sorge entgegen schauen oder Vertrauen schenken. Das ist ein Gefühl. Und das Gewissen? Orientiert es sich nicht an Wert und Wahrheit, um Form zu bekommen? Ein wert-freies Gewissen ist substanzlos. Das freie Gewissen versteht sich dagegen als die Möglichkeit zu einer eigenen Entscheidung deren Konsequenzen – post ante – zu Gewissen führen.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Im Jahre 1989 war ich in Sorge. Ich wollte nicht, dass die Mauer fällt. Ich fürchtete, dass der imperialistische Feind auf unsere Seite kommt. Mein vierzehn Jahre altes Gewissen fühlte sich rein an — zumindest wenn man davon absah, dass ich mit meinem Freund Patrick gelegentlich Zigaretten aus der „Ernte 23” Schachtel seines Vaters geklaut hatte. Der Sozialismus war eine Lebensordnung, die ein Kind konditionierte und zugleich behütete. Glücklicherweise endete er als ich zum Jugendlichen initiiert wurde. Sonst hätte ich das Korsett gespürt, das mir wie unter einem römischen Vater, mein ganzes Leben lang keine Emanzipation gewährt hätte.<br>Ich erinnere mich an die Poster an der Wand in unserer Schule: Tarnkappen-Bomber aus denen schwarze Zigarren fielen. Daneben magere, hungernde Kinder in Afrika. Der IMPERIALISMUS! war der Feind und damit jeder Mensch, der für ihn stand. Es gab gute und böse Menschen in dieser Welt, weswegen es im Kindesalter schon mit den Lobliedern auf unsere Soldaten begann („Gute Freunde in der Volksarmee…”) und dem Stolz auf Zugehörigkeit („Ich trage mein Halstuch, das blaue, seht her…”). Ich besaß ein fremdes Gewissen. Es war rosa als ich Kind war und begann sich rot zu färben. Die Chancen wuchsen, dass ich irgendwann meinen Finger am Abzug gegen einen dieser Imperialisten gekrümmt hätte. Zumindest dieser kollektive Teil meines Gewissens wäre rein gewesen.<br>Doch selbst der Arbeiter- und Bauernstaat konnte keinem seiner Bürger die Fähigkeit zur (Selbst-)Reflexion nehmen. Die Macht des Apparats musste immer absurdere Versuche unternehmen, um ihre Versprechen zur Wirklichkeit hin zu verbiegen. Irgendwann versuchte sie sich am Verbiegen der Wirklichkeit selbst und scheiterte. Imperialisten, Kapitalisten und Kriegstreiber hin oder her; die Lebensumstände im eigenen Land, die Verpetzer der Stasi, die leeren Konsums, die Beschäftigungsmaßnahmen in den Betrieben. Es war nicht zu maskieren oder schönzureden. Nur Druck, Drohung und Gefängnis blieben, welche das Absurde durchscheinen ließen. Übrig blieb nichts mehr außer diejenigen, auf deren Rücken er vierzig Jahre lang getragen wurde. Die real-sozialistische Ideologie war nicht der erste und der letzte Ethos, der an sich selbst erstickte. Aber er verschwand nicht mit dem Mauerfall aus den Köpfen.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Während die Werteordnung des sozialistischen Arbeiter- und<br>Bauernstaats zerbröckelte, begann ich in der Folge an meiner<br>Gewissheit über meine (die rote) Weltanschauung zu zweifeln. Das, was gut und böse oder richtig und falsch bestimmte, verlor Substanz. Die Wahrheit verlor Substanz. Wie kann ich handeln, ohne zu wissen, wie ich richtig handle? Mein Gewissen reduzierte sich auf die Kategorien von gut und böse eines kleinbürgerlichen Anstandes: Man schlägt nicht, man klaut nicht, man übervorteilt nicht, etc. Es hatte sich auf das Minimum meiner kindlichen Konditionierung und Zweckmäßigkeit zurückgezogen.<br>Jahrzehnte später überlege ich noch immer, was Freiheit und<br>Gewissen bedeuten. Noch schwieriger wird es, wenn man beide zusammenführen will: Freiheit, das große Negativum mit dem Gewissen, dass eine positive Ethik fordert. Vielleicht ist kollektives Gewissen ein Indikator von Unfreiheit; einem Gefangensein in fremd vorgegebenen Werten und Urteilen über die Welt. Schon von der Kindheit an. Vielleicht ist ein freies Gewissen das Gewissen eines von fremden Werten freien, dafür ewig zweifelnden Menschen, welches in seiner Freiheit aufhört zu existieren. Die Werte des minimalen Anstands sind ein Thema für sich. Darüber liegt, was mir mit der Wende abhanden gekommen ist: Die normalisierten Werte der Gesellschaft. Sie wurden zu „gemeinsamen Werten”, die eine offene, demokratische Gesellschaft zusammenhalten sollen, welche keine gemeinsamen Werte kennt. Ein Paradoxon, das uns heute zu schaffen macht.<br>Schauen wir mit Dostojewskis Begriffen, die das Gewissen binden — Wunder, Geheimnis und Autorität —, auf die Moderne.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading {"level":3} -->
<h3 class="wp-block-heading">Das Wunder</h3>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Einer Ideologie abzuschwören ist nichts anderes, als einem<br>Glauben abzusagen. Es ist ein aufklärerischer Schritt. Ein Wunder war es für mich, nach der Wende in eine Gesellschaft hineinzugeraten in welcher keine zentrale Instanz die Welt in Gut und Böse unterteilte. Ich und alle „Ossis” mit mir wurden emanzipiert vom diktierten Wir und in eine neue Freiheit des Ich entlassen. So wie über 12.000 Arbeitende des VEB Robotron Sömmerda. Darunter meine Eltern. Die Veränderungen vollzogen sich in rasender Geschwindigkeit. Die sozialistische Hypernormalisierung wurde aufgelöst und seine positivistischen Werte und Wahrheiten mit ihm. Vor allem diejenigen, die ihre Arbeitsplätze verloren, spürten das. Die sozialistische Normalisierung hatte sich bis tief in die tatsächlichen Lebensumstände der Einzelnen eingegraben. Ob jemand eine Wohnung besaß und wo er arbeitete, waren unmittelbare Resultate des vergangenen Gesellschaftssystems. Zurück blieb eine existentielle Leere, die Zweifel hervorrief, nämlich wann eigene Urteile und Handlungen richtig oder falsch waren.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Die neue Freiheit war, ein freies – ein eigenes – Gewissen zu haben; Potenz im existentiellen Niemandsland. Ihr Preis war die Unmöglichkeit eines Gewissens ex ante — bevor allem Denken, Urteilen und Handeln. Ein freies Gewissen zeigt sich beim Urteilen über die Welt, beim Handeln und bei der Reflexion der Handlung im Nachhinein. Jedesmal gibt es Zweifel: Wer über die Welt urteilt, kann nicht wissen, ob sein Urteil wahr (also richtig oder falsch) sein wird; wer handeln will, kann dessen Folgen nur einschätzen und wer die Konsequenzen seines Handelns betrachtet, schaut in die unabänderbare Vergangenheit. Die neue Freiheit war Fluch und Segen: Die Aufgabe, persönliche Werte (Wahrheiten) zu finden, aus denen sich freie Gewissen bilden ist eine, die nie erledigt ist. Sie lädt der Person fortwährenden Zweifel auf. Aber nur so bleibt ein Gewissen frei.<br>Das war, was sapere aude! bedeutete: Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! Ein Wunder ist es, wie die ältere Generation der Ossis den aufgebracht hat. Immanuel Kants und Friedrich Nietzsches Philosophien gewannen plötzlich neue Bedeutungen. Sie wurden zu Negativität, in denen kein normalisiertes richtig und falsch existierte. So, wie die deutsche Verfassung von 1949, die ein Gesetzeswerk ist, das keine Rechte zuschreibt, sondern Abwehrrechte gegen jedermann und den Staat festschreibt. Das, was ich für richtig oder falsch halte, darf nicht von anderen beeinflußt, verboten oder bestraft werden. Die Grundrechte schützen den Kern meiner Freiheiten vor Eingriffen. Und sie geben anderen ein Recht zur Abwehr von Eingriffen durch mich. Sie helfen mir nicht dabei, zwischen richtig und falsch zu unterscheiden.<br>Glücklicherweise gab es die protestantische Ethik, eine „Moral- Light”, an der sich die Ossis orientieren konnten: Alles war erreichbar, wenn man tüchtig sei. Vom Trabi zum VW Golf, vom Tellerwäscher zum Millionär. Das wie war jedem selbst überlassen. Und wenn man von Ethik reden wollte, dann war es die des anthroposophischen Weltbildes vom gnädigen Unternehmer, dessen Vermögen das Soziale als trickle-down am Laufen hielt. Live and let live.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Aber wie ist Demokratie möglich, wenn es keine gemeinsamen (normalisierten) demokratischen Werte gibt? Muss ich ein schlechtes Gewissen haben, wenn ich mich um die Demokratie nicht kümmere, einmal alle vier Jahre oder gar nicht wähle? Wenn ich antidemokratisch bin? Ernst Wolfgang von Böckenförde hat das Problem der Demokratie in den 1960ern schon erkannt: „Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann.” Heute wird es uns drastisch vor Augen geführt durch Umverteilung, demokratiefeindliche Bewegungen und den Klimawandel. Allerdings hat die Werte-freie Demokratie einige Jahre lang weitgehend funktioniert. Bloß wie?<br>Die Antwort findet sich im Bürgerlichen Gesetzbuch von 1896. Es enthält den Grundsatz der Vertragsfreiheit. Er ist das moderne Wunder, welches erlaubt eine Gesellschaft ohne zentrale Moral, Ethik und Gewissen zusammenzuhalten. Er wird nur durch zwei kurze Gesetzestexte eingeschränkt: Sittenwidrigkeit und Wucher. Beide sind äußerst dehnbar und ändern ihre Bedeutungen mit der Zeit. Ganz im Sinne einer freien Entfaltung, die ihre Werte immer neu aushandelt.<br>Vertragsfreiheit besagt, dass freie, gegenseitig abgegebene Willenserklärungen zu einem Vertrag führen, in dem sich jeder Teil zur Erbringung einer Leistung verpflichtet. Jeder Vertragspartner erhält einen Anspruch auf Gegenleistung. Jeder Vertragspartner schuldet dem anderen eine Leistung. Diese Schuld macht einen Vertragspartner für den anderen berechenbar: Ich frage den Bäcker nach einem Brot und gebe das Angebot ab, ihm Geld dafür zu zahlen. Sobald der Bäcker Anstalten macht, das Brot aufzugreifen, hat er mein Angebot angenommen und schuldet mir das Brot. Ich schulde ihm das Geld. Wir beide erwarten eine Leistung und dabei sind wir uns sicher, dass mein Geld in seine Kasse klimpern und sein Brot in meiner Tüte verschwinden wird. Diese Sekunden haben uns untereinander zu einem Verhalten verbunden, das für einen winzigen Moment Stabilität in unserem menschlichen Verhältnis schafft. Bis die Verfügung (Übergabe von Geld vs. Brot) zum Abschluss des Vertrags führt.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Diese individuellen Schuldverträge binden mich und meine<br>Mitmenschen. Sie sind die zu Milliarden verbunden Fäden in der ökonomischen Gesellschaft, die sich damit politisch stabilisiert. Es sind heute die maßgeblichen Dispositive, von denen Michel Foucault schrieb; die zu komplexen Netzwerken verbunden Bindungen und Machtbeziehungen. Schuldverträge sind die tatsächlichen Gesellschaftsverträge geworden. Bis zu den Jahren 2002 (dem Dotcom-Crash) und 2008 (dem Bankencrash) schien das eine wunderbare Angelegenheit, die nur eine persönliche Ethik brauchte: Das Anerkenntnis, dass man Schulden zu begleichen habe.<br>Diese Schuldgeflechte sind dafür verantwortlich, dass Politik und Wirtschaft unzertrennlich scheinen. Politische Menschen hörten ab circa 1980 auf zu existieren. Was einst als Hippie-Culture galt wurde zu einer neoliberalen Idee, in der jede Person ihre eigene Selbstverwirklichung anstrebt. Eine Gesellschaft ohne Staat und ohne staatlich diktiertes Gewissen. Inzwischen ist offensichtlich, dass Banken und Versicherungen zu „Institutionen der Freiheit” geworden sind, weil sie als große Stabilisatoren fungieren. Ihre Schuldverträge sind auf lange Zeit angelegt und binden Menschen, die danach ihre Schulden abarbeiten und Lotto spielen. Friedrich Nietzsche hat so etwas vorausgesehen: „Die liberalen Institutionen hören alsbald auf, liberal zu sein, sobald sie erreicht sind: es gibt später keine ärgeren und gründlicheren Schädiger der Freiheit…” Ein durch Schuld gebundenes Gewissen ist nicht frei, aber es existiert: Wer Schulden hat, hat eine ethische Pflicht, sie zu begleichen. Das Gewissen eines Schuldners muss sich allerdings nicht moralisch „schlecht” fühlen. Dafür gibt es Zinsen und Vertragsstrafen.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Im Dunkeln bleibt, warum man einen Vertrag eingehen sollte. Das meinte schon David Hume, als er von der „wertlosen Fiktion” des allgemeinen Gesellschaftsvertrags schrieb, den Thomas Hobbes als Leviathan und Jean Jaques Rousseau als volonté generale konstruierten. Die privaten Verträge sind heute das Wunder, das freie Gesellschaften stabilisiert und das Gewissen bindet. Ihr Abschluss ist autonom, weswegen heute die Privatautonomie mit freiheitlicher Demokratie verwechselt wird. Wo sie sich entfaltet, wird so getan, als hätte sich Aufklärung ihren Weg gebahnt. Aus diesem Grund gebiert sich Ökonomie als Wissenschaft und trennt säuberlich das Rationale vom Emotionalen. Auf der einen Seite stellen sich Schauspieler in weißen Kitteln hin und empfehlen Zahnpasta mit einer implizierten Autorität der Wissenschaft. Auf der anderen Seite häufen sich Studien und Gegenstudien zu Belangen wie der Schädlichkeit von Nikotin oder der Frage nach dem menschengemachten Klimawandel. Der informierte Geist glaubt sich als Autorität, welche autonom über den Abschluss von Verträgen verfügt. Aus ihm folgt die Verpflichtung zur Leistung, die Schuld, die man sich autonom auflädt. Diese Verantwortung wird zur ethischen Bewertung des Handelns: Alles, was zur Vertragserfüllung dient ist grundsätzlich richtig. Der Fokus bleibt dabei auf der Freiheit des Vertragsschlusses selbst, autorisiert durch die Person und ihre freie Entscheidung. Im Sinne Dostojewskis ist das Gewissen in jedem Vertragsschluss gebunden und mißt sich an der Schuld zur Leistung, die man sich auflädt.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading {"level":3} -->
<h3 class="wp-block-heading">Das Geheimnis</h3>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Für das Gewissen eines Ossis war die Privatautonomie und die protestantische Ethik großartig, denn richtig war alles, was zum Begleichen von Schuld führte. Ein Gewissen entsteht durch Bindung innerhalb eines Vertrags. Es ist ein Gewissen, das sich allein auf die Verantwortung aus einer autonomen Willenserklärung ergab und zu einer höchstpersönlichen Schuld wurde. Bis von Kinder- und Sklavenarbeit gesprochen wurde. Bis bei Foxconn Arbeiter in den Tod sprangen und in Verpackungen chinesischer Produkte Zettel mit Hilferufen von Zwangsarbeitern gefunden wurden. Das waren Probleme, die außerhalb der Verträge lagen, in der Frage, ob man überhaupt das billige T-Shirt oder die Sneaker hätte kaufen sollen. Für so belastete Gewissen gibt es inzwischen eine Menge von Gütesiegeln (Versprechen), an denen es sich zurückziehen kann: MSC, FSC, Bio- Siegel, EU-Ecolabel, Rain Forest Alliance Certified, Fairtrade, UTZ, SA8000, Leaping Bunny, etc. etc. Die Rettung der Welt liegt in der Hand der einzelnen Person und erfordert wenig Gewissensanstrengung vor dem Vertragsschluss.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Das Geheimnis, von dem Dostojewski behauptet, dass es das<br>Gewissen fessele ist der Glaube an das Konzept des freien Willens. Hier materialisiert sich das, was Kant unter sapere aude! zusammenfasste. Eine Person, die Aufklärung als Rationalismus versteht fokussiert auf diesen immanenten freien Willen, der sie autonom macht und in die Lage versetzt, Verantwortung zu übernehmen. Freier Wille ist Voraussetzung zur Möglichkeit von Privatautonomie. Gütesiegel und Zertifizierungen sind eines von vielen Mitteln, den Fokus des Einzelnen von der Frage abzulenken, warum sie ein Vertrag schließt. Ein Gewissen außerhalb von Verträgen wäre gefährlich für die Stabilität dieses Systems, weil es den Abschluss von Verträgen hindern könnte. Das Bestehen von Verträgen ist wichtiger als ihre Inhalte — ihre Ethik — geworden. Das Geheimnis liegt im fortwährenden Antrieb, der sich als rational-modern gibt und das Verweilen im Moment unmöglich macht. Eine Vernunft, die immer von hier und jetzt weg muss, um zur Freiheit hin produktiv zu sein. Sie ist ein Getriebensein in Bindung.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Ökonomen reden seit Auguste Comté oder Eduard Spranger vom „Nutzenoptimierer”: „Der ökonomische Mensch im allgemeinsten Sinne ist also derjenige, der in allen Lebensbeziehungen den Nützlichkeitswert voranstellt. Alles wird für ihn zu Mitteln der Lebenserhaltung, des naturhaften Kampfes ums Dasein und der angenehmen Lebensgestaltung.“ Sie reden von einem egozentrischen Gewissen, das keine soziale oder ökologische Verantwortung kennt. Der Psychologe und Wirtschaftswissenschaftler Daniel Kahnemann hat am Ende des letzten Jahrhunderts diesen nutzenmaximierenden homo oeconomicus widerlegt. Im „Anker-Effekt” macht er beispielsweise deutlich, dass Menschen dazu tendieren, sich bei Entscheidungen an zufälligen oder vorgegebenen Werten („Ankern”) zu orientieren, auch wenn diese Werte für den (rational erwarteten) Nutzen irrelevant sind. Seine Erkenntnisse sorgen für allgemeine Verwirrung, denn sie hat Risse in die pseudo-aufklärerische Begründung der Ökonomie als „vernünftige Ordnung” gebracht. Hier zeigt sich Aufklärung als Prozess: Menschen Freiheit durch Zweifel zuzugestehen. An einem solchen Punkt steht das frühe 21. Jahrhundert: An dem alle Register einer neoliberalistisch dogmatisierten Gesellschaft gezogen werden. Dogma ist der oben genannte Nutzenmaximierer, dem umfassende Individualität und ein freies Gewissen nicht gut tut. Es scheint wichtiger, die Autonomie der Person zu betonen als Inhalt und Ursprung des „Nutzens”.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Das Konzept des freien Willen macht uns gottesgleich. Oder sagen wir, unser Glaube daran. Denn nach Kant ist eines der (wenigen) geistigen Vermögen des Menschen die Herstellung von Kausalität. Alle Wirkung hat eine Ursache. Allerdings hat der freie Wille gerade keine Ursache, sondern er ist Ursache selbst. Wir lassen uns allenfalls dazu hinreißen, der Emotion, die durch — kausale — Sinneseindrücke geweckt wird, einen gewissen Einfluß zu verleihen. Dennoch trennen wir die Emotionen (die Affekte) sorgfältig vom Rationalen ab; und das Ich, der Ursprung des freien Willens und des Gewissens, wird damit zum Erzeuger von Urteil und Handlung in der Welt.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Dieses autonome Ich ist ein Konstrukt unseres Verstandes, der sich selbst schmeichelt. Denn wenn die Person die originäre Ursache von Veränderungen in der Welt wird, dann ist sie Gott. Dann ist das, was sie entscheidet ohne eine Ursache davor entstanden. Aus dem Nichts, so wie Gott die Welt schuf. Diese Egozentrik ist notwendig für das Gefühl, seines eigenen Glückes Schmied, also fähig zu Selbstwirksamkeit zu sein. Es führt dazu, die Welt nur noch als Umwelt zu begreifen, als etwas, das außerhalb von uns existiert und das es zu kontrollieren gilt. Und obwohl die Neurowissenschaft dieses Konzept schon eine Weile lang kritisiert, fesselt uns die Moderne mit diesen Glauben an das autonome Ich als Erzeuger eines Willens, der mit Mündigkeit im Sinne der Aufklärung gleichgesetzt wird.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Das Ökonomische versteckt sich hinter der Fassade einer falsch verstandenen Aufklärung. Sie rückt die denkende und frei entscheidende Person in den Mittelpunkt als fraglose Autorität und läßt ihre Motivation, ihr Begehren im Dunkeln. Deswegen funktioniert sie auch politisch — bei jedem von uns — indem sie sich liberal gibt. Freier Wille wird aus Verantwortung begründet. Ohne Verantwortung gibt es keine Schuld, die einen Vertrag bindend macht. Verantwortung für meine Handlungen ist nur dann möglich, wenn es frei-willentliche Handlungen des (verantwortlichen Ichs) sind. Der freie Wille ist dazu notwendig — aber aus diesem Zirkelschluss nicht erwiesen. Er bleibt das Geheimnis, das unser Gewissen nicht frei sein läßt, weil der Antrieb unserer Entscheidungen emotional und kollektiv schwer zu reflektieren ist. Die Substanz, die das Konzept des freien Willens möglich macht ist demnach nur der Glaube daran. Er ist eine Wertung, eine Wahrheit, die nicht erwiesen ist und unsere Gewissen vor dem Eingehen eines Vertrags nicht frei sein läßt.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading {"level":3} -->
<h3 class="wp-block-heading">Die Autorität</h3>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Was&nbsp;<em>richtig</em>&nbsp;– also von Wert – ist, entscheidet eine Person für<br>sich und sie empfindet es anmaßend, wenn in diese Urteile eingegriffen wird. Daher fühlt sich die gegenwärtige Gesellschaftsordnung frei an. Wir verhandeln Werte untereinander. Für Verträge, die uns in Schuld mit anderen setzen, fehlt allerdings ein entscheidendes Element, das uns dazu bewegt, solche einzugehen: Motivation oder das&nbsp;<em>desire</em>&nbsp;von dem Kluckhohn meint, es sei die Essenz von Wert.<br>Auch wenn uns die Moderne (bzw. wir selbst) uns glauben machen, dass wir (das Ich) die Autorität sind, die sich in Verantwortung begibt, steckt etwas anderes dahinter. Siegmund Freud hat das vor über hundert Jahren mit dem Unbewußten auf die Gefühle geschoben. Zwar mit dem kapitalen Fehler, diese Triebe als böse zu deklarieren, allerdings mit Folgen für das ganze 20. Jahrhundert. Es ist akzeptiert, dass unsere Motivationen emotional und nicht rational herleitbar sind. Der Neoliberalismus setzt auf diese individuellen Motivationen, ähnlich wie der Schutz individueller Freiheitsrechte. Das bedeutet allerdings nicht, dass Neoliberalismus individuelle Freiheit unangetastet läßt.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Im Vertrag, bzw. seiner Leistung für mich, liegt ein Wert auf<br>welchen ich hinstrebe. Was wert ist, angestrebt zu werden, muss logisch wahr für mich sein. Erinnern wir uns an seine<br>indogermanischen Wurzeln: Vertrauen, Treue, Zustimmung. Vertrauen schafft, wie u.a. Kahnemann darlegt, die ständige Wiederholung einer Botschaft. Sie wurde zu DDR-Zeiten in mich hineingetrommelt und -gesungen. Bis ich glaubte, dass der Sozialismus wertvoll sei und alle seine realen Begleiterscheinungen. Das war Propaganda. Heute heißt das public relations. Werbung schafft Vertrauen durch ständige Wiederholung. Wenn man mit einem Produkt zufrieden ist, bleibt man ihm treu. Und neuen Produkten der selben Marke stimmt man tendenziell a priori zu. Man schwört auf Adidas, BMW oder Coca-Cola. Es ist der Affekt, der uns motiviert einen Vertrag einzugehen.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Der Affekt ist etwas, das von Außen auf mich eindringt und<br>Emotionen weckt. Er schiebt mich als Person aus meinem Zentrum indem er Erstrebenswertes und damit Wert erzeugt. Aber ist es mein Wert? Die Kehrseite dieses Bedürfnisses ist, dass dieses Erstrebenswerte mich unzureichend macht: Ein Gefühl von Unvollkommenheit wird geweckt. Ohne diese Smartwatch oder dieses E-Auto komme ich nicht weiter. Es wird zur Aufgabe, auf den Wert hin zu streben, der von diesem Gefühl des Unzureichend-Sein befreit. Die Moderne hat sich die Verknappung des Glücks zum Gegenstand gemacht. Plakativ zeigt sich das dort, wo man zu arm, zu dick, zu faul, zu häßlich, zu dumm gemacht wird. Das Ziel wird die eigene Mitte, die es wiederzufinden gilt. Das optimale Ich, das dem tatsächlichen überlegen ist, das besser ist. Die Traumvorstellungen dieses Ichs zeigen sich in digitalen Filtern. Was hat das alles mit Gewissen zu tun?</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Das Gewissen bindet sich am Affekt, aus dem Erstrebenswertes (desire) entsteht. Der Wert ist immer ein Befreiungsakt vom Unzureichend-Sein. Autonom ist nur die Rationalität, mit der wir versuchen, uns zu befreien. Gegenüber der Ursache des Wertes, nach dem wir streben, sind wir ignorant. Dummerweise bewahrt Ignoranz geistige Integrität. Das eigene Weltbild schützt sich vor unbequemen Tatsachen, um rund und intakt zu bleiben. Hat man allerdings das eigene Unzureichend-Sein aus Affekt akzeptiert, schließen wir Verträge, um einen Befreiungsakt von dieser Unvollkommenheit zu erreichen. In diesem Licht wird Freiheit zum ultimativen Wert.<br>Wer vorbehaltlos, kritiklos und wertungsfrei eine Affektion<br>aufnimmt, nimmt inhärent Ignoranz gegenüber seinem eigenen Gewissen auf. Wer Make-Up auflegt, befreit sich vom Gedanken an Tierversuche. Wer digital produziert, denkt kaum an die Energie, die dafür aufgewendet werden muss. Wer Fleisch ißt, denkt nicht an Schlachthöfe. Wer billige Klamotten kauft, hat keine Gerberei in Bangladesch vor Augen.&nbsp;<em>Ignorance is bliss.</em><br>Die Gewissen-bindende Autorität ist nicht das autonome Ich, sondern der Affekt, der uns zum Eingehen von Schuld und Verantwortung bindet.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading {"level":3} -->
<h3 class="wp-block-heading">Normalisierung</h3>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Neoliberalismus hat uns ein Leben ermöglicht, welches die<br>Wirklichkeit einer offenen demokratischen Gesellschaft greifbar macht. Er hat uns von der Notwendigkeit politischer Ideologie befreit — ganz im Sinne der Verfassung. Er hat jedoch eine Bedingung: den Rückzug des Gewissens in’s Egozentrische in Form von affektgetriebener Privatautonomie unter dem Leistungsgedanken. Im Gegenzug verspricht er für jedes schlechte Gewissen Werte in Form von Lösungen und Produkten. Seine Konsequenzen sind weltweit spürbar: Ausbeutung, Ressourcenverschwendung, ein absurdes Wachstumsparadigma und Klimawandel.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Neoliberalismus hat uns vom Zweifel am Dasein weitgehend befreit und unter dem rationalen Tüchtigkeitsgedanken, dass jedes Problem (technologisch) lösbar sei, (u.a. zu Konsumenten) normalisiert. Preis ist die Akzeptanz, unzureichend und unvollkommen zu sein. Eine Ethik, welche mit Ängsten operiert. Indem sie die Gegenwart oder die Zukunft als sorgenvoll darstellt, treibt sie zu rationalen Lösungen an. Mit der positivistischen Aufladung von Affekten stellt sie sich gegen die aufklärerische Negativität, der Abwesenheit von allgemein gültigen Wahrheiten und postuliert dennoch eine eigene.<br>Mit Absurdität kämpfen wir gegen das Absurde an: Wachstum ist notwendig, um das Versprechen jederzeit erneuern zu können, sich immer wieder von diesem Unzureichend-Sein befreien zu können. Daher gibt es App gesteuerte Mülleimer, USB-beheizte Handschuhe, Bananenschneider, Selfie-Sticks für Haustiere, etc. Utopien wie selbstfahrende Autos oder Marsflüge sind Propaganda konservativer Technokraten, welche die Definition von „Fortschritt” für sich einnehmen. Kaum anders als in der späten DDR: Die Versprechen werden so absurd, dass sie sich nicht mehr an der Wirklichkeit messen lassen können. Und die Versuche, die Wirklichkeit an die Versprechen („Befreiung”) anzupassen, haben die Ausrufe von Terror, von Inflation und Deflation, Staatsschulden und Kriegsgefahr gezeigt. Die 2001 in den USA eingeführte „Terror-Ampel” steht seitdem auf Gelb. Fortwährend. Diese Getriebenheit macht müde. Sie ist die Achillesferse jenes neuen Liberalismus an, der gerade zugrunde geht und droht, die offene Gesellschaft mitzureißen.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>So finde ich mich als ehemaliger DDR-Bürger in einer Gesellschaft wieder, deren Bindung durch Affekte erzeugt wird, die ich kaum verstehe. Wieder bin ich von fremden Urteilen beherrscht, die einen Ewigkeitsanspruch tragen. Die permanente (Selbst-)Befreiung von unserem Unzureichend-Sein hatte den Vorteil von der grundlegenden Absurdität des Daseins abzulenken. Wir sind immer damit beschäftigt, uns aus scheinbar dissonanten Lagen zu befreien. Diese Verhaltensmuster tragen wir in die gegenwärtige Transformationsphase. Es kommt für freie Gewissen darauf an, ob wir uns selbst von diesen Konditionierungen lösen können oder nicht.<br>Dostojewksi sieht es kritisch: „Oder hast du vergessen, daß Ruhe und sogar der Tod dem Menschen lieber sind als freie Wahl in der Erkenntnis von Gut und Böse? Nichts kann den Menschen mehr verführen als Gewissensfreiheit, aber auch nichts ist qualvoller für ihn.“ Die gegenwärtige Suche nach „gemeinsamen Werten” scheint ihm recht zu geben. Viele Menschen flüchten sich von einer Ideologie in die nächste und nehmen willkommen eine positive Aufladung ihrer Weltbilder durch fremde Werte an. Überragend ist dabei ihre naivste Form: Die Flucht in’s Konservative, die zum Identitären reicht. Menschen, die jahrzehntelang unpolitisch waren, suchen nun nach ihrem Selbstwert, weil sie sich von der Möglichkeit zu Verträgen in der neoliberalen Gesellschaft ausgeschlossen fühlen – oder in Sorge darüber sind.<br>Wer nicht mehr in der Lage ist, sich in Verträge zu begeben, kann sich nach dieser Logik nicht aus dem Unzureichend-Sein befreien. Zuflucht wird gesucht in Identität und Zugehörigkeit. Es geht nicht darum, „deutsch” zu sein, sondern um den wärmenden Inhalt der Versprechen drumherum: Ein freier, sorgenloser Mensch zu sein. Eine neue Ethik wird gesucht, weil Transformationsphasen aufklärerisch und furchteinflößend sind: sie sind ungewiß und stellen den Ewigkeitsanspruch eigener Wahrheiten, die plötzlich zerbröckeln, in Frage. Zweifel wird zur Qual.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Freiheit wird plötzlich zur unbegrenzten Möglichkeit, deren<br>Begriff leer und offen ist — und das Gewissen ebenso. Freiheit gewinnt ihre Konturen erst dort, wo sie verletzt wird. Wird Freiheit beispielsweise mit „Abwesenheit von Mauern“ definiert, ist das eine negative Abgrenzung. Das Substantielle findet sich allerdings darin, dass ein Umstand festgelegt wird, der im Denken immer einen positiven Begriff der Mauer erfordert. Diese Mauer tritt als substantielles Etwas in die Definition ein, die sie gerade ausschließen will. Das Nicht-an-den-rosafarbenen-Elefanten-Denken scheint notwendig und ist paradox: Erst wenn ich weiß, woran ich nicht denken soll, kann ich nicht an dieses Etwas denken. Diese Mauern werden wieder mit den alten Sprüchen bepinselt: Die Asylanten, die Eliten, die Verschwörungen gegen „uns” und unsere Freiheit. Ein dissonantes Gefühl der Unfreiheit zu erzeugen und zu nutzen ist Voraussetzung und der älteste Affekt im Buche. Oder wie Albert Camus schreibt: „Ich mache es wie so viele Beamte des Geistes und des Herzens, die mir nur Abscheu einflößen und die, das sehe ich jetzt genau, nichts anderes tun, als die Freiheit des Menschen ernst zu nehmen.“</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Das aufgezwungene Gefühl von Unfreiheit trägt immer das<br>trügerische Versprechen, dass wir uns von ihr befreien könnten. Ein freies Gewissen ist eins, welches ewig geltende, positivistische Werte nicht akzeptiert. Sie sind die Gesichter, die der Angst gegeben wird. Freien Gewissens zu sein bedeutet, den Ewigkeitsanspruch von Wahrheit immer in Zweifel zu ziehen — und damit sich selbst.</p>
<!-- /wp:paragraph -->]]></description>
		
					<wfw:commentRss>https://www.thepersonalist.de/gewissen-wert-und-normalisierung/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>1</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Warum die (Haus)Preise steigen</title>
		<link>https://www.thepersonalist.de/warum-die-hauspreise-steigen/</link>
					<comments>https://www.thepersonalist.de/warum-die-hauspreise-steigen/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marco]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 02 Jul 2021 11:34:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gerechtigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.thepersonalist.de/?p=3901</guid>

					<description><![CDATA[<p><img width="1024" height="683" src="https://www.thepersonalist.de/wp-content/uploads/2021/07/DSC_0329-1024x683.jpg" class="attachment-large size-large wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.thepersonalist.de/wp-content/uploads/2021/07/DSC_0329-1024x683.jpg 1024w, https://www.thepersonalist.de/wp-content/uploads/2021/07/DSC_0329-570x380.jpg 570w, https://www.thepersonalist.de/wp-content/uploads/2021/07/DSC_0329-768x512.jpg 768w, https://www.thepersonalist.de/wp-content/uploads/2021/07/DSC_0329-1536x1024.jpg 1536w, https://www.thepersonalist.de/wp-content/uploads/2021/07/DSC_0329-2048x1365.jpg 2048w, https://www.thepersonalist.de/wp-content/uploads/2021/07/DSC_0329-700x467.jpg 700w" sizes="auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px" /></p><!-- wp:paragraph -->
<p>Wir leben in einer beschissenen Zeit. Die Freiheit ist grenzenlos, die Gesellschaft ist offen, wir haben gleiche Rechte und gleiche Stellung. Und wir haben sie nicht. Wir leben in einem Zeitalter der Paradoxie. Alle Güter scheinen verfügbar, jederzeit und überall. Die Regale sind gefüllt, wobei die Aufregung einsetzt, sobald das Klopapier aus ist. Dann greift die Angst um sich, die nur einen Menschen ergreifen kann, der auf solch paradoxe Weise aufgeklärt ist, wie wir. Wir spüren etwas von  Sorge aus dem Unterbewußten aufsteigen und atmen auf, wenn die Regale wieder mit Klopapier gefüllt sind. Etwas hatte die Lieferketten unterbrochen. Man muß immer mit dem Schlimmsten rechnen, doch das Schlimmste wird ja nie eintreten, oder? Irgendwer kümmert sich. Das System läßt uns nicht im Stich, wenn wir es nicht im Stich lassen,</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Seltsam, wie man am Wort des Mannes hängt, der predigt. Die <strong>Experten</strong> reden besorgt, doch ist da immer ein Lichtstreif am Horizont. Sie sind die Prediger der Asozialen, deren Credo es ist, in Freiheit zu leben und andere in Freiheit leben zu lassen. Wenn die anderen folgsam sind und arbeiten. Aus diesem Grund sind die Arbeitenden jene, welche die Arbeitslosen nicht mögen. Sie hassen die Faulheit und Dummheit derer, die nichts beizutragen haben. Denn das Prinzip ihrer Leistung ist — so beschwerlich es sein mag — doch ein lohnendes. Und wer arbeitet, arbeitet für Schmarotzer mit. <em>Mir hat auch niemand etwas geschenkt.</em></p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Für die Abgehängten predigen die sozialen Blutegel. Die Zyniker, die sich anmaßen, Seligkeit zu versprechen, unter einer Bedingung: Dem Beitrag in Geld. Zitat von einem US-Prediger: <em>“Alles was du hast, sind diese 1000 Dollar. Das ist nicht genug, um das Haus zu kaufen. Du versuchst, ein Apartment zu kaufen [mitfühlendes Lachen]… das ist ohnehin nicht genug Geld. Nimm den Telefonhörer in die Hand, steck diesen Samen in die Erde und sieh Gott zu, wie er die Dinge für dich in Ordnung bringt.” </em>Das kurze Lachen des Predigers irritiert uns nicht. Wir zucken mit den Schultern, lächeln mit einer Träne der Wehmut und akzeptieren unser Elend. Es ist nicht Gott, an den wir glauben, sondern daran, dass der Prediger seinen Zeigefinger auf uns richtet, auf mich. Selbst ein Brief, der mich namentlich erwähnt und Geld für die Kirche fordert, vermag es, uns einzufangen. Wir leben im Zeitalter sozialer Deprivierung, in der wir alles tun, um von anderen beachtet und ernst genommen zu werden. Herrgott, Menschen gehen zum Arzt, um jemanden zu haben, der mit ihnen und über sie redet.  </p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Die wichtigen Begriffe wurden im Zeitalter der Anti-Aufklärung reduziert. Freiheit, Verantwortung, Glück. Das sind keine Güter, die jederzeit verfügbar sind. Wir müssen sie uns verdienen. Die Bedingung des Glücks umgibt uns jederzeit. Tüchtigkeit die sich in Glück verwandelt, wenn die Härte des Lebens, die Scheiße, die es uns gibt, zu feinen Goldfäden gewoben wird. Ein Märchen, das wir glauben. Das große Paradoxon des aufgeklärten Menschen. Er will nicht zu Gott, er will gehört werden, er will, dass sich seine Tüchtigkeit, sein Leid, seine Sorge auszahlt.&nbsp;</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Es gibt Güter im Überfluß. Bloß das Glück ist knapp. Und der aufgeklärte Mensch ist jener, welcher in der <strong>Verantwortung</strong> steht, sein eigenes Glück zu verwirklichen. Der Mensch kann sich nicht herauswinden aus der Verantwortung, denn er ist ein autonomes und frei-willentliches Wesen heißt es. Wer soll Verantwortung tragen, wenn nicht das Individuum selbst? Der Kern der neoliberalistischen Ellenbogengesellschaft, deren Bedingung Leistung ist, liegt genau an dieser Stelle. Dort, wo er sich mit der Selbstauffassung des Individuums überlagert. Da steht der Mensch im Licht, aus welchem er nicht treten kann, will er kein dumpfes Tier sein. Wer sein Glück zu verantworten hat, verantwortet sein Unglück.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Wir haben akzeptiert, dass Öknomie zur Wissenschaft erhoben wurde. Denn die Ökonomie scheint mathematisch-logischen Mechanismen zu unterliegen. Der <em>homo oeconomicus </em>ist der Versuch, den aufgeklärten Menschen auf ein haushaltendes Wesen zu reduzieren, dass vernünftig sein muß. Es muß arbeiten, sich versichern, vorausdenken, sparen — oder, wenn die Lage es erfordert, das Gesparte ausgeben.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Wir haben akzeptiert, dass Freiheit eine Reduktion ist, in deren Fokus das Geldverdienen rückt. Denn Geld macht frei. Die Bedingung zur Freiheit ist zunächst jene, die in Auschwitz auf den Toren steht. Um es nicht mißverstanden zu wissen: Der Mensch arbeitet, weil er arbeiten will. Wird Arbeit zur Bedingung von Freiheit gemacht, arbeitet der Mensch, weil er muß. Er muß nämlich frei sein.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Freiheit ist ein Teil von Glück. Soviel steht fest. Glück ist vielleicht ein Moment oder <em>der</em> Moment, das Dasein an sich, ohne zu denken. Ohne zu denken! Vernunft, die reduziert ist auf Methode und Rationalität ist auf ein Werkzeug reduziert, dass Ziele erreichen will. Sie will, kurz gesagt, einen Zustand des Glücks erreichen. Rationalität und Methode haben nicht das Zeug dazu, zu erklären, was Glück sein kann. Deswegen braucht es Glauben. Er verheißt dem Menschen das Ziel und wird zu Orientierung, die er so sehr braucht, um wirken zu können. Das Paradoxe daran ist, dass das Ziel ein Moment ist (wenn Glück im Moment liegt), der sich durch Anstrengung (Tüchtigkeit, Leistung, Arbeit, etc) verwirklichen soll. Es ist ein zukünftiger Moment, der nicht existiert und doch schon im Jetzt und Hier da ist. Das Getrieben-Sein wird zum Motor unserer Existenz, seine Daseinsberechtigung zieht es aus der Präsupposition der Vernunft. Mit anderen Worten: Wir haben die Vernunft auf Rationalität reduziert, deren einzige Aufgabe es ist, Probleme zu lösen. Nämlich uns aus der Situation der Sorge und des Unglücks zum Glück hin zu bewegen. Damit wird aus dem so reichen und mannigfaltigen, emotional und rational gefüllten Begriff Vernunft die Reduktion auf pure Rationalität. Den Einsatz unserer Rationalität verlangt wiederum jene “Vernunft”, die zur puren Rationalität verkommen ist und paradoxerweise von Sorge und Dissonanz getrieben wird. Es ist unsere Verantwortung als <em>Vernunftwesen</em> Mensch, eigenverantwortlich für uns zu sorgen. Aber eben nur mittels Methode einem Zustand zu entfliehen, dem permanente Unzufriedenheit zugrunde liegt.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Die Verlustangst der Begüterten in einer hochentwickelten, ökonomisch reichen Gesellschaft ist das Pendant zur Sorge der Minderbemittelten. Die Unzufriedenheit lebt von der permanent nagenden Sorge, die Güter zu verlieren und dabei einen Teil von sich selbst zu verlieren. Dieser Teil ist die Potenz, die man durch Arbeit und Tüchtigkeit erworben hat. Kurzum, kann man den Millionären dieser Welt das Beileid aussprechen. Sie laufen im Wettrennen ganz vorne mit und leben in der Angst, eingeholt zu werden, während auf den hinteren Plätzen die Aufholjagd große Anstrengung kostet. Das Laufen an sich wiederum sorgt für Stabilität. Hier liegt die Verquickung des Ökonomischen mit dem Gesellschaftlichen. Die Gesellschaft glaubt, ohne die permanente Bewegung ihre Struktur zu verlieren. Was in gewisser Weise der Fall ist. Deswegen ist eines der wichtigsten Wörter aller Schlachtrufe: <em>Arbeitsplätze!</em></p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Es hat lange hat funktioniert. Der Fetisch Geld hat seinen Wert schon immer aus der Anerkennung und Beachtung durch den Menschen erfahren. Die Währung, die einst aus Muscheln bestand hat heute alle Aufmerksamkeit aufgesaugt; es ist zum Mittelpunkt des Strebens geworden — ob man es abstreitet oder verharmlost. Es entzieht die Aufmerksamkeit dem Sozialen. Wir haben keine Aufmerksamkeit mehr für Mitmenschen, weil der Mammon sie in Anspruch nimmt. Darum verfallen Schulen oder liegen die Alten in ihren Exkrementen in den Heimen. Darum sind künstliche Hüftgelenke, Knie-OPs und Botox-Behandlungen häufiger als Prophylaxe oder Kuren. Die ständige Bewegung unserer Selbst hat die ständige Bewegung des Geldes zur Folge. Wie Lymphe bewegt es sich nur dann, wenn wir arbeiten, unsere Muskeln bewegen. Die Lymphe ist zur Waffe gegen Sorge, Elend und Verwahrlosung geworden. Doch der Körper besteht aus so vielem mehr.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Der Logik der Märkte nach ist es Aufgabe des eigenverantwortlichen aufgeklärten Menschen, sich vernunftvoll zu behaupten. In seiner verkürzten Version der Neuzeit liegt das Egozentrische tief in dieser Aufforderung, <em>vernünftiger Mensch</em> zu sein, dem der vernünftige Mensch nichts engegen zu setzen hat. Die Perfidität der Konsequenzen ist nicht neu. Man stelle sich den <em>trickle down </em>Kapitalismus als die Mundwinkel eines Riesen vor, aus denen die Brotkrumen rieseln von denen wir uns ernähren. Die Logik gebietet, den Riesen weiterhin mit Brot und Kuchen und Wein zu versorgen, damit der Fluß nicht abreißt. An dieser Logik ist nichts auszusetzen, aber an ihrer stark reduzierten Vernunft.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading -->
<h2>Die Kaffeepresse</h2>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Es gibt ein Modell; ich nenne es “die <strong>Kaffeepresse</strong>”. In ihr schwebt der Kaffee unter der Presse, am unteren Rand lösen sich kleine Teilchen und sinken zu Boden. Die Abgehängten. Die Kaffeepartikel darüber sind jene des sich auflösenden Mittelstandes, nach oben hin befinden sich all jene, denen ihre Mühe ein Auskommen beschert — vom Facharbeiter bis zum Oberarzt. All die, welche sich unterhalb dieser Presse versammeln, arbeiten, produzieren, leisten. Sie befinden sich in einem vom “oben” getrennten Raum. Man kann ihn mit dem von Zentralbanken protektorierten Regionen gleichsetzen. Dort, wo die Banken die Preise stabil halten und wo das Geld einen stabilen Wert behalten soll. Dort, wo die Milch, das Brot, die Butter keine Tausende kosten, sondern einen Bruchteil des durchschnittlichen Verdienstes der kleinen Partikel unterhalb der Kaffeepresse. Diese protektionierten Gebiete sollen von der Hyperinflation fern gehalten werden, die sich überhalb dieser Zone abspielt. Dort, wo ohne Arbeit Geld vermehrt wird. An Börsen, bzw. in den Wettbüros der Welt, in Unternehmen deren Galleonsfiguren im Minutentakt hundertausende anhäufen, etc. Dort ist das Geld ohne Wert, weil es nicht verdient wird. Es steht im — Fetisch oder nicht — kein Gegenwert gegenüber, sondern bildet und vernichtet sich aus seinem eigenen Wert und Einsatz. Aus Zinsen und Zockerei, aus Expektanzen, Optionen und Leverages. Diese Welt ungezügelter Hyper-Depression und Hyper-Inflation liegt jenseits der protektorierten Gebiete, denn seine Instabilität soll sich nicht auf Gesellschaften auswirken. Und doch ist es schon längt im Gange: Wo das Geld in solchen Mengen akkumuliert ist, dass weder die Arbeitskraft noch die Ressourcen der Welt seiner Quantität gerecht werden können, fließt es in das einzige Unreproduzierbare und fest Quantifizierte: Grund und Boden. </p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Sobald das Geld eines hyper-inflationären Marktes in Immobilien fließt, wirkt es unmittelbar auf jene im protektionierten Gebiet unterhalb der Kaffeepresse. In praktikableren Termini: Wo Preise von Wohnungen, Häusern und Grundstücken in die Höhe schießen, muß härter gearbeitet werden, um sie sich leisten zu können. Die Unerbittlichkeit des Marktes greift hier auf all jene, die sich die Milch zwar leisten können, aber kein Dach haben, unter dem sie steht. Was bleibt den Arbeitenden, außer härter zu arbeiten oder sich länger zu verschulden? Und wo ist die Grenze, an der Bäume nicht mehr in den Himmel wachsen? Der Fetisch Geld verlangt und immer mehr Aufmerksamkeit ab, während das Soziale verkümmert und wir Gott und den Führern Ablaß zahlen, weil sie uns scheinbar ernst nehmen, weil sie uns als Menschen sehen. Als Menschen, deren Eigenverantwortung nicht mehr das leisten kann, was ein Markt von ihr fordert. Und als Menschen, die sich fürchten, jeglichen Halt zu verlieren, wenn der Fetisch seinen Wert verliert. Das Dilemma eines in die Irre geführten Wesens, das sich als geistig-autnom begreift und doch verlernt hat, vernünftig zu sein, macht die Zeit zu einer Scheiß-Zeit in der wir leben.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:separator -->
<hr class="wp-block-separator"/>
<!-- /wp:separator -->

<!-- wp:paragraph -->
<p><em>Wir kennen die Argumente der Ökonomen. Sie verstecken sich hinter Statistiken, wenn es um Anstieg und Fall von Immobilienpreisen geht. Das "Gesetz" von Angebot und Nachfrage ist unhinterfragte Begründung. Jüngst veröffentlichte capital.de (Link unten) eine Rangliste der Länder, in denen Hauspreise kürzlich angestiegen sind. In Schweden beispielsweise um mehr als das dreifache in einem Jahr.</em></p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:embed {"url":"https://www.capital.de/immobilien/in-diesen-laendern-sind-die-immobilienpreise-am-staerksten-gestiegen","type":"wp-embed","providerNameSlug":"capital-de","className":""} -->
<figure class="wp-block-embed is-type-wp-embed is-provider-capital-de wp-block-embed-capital-de"><div class="wp-block-embed__wrapper">
https://www.capital.de/immobilien/in-diesen-laendern-sind-die-immobilienpreise-am-staerksten-gestiegen
</div></figure>
<!-- /wp:embed -->]]></description>
		
					<wfw:commentRss>https://www.thepersonalist.de/warum-die-hauspreise-steigen/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Der Irrsinn mit der Verschuldung&#8230;</title>
		<link>https://www.thepersonalist.de/der-irrsinn-mit-der-verschuldung/</link>
					<comments>https://www.thepersonalist.de/der-irrsinn-mit-der-verschuldung/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marco]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 Jul 2020 03:56:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gerechtigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.thepersonalist.de/?p=3513</guid>

					<description><![CDATA[<!-- wp:paragraph -->
<p>Das Traurige und Irrsinnige am Problem mit der Staatsverschuldung ist ja die, dass man die Reichen theoretisch zwar zur Kasse bitten könnte, das zugleich aber einem Schuldenerlass gleicht. Warum, werden die Reichen fragen, soll ich mir meine Schulden erstatten? </p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Es ist die Sogwirkung der Schuldverschreibungen ganzer Gesellschaften und nicht mehr der Bedarf, der uns arbeiten läßt.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:core-embed/youtube {"url":"https://youtu.be/yy82hDgxoVE?t=563","type":"video","providerNameSlug":"youtube","className":"wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"} -->
<figure class="wp-block-embed-youtube wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
https://youtu.be/yy82hDgxoVE?t=563
</div></figure>
<!-- /wp:core-embed/youtube -->]]></description>
		
					<wfw:commentRss>https://www.thepersonalist.de/der-irrsinn-mit-der-verschuldung/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Was ist ein &#8222;Befreiungskrieg&#8220;?</title>
		<link>https://www.thepersonalist.de/was-ist-ein-befreiungskrieg/</link>
					<comments>https://www.thepersonalist.de/was-ist-ein-befreiungskrieg/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marco]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 18 Jul 2020 09:06:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gerechtigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.thepersonalist.de/?p=3498</guid>

					<description><![CDATA[<!-- wp:paragraph -->
<p>Ist ein Befreiungskrieg nicht immer ein Krieg dessen, der sich unfrei fühlt? Wäre danach die Verteidigung der Freiheit nicht schon Aufgabe des Verhandelns bei sich anbahnenden Konflikten? Wäre danach der sich Befreiende „schuldig“ am Beginn seiner Gewalthandlungen (seines Befreiungskrieges), nicht früh genug mit den Verhandlungen begonnen zu haben? Zum Verhandeln gehört allerdings die Ebenbürtigkeit der Vertragspartner. Diese Parität setzt bei allen Individuen und Gesellschaften voraus, gleiche Stärke zu besitzen. Worin diese Stärke besteht, bestimmt der Zeitgeist. Ist Stärke auf Überlegenheit im Angriff ausgelegt, rüstet man auf. Besteht sie beispielsweise in der Idee des <em>Tao</em>, wonach der Baum sich biegt, um nicht zu brechen, liegt sie in der Fähigkeit, die Welt vertrauensvoll zu betrachten.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Wer aufrüstet, tanzt auf die Klippe zu, welche Michael Kinsley in Anlehnung an seinen Mentor Thomas Schelling ins Bild setzt. Zwei Individuen sind am Fuß mit einer Kette verbunden und stehen an einer Klippe. Die Aufgabe ist es, den Anderen zum Nachgeben zu bewegen. Eine Lösung wäre, auf den Abgrund hin zu tanzen, um dem Anderen zu zeigen, dass man das Risiko des eigenen Todes eher in Kauf nimmt als den Verlust des Gewinns. Die Angst würde dann zur Aufgabe des Anderen führen. Diese Strategie hatte sich vierzig Jahre des 20. Jahrhunderts dahin zugespitzt, dass die halbe Welt auf diese Klippe hin tanzte, während sie von der anderen Hälfte überholt wurde. In der Konsequenz war Angst auf beiden Seiten der einzige, traurige Stabilisator.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Wer vertraut, erzeugt ein zunächst fragiles Klima der Ausgeglichenheit. Vertrauen entspricht den Staats- und Gesellschaftstheorien seit Rousseau und viele Staaten sind auf den Prinzipien des Gesellschaftsvertrages aufgebaut. Der Einzelne vertraut auf die Einhaltung der gemeinsamen Regeln durch die Anderen. Mit der Unterwerfung unter die gemeinsam ausgehandelten Regeln begibt man sich notwendig seiner absoluten Freiheit.&nbsp;</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Der Umstand, dass „Freiheit“ in liberalen Gesellschaften als Substitut für jenes Vertrauen verwendet wird, ist ein Ausdruck ewiger Angst, deren Befreiung ein aktionistisches Motiv wird. Man wird zum Wind, der Bäume verbiegt oder zum Brechen bringt. Freiheit ist im Gegensatz zu Vertrauen aktionistisch, also <em>durchsetzbar</em>. Ihre Möglichkeit zur Durchsetzung wird zur Möglichkeit von Selbstbestimmung, deren Ausübung aktives Mittel zur Angstbefreiung wird. Das Stammwort bleibt <em>Befreiung</em>. Vertrauen ist das scheinbar passive Pendant dazu. Der Mensch muss Wege finden, sich seiner Angst, die er nicht in Kontrolle oder Zerstörung des Anderen ersticken kann, zu entledigen. Es erfordert größeres Selbstbewusstsein als der Kampf um Freiheit. Diese Aufgabe scheint für das Individuum oft zu groß, denn sie gibt keine Rückversicherung von Außen, dass die Zukunft weiterhin lebenswert bleibt. Wer von „dem Anderen“ nichts weiß, der bleibt ihm entfremdet. Fremde Urteile über das Andere werden zu eigenen gemacht, denn sie sind Ankerpunkt für grundlegende Perspektive im Umgang mit dem Anderen. Die Offenheit des Fremden ist maßgeblich für alles Weitere. Das Fremde befindet sich auf beiden Seiten. Wenn nur eine Seite ihr Eigentliches, ihre Motive und Weltsicht offenlegt, wird sich die andere Seite dessen bedienen. Wer sich das Fremde zueigen machen kann, dem wird das Fremde das Seine. Was vormals fremd war, geht nun im eigenen Selbst-Vertrauen auf.&nbsp;</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Die materialistische Ansicht wählt dagegen den Weg der Strategie. Sie verbündet oder entzweit sich mit dem Anderen wie es ihrem Kalkül dienlich ist. Jene Strategien sind aktionistische; ihr Ziel ist im Grund die Erschließung und das Horten von Ressourcen für effektive Angstbefreiung. Das Materielle degradiert das Individuum zu etwas, dass lediglich frisst, scheißt und kopuliert. In materialistischer Rechtfertigung der Gewalt spielt der Gedanke von Freiheitsverteidigung eine gewichtige Rolle. Die Eudämonie, das glückliche Leben, wird reduziert auf die Abwehr und Beseitigung dessen, welches Glück unmöglich macht. Der Sieg wird das ultimative eudämonische Hochgefühl der Freiheit. Allein die Schritte des Prozesses dorthin, also Schlacht um Schlacht, sind stetige Rückversicherer des Wahrheitsversprechens jener Strategie. Das ermöglicht es, den Krieg aufrecht zu erhalten, um seine stabilisierende Wirkung im Inneren, des Staates und des Gemütszustands, zu ernten. Als Resultat findet sich der Mensch in immerwährender Sorge, die er ständig aktiv bekämpfen muss. Die Möglichkeit, jene Sorge bekämpfen zu <em>können</em>, ist Ursache, dass er am Kampf teilnimmt. Das Versprechen von Freiheit und ihr Abstreiten im Hier und Jetzt eröffnen Gewaltbereitschaft. Die Bereitstellung von Lösungen zur Ermöglichung der Freiheit ist Propaganda und Indoktrination. Es ist als setzte man sich freiwillig in den Kerker, um aus den Ausbruchsversuchen Lebensmut zu schöpfen.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Der Gesellschaftsvertrag ist kein Konstrukt der Freiheitsverteidigung, im Gegenteil. Auf seiner Grundlage werden Freiheitsräume zum Zweck des Zusammenlebens eingeschränkt. Das Ergebnis ist <em>Vertrauen in Stabilität</em> und daraus Möglichkeiten neuer Freiheitsverwirklichung. Diese realisierten neuen Freiheiten werden zu Werten erhoben, deren Verteidigung mit Freiheitsverteidigung gleichgesetzt wird. Solche Strömungen sind zutiefst konservativ; sie verteidigen die Früchte ihrer Gewinne aus dem Gesellschaftsvertrag gegen andere, inklusive ihrer Mitbürger.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Freiheit <em>hat</em> man. Menschenrechte und das deutsche Grundgesetz sind Versuche, negative Freiheitsrechte zu deklamieren. Menschenrechte und Grundrechte sind Abwehrrechte gegen den Eingriffe durch den Staat. Die liberal-demokratische Freiheit ist die, Verträge untereinander in eigener Verantwortung auszuhandeln. Wer diese Verhandlungen vermeiden will, stellt sich gegen die Freiheit als solche.</p>
<!-- /wp:paragraph -->]]></description>
		
					<wfw:commentRss>https://www.thepersonalist.de/was-ist-ein-befreiungskrieg/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die Autorität der Meinung</title>
		<link>https://www.thepersonalist.de/die-autoritaet-der-meinung/</link>
					<comments>https://www.thepersonalist.de/die-autoritaet-der-meinung/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marco]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 04 May 2020 10:54:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gerechtigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte & Essay]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.thepersonalist.de/?p=3315</guid>

					<description><![CDATA[<!-- wp:paragraph -->
<p>Die Autorität der Meinung</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p><em>Wie der Ausnahmezustand zur Probe gesellschaftlicher Kommunikation wird</em></p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Der Staat umschließt mich gerade schützend mit seinen Armen. Es steht nicht in meiner Macht, die Enge dieser Umklammerung zu lockern, noch mich daraus zu befreien. Das ist was man Autorität nennt. Sie zeigt sich als Paradoxon, wenn sich die Regierung außerhalb der geltenden Rechtsordnung bewegt und zugleich jene Ordnung anwendet. Was Michel Foucault als „große Gefangenschaft“ umschreibt, legt sich auf mein Gemüt.&nbsp;</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Es ist weniger Trotz als Sorge, wenn ein unglücklicherweise aus Verschluss entflohenes Dokument an die Bundesregierung eine marketing-psychologische Handlungs- und Gebrauchsanweisung für Politiker darstellt. Es ist betitelt mit „Wie wir COVID-19 unter Kontrolle bekommen“ und ich vermisse das letzte Wort: „könnten“. Stellt das nicht die Urteilsfähigkeit meines Souveräns in Frage?</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Souverän ist das Parlament, Autorität ist die Regierung und die Gewalten sind geteilt. Das ist das Rückgrat einer Demokratie. Der Ausnahmezustand fordert dagegen die Regierung an mehreren Fronten und seine Deklaration erhebt sie zum Souverän. Und immer steht die Glaubwürdigkeit des gesellschaftlichen <em>status quo</em> auf dem Spiel. Jedes System braucht Stabilität, deren Garantie eine zentrale Forderung jeden Bürgers an das System <em>Staat</em> ist. Ganz gleich, wo eine Bedrohung dieser Stabilität gesehen wird: Ob die progressive Linke ein Wirtschaftssystem als Quelle von Chaos verantwortlich sieht oder andere die Überfremdung zum Urgrund eines unfähigen Staates erheben; die Ursache liegt in tatsächlichen Lebensumständen und dem daraus erwachsenden Gefühl der Schutzlosigkeit. Das rüttelt an den Grundfesten einer Gesellschaft. Naturkatastrophen und Pandemien sind allerdings Lebensumstände deren imminente existentielle Gefahr tatsächliche Aktion benötigt. Das aus Politik zu Gesetz geronnene Recht kann hier keine Richtung vorgeben. Sein Rahmen wird für die Autorität unter Umständen zu beklemmend. Es wird zum Hindernis, sei es durch Prozess oder Materie. Es bleibt mir das Vertrauen auf die <em>gerechten</em>, die <em>richtigen</em> Entscheidungen derjenigen, die sich außerhalb der Rechtsordnung bewegen.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Gerechtigkeit ist keine hohle Phrase. Sie kann das Recht umschließen, jedoch nicht notwendig die Autorität, welche das Recht setzt. Der Ausnahmezustand teilt letzterer die fragile Möglichkeit von Autoritarismus zu. Seine Urteile müssen sich an dem Maßstab der Gerechtigkeit messen lassen.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Kann ich von Politikern Allwissen verlangen? Es sind eben keine Philosophen Könige, die den Ideen für eine gerechtere Gesellschaft zu Leben verhelfen könnten. Von der Regierung verlange ich zumindest Transparenz in ihren Überlegungen und Entscheidungen. Strategiepapiere sind offenbar Handlungsanweisungen, von einer Autorität an den Souverän des Ausnahmezustands; jemand flüstert ihm zu, wie zu handeln sei. Ein gewähltes Parlament disputiert offen, es streitet. Ohne die Verfassung als Ermächtiger des Souveräns und Korrektiv seiner Handlungen bin ich den Fesseln des positiven Rechts ausgeliefert, dessem Unrecht prinzipiell keine Grenzen gezogen sind.&nbsp;</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Ich muß weder die Geschichte bemühen, noch auf Militärregierungen verweisen, um klar zu machen, wie Regierungen sich zur Fähigkeit <em>ungerechten</em> Urteilens legitimieren. In Europa beschreitet Ungarn offen den Weg in Absolutismus, bei Staaten mit funktionierender Gewaltenteilung dagegen zeigen sich seit langem Muster einer politischen Eindimensionalität, welche auf einem gewissen Fortschrittsglauben technokratischer Gesellschaften aufbaut. Demokratien sehen sich jederzeit einer ideologischen Einflussnahme ausgesetzt, die man nur mit Transparenz bekämpfen kann. Doch selbst bei voller Transparenz scheint nichts das bürgerliche Bedürfnis nach sichernder politischer Richtungsweisung zu ersetzen. Ich bin geneigt, jede Maßnahme hinzunehmen, die meinem Schutz dient und verlange allenfalls Transparenz in <em>meinem</em> Sinne. Wichtiger als der Prozess der Entscheidungsfindung wird ihr Ergebnis. Das Ergebnis wiederum ist ein Postulat, das nicht unbedingt meinem Besten entsprechen muß, aber meiner <em>Meinung</em> darüber. In Gesetz gegossenen Urteile meines Souveräns bestimmen mein Leben und offenbar werden sie vorrangig vom Vertrauen in die Fähigkeiten und hehren Absichten der Regierung ermöglicht. Die meisten Deutschen oder Neuseeländer sitzen brav Zuhause, weil sie die Maßnahmen ihrer Regierungen als gerecht(fertigt) <em>empfinden</em>.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Ein Urteil, so heißt es in Schneiders „Logik für Juristen“, ist nur dann richtig, wenn es wahr ist und als gerecht empfunden wird. Die Regierung urteilt, ich füge mich umso williger, je stärker ich dieses Urteil als wahr und gerecht einordne. Übrig bleibt das Problem mit der Wahrheit. Die kommt immer von dort, wo ich stehe, bei ihr gibt es kein „gemeinsam“, sondern Ego. Nicht aus Vernunft, sondern aus Habitus und Indoktrinierung erwachsen Überzeugungen von Gerechtigkeit. Max Weber höre ich fragen: „Empirische Feststellung oder praktische Wertung?“&nbsp;</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Welchem Virologen soll ich glauben? Je mehr mediale Quellen ich öffne, umso halt- und wertloser scheint mein Weltverständnis zu werden. Während ich mich frage, wie ein Mensch aufgrund dessen überhaupt urteilen kann, gibt es solche, welche Meinungsfreiheit so verstehen, als falle das offene Phantasieren darunter. Eine sich selbst bestärkende Faktizität hat sich eingestellt, gefüttert von kontextlosen Informationsfragmenten in<em> echo-bubbles</em> sozialer Medien, wo Vertrauen in Quellen fraglos ist. Die Schärfe der Argumentationen nimmt mit dem Glauben zu, Recht zu haben. Und zwar im weitesten Sinne des Wortes: Jedes gefällte Urteil spricht Recht zu Gerechtigkeit und zu Wahrheit. Das Problem für mein Gefühl der Sicherheit in der Welt und damit für die Gesellschaft liegt dort, wo ich meine Schlüsse aus Urteilen anderer ziehen muß. Was für <em>mich</em> das Beste sei ist nicht mehr notwendig meiner eigenen Einstellung erwachsen, sondern aus der Vorgabe, den Urteilen anderer. Meine Empfindung für Gerechtigkeit, für das was wahr und richtig ist, wird manipulierbar.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading {"level":3} -->
<h3>Der Rabulismus</h3>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Rabulismus muß eine Ausscheidung des modernen Individualismus sein, einer Mischung aus Verwirrung und Haltlosigkeit. Jedermann hat eine Meinung und eine Methode, mittels derer er sich diese Meinung bildet. Wahrheit ist allenfalls <em>Sinnentwurf</em>. Meinungen sind solche Sinnentwürfe, geistig-emotionale Überbauten, welche eine innere Gestimmtheit entwickeln, die zur Richtschnur allen Handelns wird. In mir haben verschiedene basale Antriebe zeitweise die Oberhand gewonnen, seien es Ideal, Neid, Gier, Nächstenliebe. Das kommunikative Netz meines Sozialsystems beherbergt Millionen Menschen mit inneren Antrieben, welche sich von dieser oder jener Getriebenheit heraus äußern. Und sie raten mir von allen Seiten zu. Auf der Straße, in der Zeitung, im Radio, im Fernseher, im Internet. Jeder hat seinen Teil der Wahrheit beizutragen, von eben jenem eigenen Standpunkt. Keiner dieser Sinnentwürfe ist per se falsch, denn sie entspringen der <em>human condition</em>, einer emotionalen Grundgestimmtheit, einem Gefühl das nicht lügt. Es flüstert meinem rationalen Ich, dem eigentlichen Souverän meines emotionalen Selbst, ein was zu tun sei. Erst die rationale Ursachensuche für die eigene Lebenssituation wird zum Problem der Wahrheitsfindung. Was ist es, das mir Angst einjagt? Und wer kann mir eine Richtung geben, um diese Angst zu überwinden?</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Was bleibt mir kleinem Individuum an Möglichkeiten, Urteile zu fällen, die wahr und gerecht sind? Soll ich Philosophie, Juristerei und Medizin, (und leider auch Theologie) durchaus studieren, mit heißem Bemühn? Das ist unerheblich, wie schon Goethe feststellte. Meine Welt muß rund sein, und sei sie an vielen Stellen aufgeblasen mit der Metaphysik fremder Urteile. Omniscience, die neue mediale Allwissenheit, gibt mir Möglichkeiten von Wissen in einem Über-Goethe’schen Ausmaß. Sie reicht mir konsumierbare Fakten, die Komplexität vieler Kontexte stellt sie nicht für mich her. Es sei denn, ich vertraue dem Urteil anderer, welche diese Komplexität simplifiziert greifbar machen. Diese fremden Überzeugungen setzen sich dadurch in meinem Wissen und Weltverständnis fort. Das Wort Wissen stammt übrigens aus dem Altgermanischen und bedeutete „Vertrauen“. Als Demokrat muß ich aber gewillt und gewappnet sein, meiner <em>eigenen</em> Autorität zu vertrauen. Wenn ich aber nicht alles wissen und begreifen kann, bleibt mir dann nichts als eine eigene, prinzipiell <em>unvertretbare</em> Meinung haben zu <em>müssen</em>, auch als jemand, der die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen hat?</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading {"level":3} -->
<h3>Die Verwissenschaftlichung</h3>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Wissenschaft besitzt Autorität. Ihr Dasein stiftet Klarheit und Verwirrung zugleich, denn ihre Komplexität beruht neben Logik und Mathematik zugleich auf unzähligen Operanden. Es sind Prämissen, die ihrerseits wahr sein müssen, um in einem wahren Schluß zu enden. Den 2500 Jahre alten Kalenderspruch des Sokrates — „ich weiß, daß ich nicht wissen kann“ — ist durch das Prinzip der Falsifizierung assimiliert und gerade dadurch als unlösbar akzeptiert worden. Wissenschaft ist ein fortwährender und müßiger Prozess des Zweifelns. Er ist in sich nicht sicherheitsstiftend und wird zur Bedrohung einer Gesellschaftsordnung, wenn die Last politischer Verantwortung auf ihm ruht. So werden Virologen zu Hoffnungsträgern und Feindbildern. Sie reden von dem, was Fall ist oder sein könnte. Der Staat muß dagegen notwendig Unzweifelhaftes kommunizieren.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Nur ein populärer Wissenschafts- und Fortschrittsglaube, der eindimensional ist, scheint die Kluft zwischen Zweifel und Eindeutigkeit zu überbrücken. Kontradiktorische Informationen zirkulieren im Blutkreislauf der Informationsgesellschaft, einem Transporteur von potentieller Erkenntnismöglichkeit und Manipulation derselben. Ich taste mich <em>more geometrico</em> im Glauben an eine logisch-mathematisch ableitbare Faktizität zu meiner Meinung, bin dabei allerdings auf Information angewiesen, die ich selbst schwerlich validieren kann. Es bleibt mir das Vertrauen in ihren wissenschaftlichen Ursprung. Hier setzt Verwissenschaftlichung an. Sie ist die Inanspruchnahme von Wissenschaft für jegliches Kalkül. Sie kleidet Information in das Gewand der Unbestreitbarkeit und straft jeden Widerspruch als Meinungsmache. Es beginnt bei harmlosen „Infomercials” und wird lebensbedrohlich, wenn simple Kausalitätsherleitung zur Einnahme von Desinfektionsmittel führt.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Wissenschaft wird dadurch auf den Glauben an ihre eigene Methode reduziert, ungeachtet materieller Inhalte. Sie erzeugt alternativlosen Glauben, wenn man Methode und Materie nicht auseinanderhalten kann. Diese Verwechslung ist zum Problem der Moderne geworden, wie die Verwechslung von Wohlstand und Freiheit, von Freiheit und Arbeit, von Arbeit und Fortschritt, von Fortschritt und Wachstum, etc. Diese Begriffe eint der Verlust ihrer Multi-Dimensionalität.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Wissenschaft ist Autorität im Moment, wo ihre Erkenntnis zur Bestimmung des<em> archimedischen Punkts</em> gebraucht wird. Es sind die Virologen, deren Dienste hoch im Kurs stehen und von denen weniger wissenschaftliche Antworten, sondern konkrete, populär-anwendbare Richtungsweisungen erwartet werden. Seit Wissenschaft ökonomisiert wurde, spaltete sich ein Großteil philosophisch-empirischer Geistes- und Humanwissenschaft nach und nach von den <em>applied sciences</em> ab, jenem Zweig, der im Dienst des jeweiligen Fortschritts-Paradigmas finanziert und instrumentalisiert wird. Dort ist Wissenschaft ein Werkzeug in den Händen derer, die Fortschritt proklamieren und dabei diesem Begriff seine Facetten abschleifen. Ich lebe in einer Welt, wo das Erscheinen neuer Smartphone-Modelle und Elektroautos zelebriert wird und wo man sich zugleich einem sozialen Konservativismus hingibt. Die Hinwendung zur „guten alten Zeit“ und zur „Heimat“ läßt eine verkümmerte Gesellschaft zurück und sie produziert High-Tech, deren Existenzberechtigung nur noch in sich selbst ruht.&nbsp;</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Es ist fraglicher gesellschaftlicher Fortschritt, wenn eine Regierung die Rücklagen der Steuerzahler zum Weiterbetrieb der Wachstums-Maschinerie von Zins und Anlage einsetzt. So soll der <em>trickle down </em>Effekt weiterhin gewährleistet werden nach dessen Logik an einer Stelle der Gesellschaft Überfluss herrschen muß, damit der übrige, der arbeitende Teil von dort aus Lohn und Brot beziehen kann. Diese eindimensionale Verdichtung des Begriffs „Fortschritt“ auf „Wachstum“ spaltet in oben und unten. Es macht aus Bürgern und Demokraten Reiche, Arme, Prekäre und Faulpelze. Diese Definition von Macht durch vertikale Güterverteilung läßt keinen Raum für Gleichheit, den Primat des Rechts.&nbsp;</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Wo Multidimensionalität keine Rolle mehr spielt, kann der Mensch nicht gedeihen. Stattdessen ist er mit der Wissenschaft gemeinsam objektiviert und zu Fehlerintoleranz optimiert worden. In der Konsequenz bleibt nur noch die wissenschaftliche Methode mit der kontextlos Statistiken aufgerechnet werden; Tote gegen mögliche Tote, Abstraktion, Objektivierung.&nbsp; Meine Hilflosigkeit ist jene des Staates, jene der Wissenschaftler, die alle gemeinsam auf Exponentialkurven starren und deuten. Doch sind wir im Deuten nicht sonderlich geübt. Philosophische und sozialwissenschaftliche Ansätze stapeln sich in den Regalen der Universitäten und bekommen weder Platz im Politischen noch im Populären. Für jenen eindimensionalen Fortschrittsbegriff scheint die Technokratisierung der Wissenschaft zu genügen. Sie hat seit Jahrzehnten ihren Keim im Bildungssystem, das einem Katechismus gleicht, welcher die richtigen Antworten ihrer Schüler erwartet und aus Lernerfolgen Wettbewerbe macht. Hier richtet sich der Fokus auf Wissen, auf jenes altgermanische <em>wēr</em> also, das Vertrauen in essentielle dogmatische Ordnungsprinzipien, die es zu verinnerlichen gilt. Lehrpläne definieren was wahr sei und widersprechen damit jahrtausendealter philosophischer Erkenntnis. Das Potential zur komplexen Welterfassung verkümmert. Mit den Worten der Kulturwissenschaftlerin Sandra Geschke: „Die Widersprüchlichkeit des Anderen wird zunehmend als anstrengend empfunden. Linearität und Kausalsschlußprinzip ersetzen die Kontingenz und damit die Potentialität des Anderen.“ Bildung sollte Methode lehren und damit Wissenschaftlichkeit an sich. Erkenntnisfähigkeit und Selbstvertrauen ihrer Schüler sollte ihr Ergebnis sein. Hilfe zur Sinn-Stiftung wird zu den <em>soft skills</em> gezählt, welche Schulen und Universitäten kaum im Angebot haben, noch weniger das <em>populäre</em> Internet. Man hat mich mit den wesentlichen Fragen des Mensch-Seins alleine gelassen. Das menschliche Potential und der Mut mit dem <em>eigenen</em> archimedischen Punkt zu leben sollte gefördert werden, nicht die Angst Fehler zu machen.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Wo sind die Konzepte einer gerechten Gesellschaftsordnung, einer Ethik des Internets und seiner Algorithmen oder die einer universellen Bildung? Meine Identität als Mensch ist geformt, meine Angst nicht genommen, um über den Sinn meines eigenes Daseins nachzudenken. Nach alledem ist der Mensch von unten bis oben, von links nach rechts, mit der Aufgabe des Zweifelns alleingelassen und hat irrationale Angst diesen Zweifeln nachzugehen.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Das eröffnet geistige Anlegestellen für populistische und abstruse Verschwörungstheorien und subtiler Nachrichten zur Erziehung von Wissenschaftsfeindlichkeit, Staatsdienern, Konsumenten oder Reichsbürgern durch Rückversicherung ihrer inneren Gestimmtheit. Es ermöglicht einerseits den Staat mit seinem Sicherheitsversprechen aber zugleich Faktenverdrehung, Populismus und Demagogie. Demagogen haben wir in Deutschland und anderswo nicht lediglich auf den Straßen und Plätzen. Sie sitzen und reden auch in Parlamenten und unabhängig ist jeder in der Wahl seiner Berater, jenen Souffleusen, von Gewissen bis Experten. Gefährlich wird es, sobald Kalkül zur Hebamme von Zynismus wird. Wer dem Souverän Handlungsempfehlungen ausspricht, darf kein Kalkül besitzen.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Es scheint, als gebe es lediglich die Wahl zwischen zwei Polen, die sich in ihrer Rückwärtsgewandtheit nicht unterscheiden. Wer einem patriotischen Demagogen folgt, hat seine Stellung als Teil jenes „gemeinen Volkes“ in einer vertikalen Gesellschaftsordnung akzeptiert und kämpft inzwischen gegen diese Klassifizierung an. Wer seinen gesellschaftlichen Status aus Not verändern will, ist in diesem Moment progressiv. Hier teilt sich die Linke den grundsätzlichen Veränderungswillen mit der Rechten. Wer sich an Behauptungen des konservativem Wohlstandsgedankens — dem Schliff der <em>old white men</em> und ihres Moscheen-attackierenden Nachwuchses — erwärmt, findet sich als Erhalter des <em>status quo </em>wieder. In letzterer Gruppen finden sich erstaunlicherweise auch Minderheiten, denen gerade diese Politik nicht zugute kommt. Auch wenn jene gerade nicht der reichen weißen Klasse angehören, erhalten sie dieselbe durch ihre Arbeit. Sie sind inzwischen „Helden“ der Krise. Das ist eine Möglichkeit, die Stabilität ihrer Weltanschauung, d.h. das ihr Vertrauen in jene <em>trickle down economy</em> zu erhalten.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Deswegen kommt mir öfter eine erschreckende Utopie in den Sinn, in welcher ich mich im Griff von geistigen Blitzableitern und Stimmungsmachern wiederfinde, besonders solchen, die proklamieren, mit Falsifizierung besser vertraut zu sein als ich. Sogar der Geist eines humanistischen Weltbürgers wird von der populistischen Art verkündet: Man möge und respektiere alle Rassen, solange sie Zuhause bleiben. Ich bin woanders Zuhause und bei jeder Rückkehr in mein Geburtsland umschließen mich die Arme einer nationalen Identität. Ich kenne Thüringer, Münchner, Hamburger und Neapolitaner, Christchurcher und einen blondierten Japaner in Osaka. Sie sind Teil meiner Identität, der mir von solchen Demagogen in Frage gestellt wird.&nbsp;</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Machmal ist mir dagegen, als beschränke sich meine Identität auf Ziffern, nach Lebenserwartung, Leistungsfähigkeit, Qualifikation und Pandemie-Verbreitungsquotient. Dann stecke ich im Korsett jenes konservativistischen Fortschritts-Glaubens, wo die „gute alte Zeit“ herrschte, wo Trachten und Volksgesundheit und Arbeit, Wohlstand und Geld in exklusivem Equilibrium waren. Ein Oxymoron das es doch nur im Traum geben kann?</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Ausblick</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Der Staat umschließt mich. Ich bin mir nicht sicher, ob und wann sein Griff womöglich zu fest ist. Seit Jahren frage ich mich, was den Menschen sozial macht. Ist er dem anderen Wolf? Gibt es eine <em>lex aeterna</em>, eine allen einsichtige Vernunft? Oder ist der Mensch ein Staaten bildendes Wesen wie die Biene, weil es seiner Natur entspricht? Die Neurowissenschaft gibt diesem aristotelischen Gedanken neuen Aufwind. Ein Denkanstoß: Wenn die Kommunikation die kleinste soziale Einheit ist, weiter Familie, Freunde, Nachbarn und die Gemeinde, warum endet ihre Definition zumeist beim Nationalstaat? Wird diese Grenze dort gezogen, wo Kommunikation, der kleinste Nenner, erschwert ist durch sprachliche Differenzen? Genügt dem Gemeinschaftsgedanken eine wohlig-kulturelle Abstraktion des Zusammenhaltsgefühls? Wer an die europäische Jungfer denkt, welche ihre Verlobte, die Freiheit küßt, hat die letzten Wochen verschlafen. Europas Grenzen sind klar gezogen, innen und außen. Welchen Wert hat „Europa“ auf dem Papier? Welchen Wert hat es für mich? Ich frage nicht nach dem empirischen Europa, ich frage nach dem praktischen. Aus simpler Empirie erkenne ich, daß Europa, wie Deutschland, vom Geld zusammengehalten und vom selben auseinander getrieben wird, während ich, der Bürger, in faktischen Grenzen eingesperrt bin. Da schwindet die Hoffnung auf politisches Umdenken, hin zu jenen praktikablen Werten eines Weltbürgers, die ich suche.&nbsp;</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Eine Äquivalenzfunktions-Diskussion findet derzeit statt, wonach Menschenleben in statistischen Ziffern hoch- und mit Konsequenzen eines kollabierenden Wirtschaftssystems aufgerechnet wird. Es wird nach Alternativen für Arbeitsgestaltung gesucht. Der Frage, wie kongruent die Wirtschafts- mit der Gesellschaftsordnung ist, wird politisch allerdings nicht nachgegangen. Dabei ist es bedenklich, in sozialer Abhängigkeit von einem System zu sein, das es ohne seinen Prozess von Wachstum in dieser Art nicht geben kann. Das ist die Konsequenz eines Paradigmas, dem Zweifel ungeheuer sind. Ich möchte dem von Niklas Luhmann geprägten „Äquivalenzfunktionalismus“ eine Erweiterung verschaffen, die nicht wertfrei sein kann, kurz: ein Richtungsvorschlag für die Suche nach neuen sozialen Strukturen. Er ermutigt zu Urvertrauen in eigene Geistesregungen, in eigene Urteilskraft und hat den Imperativ, nie den Zweifel zu verlieren. Ich darf mich nicht der wohligen Gemütlichkeit unkritischer Meinungen hingeben und sie so zu meinen eigenen machen, denn so entfernt sich mein <em>Selbst</em> vom <em>Ich</em>; ich werde kontrollier- und manipulierbar, meine Gesellschaft wird die Vision anderer.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Wie wäre es zur Abwechslung mit dem Mut zum Zweifel? Mit Urvertrauen in die Idee Europas und vom Weltbürger oder in die Möglichkeit, dem Begriff „Wohlstand“ in diesen Zeiten eine neue Weite geben zu können. Wohlbefinden könnte darin aufgehen, Fortschritt und Freiheit so zu begreifen, von nichts anderem getrieben sein zu müssen als vom <em>eigenen kritischen</em> Lebensentwurf mit all seinem Potential, Fehler zu machen.&nbsp;</p>
<!-- /wp:paragraph -->]]></description>
		
					<wfw:commentRss>https://www.thepersonalist.de/die-autoritaet-der-meinung/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Diese Gesellschaft?</title>
		<link>https://www.thepersonalist.de/diese-gesellschaft/</link>
					<comments>https://www.thepersonalist.de/diese-gesellschaft/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marco]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 05 Jan 2020 20:48:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gerechtigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.thepersonalist.de/?p=2824</guid>

					<description><![CDATA[<p><img width="1024" height="768" src="https://www.thepersonalist.de/wp-content/uploads/2020/04/img_0020-1024x768.jpg" class="attachment-large size-large wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.thepersonalist.de/wp-content/uploads/2020/04/img_0020-1024x768.jpg 1024w, https://www.thepersonalist.de/wp-content/uploads/2020/04/img_0020-507x380.jpg 507w, https://www.thepersonalist.de/wp-content/uploads/2020/04/img_0020-768x576.jpg 768w, https://www.thepersonalist.de/wp-content/uploads/2020/04/img_0020-1536x1152.jpg 1536w, https://www.thepersonalist.de/wp-content/uploads/2020/04/img_0020-2048x1536.jpg 2048w, https://www.thepersonalist.de/wp-content/uploads/2020/04/img_0020-700x525.jpg 700w, https://www.thepersonalist.de/wp-content/uploads/2020/04/img_0020-205x155.jpg 205w" sizes="auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px" /></p><!-- wp:paragraph -->
<p>Selbst wenn 2019 das Jahr der statistisch "höchstentwickelten" Menschheit war, bleibt der Begriff “Entwicklung” einer Definition schuldig. Statistisch jedenfalls, gab es nie weniger Armut (10% im Vergleich von 40% 1981), nie weniger Kindestode, nie weniger Krankheiten und Home-Computer mit neun Prozessorkernen.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Dennoch scheint das Zeitalter kollektiver und medialer Hysterie begonnen zu haben. Es sind weniger die Inhalte, sondern vielmehr schierer Überfluß an Information, welche psychologischen Wirbel verursachen. Diese Information ist hoch getaktet, verdichtet, kopiert. Der Fokus des Subjekts wird zum Objektiven, nach Außen, gezogen. Die Massenmedien vor dem Informationszeitalter sind sozusagen die Urgroßeltern des modernen Informationsnetzes. Die einfache Erreichbarkeit von Millionen von Individuen hat Magie, welche der Mensch schwer widerstehen kann. Medien sind von ihrer Natur her manipulativ. Die Perspektive einer Information liegt immer bei demjenigen, der sie verbreitet. </p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Eine der hartnäckigsten Botschaften wird seit der Reformation wird verkündet: Daß in Arbeit Glückseligkeit liege. Als ob der Mensch im Grunde faul wäre! Die Perspektive des Empfängers wurde jeher auf dessen Situation gelenkt, in Himmel oder Hölle verweilen zu müssen, in gut bezahlter Arbeit oder in der Gosse. Innere Motivation, eine eigene, selbstverantwortliche Aufgabe zu leisten (Kant), verliert den Fokus. Es fällt jedenfalls auf, wie schwach das fragile Geflecht von Vertrauen in die Motive und das Vermögen in Mitmenschen ist. Als würde es von einer wirren Art von Individualismus zerfressen. Als sei Arbeit Pflicht. Eine vielversprechende Erklärung dieses Individualismusverständnisses bietet elementare, existentielle Angst und ihre Befeuerung.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:more -->
<!--more-->
<!-- /wp:more -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Das Erfolgskonzept von Wachstum scheint bisher aufzugehen. Deswegen bildet die Gesellschaft junge Menschen heraus, statt sie zu aufzuziehen. Wer gleich einer Kletterpflanze dem Pfad der Bildung folgt, wächst schnell dahin, wo der Erfolg wartet. Pflänzchen, die in andere Richtungen sprießen, werden zurechtgestutzt und ihre Energie reicht mehr, um in die Höhe zu wachsen. Wobei der Begriff Höhe eine gesellschaftstheoretische Definitionsfrage ist. Wie kann so Individualismus bestehen bleiben?</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Das Informationszeitalter ruft, mehr als seine Vorgänger, Verunsicherung hervor. Omniscient, bedeutet, sich aufgrund der Hochverfügbarkeit von Daten aus Suchmaschinen, in Wissen zu glauben. Besonders Informationen von existentieller Bedeutung, wie zum Beispiel Krankheiten, sind exemplarisch für das Dilemma des in allen Bereichen Bewanderten. Wer im Internet aus Symptomen eigene Krankheiten ableiten will, geht letztlich doch zum Arzt. Denn es braucht mehr Vorkenntnis, die dem Laien fehlt. Allerdings trägt der Patient das Gefühl der Allwissenheit in die Praxis. Durch eigene Recherchen mißtraut er schlimmstenfalls dem Arzt, ergibt sich letztlich, weiterhin verunsichert und ist gestreßt. <em>De omnibus dubitandum</em>. Die Welt in Zweifel zu ziehen ist eine philosophische Tugend. Werden aus Internetnutzern Philosophen? <br /></p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Es werden jedenfalls Stimmen laut, die Gegenargumente und Widerstand leisten, was von Beschäftigung mit der Materie von Politik, Recht, Gemeinschaft herrührt. Weder in Ungarn, Polen, den USA oder Deutschland haben sich Lebensverhältnisse so dramatisch verschlechtert, daß man allein daraus Rassismus oder Klimaproteste erklären kann. Während die Verteidiger des Klimas in die Zukunft denken, sind die konservativ-rechten Gedankengänge auf Vergangenheit gerichtet. Beides zeugt von prinzipiell-philosophischem Nachdenken und dem Suchen nach Lösungen für gegenwärtige Probleme. <br /></p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Ob die Lösungen progressiv oder konservativ daherkommen; es sind beides im Vorverständnis des Gegebenen gesponnene Welten. Während Konservativität ihre Attraktivität aus der Erinnerung an "bessere Zeiten” bezieht und sich in Schneckenhäuser zurückziehen will, ist die Progressivität eine Vision, die der Verwechslung mit dem Begriff “Fortschritt” preisgegeben ist. Das Konservative hat das Argument von Erfahrungswerten. Was einst funktioniert hat, muß noch immer funktionieren. Neben dem Problem der Deutung historischer Fakten und Lebenseinstellungen von Vorfahren zeigt sich eine verkürzte Vision auf rechtsnationale Werte. Werte der Humanität spielen keine Rolle. Das gilt prinzipiell für jenen proklamierten Fortschritt der Moderne, der auf technisch-ökonomisches Wachstum reduziert ist.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Eine These: Progressive wie Konservative suchen nach Urvertrauen in Gemeinschaft. Beide fokussieren auf Schicksalsgemeinschaften und erliegen an ihren Rändern dem Wahn der Gleichheit im Sinne von Gleichmachung. Der Extremismus sieht die Möglichkeit der Gleichmachung lediglich in Auslöschung. Vor allem die Rechte tut sich zur Zeit stark hervor. Vielleicht ist dies das Erbe der stalinistischen Variante des letzten Jahrhunderts.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Noch ist es an der Ökonomie, ein besseres, ein  natürliches Verständnis zu entwickeln. Vom monetären Wachstumsgedanken müssen wir uns verabschieden. Es gibt einen Punkt, wo selbst jene ohne Geld nicht mehr an dessen Macht zur Veränderung glauben. Dann taugt der Mammon selbst für die Reichen nicht mehr.</p>
<!-- /wp:paragraph -->]]></description>
		
					<wfw:commentRss>https://www.thepersonalist.de/diese-gesellschaft/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Vermögen.</title>
		<link>https://www.thepersonalist.de/vermoegen/</link>
					<comments>https://www.thepersonalist.de/vermoegen/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marco]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 02 Sep 2019 13:35:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gerechtigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.thepersonalist.de/?p=2688</guid>

					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="306" src="https://www.thepersonalist.de/wp-content/uploads/2019/09/orwell-animalfarm.jpg" class="attachment-large size-large wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" /></p><!-- wp:paragraph -->
<p>Liebe AfD-Wähler.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Es ist verständlich, dass ihr frustriert seid, besorgt, euch tatsächlich verarscht fühlt. Das geht mir genau so. Schon Helmut Kohl hat geschwindelt, als er von blühenden Landschaften sprach und hernach die Vermögenssteuer senkte. Dann kam Goldkettchen-Schröder. Ein astreiner Politik-Dandy, strotzend vor Eigennutz. Der hat einen auf dicke Hose gemacht, Schuhe, Anzug und Zähnegezeigt und wollte "ne Flasche Bier, sonst streik' ich hier". Der Mann war Anwalt. Der hat in seinem Leben nie zu streiken auch nur gedacht. Von ihm kam Hartz IV, dessen Auswirkungen alle Deutschen kennen. Vor allem jene, die das beziehen. Ihr seid tatsächlich Menschen zweiter Klasse! Allerdings gehören da auch Ingenieure und Oberärzte hin. Jene Klasse, die den Steuer- und Sozialgesetzen gehorchen muß und die Steuern bezahlt. Wer Hartz IV bezieht, zahlt 19% Mehrwehrtsteuer. Wer arbeitet und gut verdient, zahlt den Spitzensteuersatz von 45%, also runden wir's mal die Hälfte vom Einkommen. Die Steuern, die man auf Kapitalertrag bezahlt, also auf alles das, "was <em>für</em> einen arbeitet" - nämlich grundsätzlich Geld, ist ein Viertel vom Hundert - also zirka die Hälfte von dem, was jemand von seiner Hände Arbeit abgeben muß. Wo man ohne Arbeit Gewinn anhäufen kann, beginnt die "Erste Klasse", wo Sozial- und Arbeitsgesetze eine komplett andere Wirkung entfalten.  </p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:nextpage -->
<!--nextpage-->
<!-- /wp:nextpage -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Das habt ihr AfD-Wähler auch begriffen: Dass sich Arbeit nicht lohnt. Und da sucht ihr eine Partei die es richtet. Gute Sache. Ich suche die auch. Aber ich wähle doch niemanden, der mich von vornherein an der Nase herumführt! Hier mal die Fakten:</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Unser Grundproblem ist jede Ungerechtigkeit, die sich aus ungerechter Vermögensverteilung ergibt. Da, wo viel Geld ist, ist <em>unsere</em> Arbeitskraft nichts wert. Das spürt man. Manch einer hat keine Arbeit, andere haben drei Jobs und wieder anderen, Besserverdienenden, steht der Schweiß auf der Stirn. Eine Mischung aus Angst und Anstrengung, "das Bißchen" erhalten zu können. Dann kommen auch noch die Asylanten und plötzlich ist Geld da. Frau Merkel händigt Wohnungen aus und Bargeld... Für "notleidende Deutsche" reicht es nicht. So fühlt es sich jedenfalls an. </p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Fakt ist: Der Staat unterstützt in Not geratene Deutsche nicht. Die Höhe von Hartz IV liegt unter dem Existenzminimum, das ein Mensch in Deutschland zum Leben braucht. Der Staat verlangt Eigeninitiative, Arbeit und Leistung von jedem Einzelnen. Wem Asyl gewährt wird, der darf nicht arbeiten, darf also auch nicht leisten. Also wäre die Lösung, keinen reinzulassen und die eigenen Leute weiterhin in Ketten zu legen? Das geschieht mit oder ohne Asylsuchenden.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Es geht nicht um Asylanten, sondern um Vermögen. Das Vermögen, das man besitzt in Form von<em> Kapital</em> und das Vermögen in Form von <em>politischer Macht</em>. Es ist keine Frage, dass die Einführung einer Vermögenssteuer gerecht ist. Das will die SPD. Gut so, dass sich eine Partei für den Arbeiter plötzlich besinnt. Auch dank der Existenz der AfD.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph {"fontSize":"medium"} -->
<p class="has-medium-font-size"><strong>Was vermag die AfD? </strong></p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Wenn die Partei in irgendeiner Zeit an politische Macht kommt - was in Sachsen und Brandenburg nahezu der Fall ist, gibt es nur eine Frage, um ihre Absichten, dem "kleinen Mann" das Leben zu verbessern, deutlich zu machen: Wie positioniert sich die AfD zur Vermögenssteuer? So:</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:quote -->
<blockquote class="wp-block-quote"><p>„Der gefühlt einhundertste Versuch der SPD, die aus vielen guten Gründen seit mehr als zwei Jahrzehnten ausgesetzte Vermögensteuer zu reanimieren, offenbart erneut ihre vollständige ökonomische und verfassungsrechtliche Inkompetenz“ meint</p><cite>Jörg Meuthen</cite></blockquote>
<!-- /wp:quote -->

<!-- wp:quote -->
<blockquote class="wp-block-quote"><p>Eine Steuer, die nicht aus Gewinnen bestritten werde, sondern „aus der Vermögenssubstanz“, stelle in Zeiten einer Rezession für viele Unternehmen „eine extreme und existenzbedrohende Belastung dar“</p><cite>Alice Weidel</cite></blockquote>
<!-- /wp:quote -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Die letztgenannte Dame hat zeitweilig als Unternehmenberaterin für Goldman Sachs gearbeitet. Diese amerikanische Großbank, welche die Obdachlosigkeit tausender Amerikaner zu verantworten hat und noch viel mehr. Für diejenigen aus dem Osten: Einer dieser Imperialisten, vor denen man uns zeitlebens gewarnt hat. Verkürzt könnte man sagen, dass diese Bank für unser aller Misere mitverantwortlich ist. Diese privaten Banken drucken ihr eigenes Geld. Stellt euch vor, ihr könntet Zuhause <em>legal </em>Geld drucken. Schlaraffenland, richtig? Alice Weidel kennt dieses Schlaraffenland. Dann frage ich mich, was sie dazu treibt, den "kleinen Mann" aus dem Jammertal führen zu müssen. Das kann nur Menschenliebe sein.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:quote -->
<blockquote class="wp-block-quote"><p>"Burkas, Kopftuchmädchen, alimentierte Messermänner und sonstige Taugenichtse werden unseren Wohlstand, das Wirtschaftswachstum und vor allem den Sozialstaat nicht sichern."</p><cite>Alice Weidel</cite></blockquote>
<!-- /wp:quote -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Da hat sie recht, denn auch die Ausbeutung von weiteren "Taugenichtsen" wird die Profite der Banken nicht nennenswert erhöhen. Wir brauchen Hochqualifizierte, die mehr Steuern zahlen können (45%). Produktionsfaktoren, keine Menschen. Menschenliebe sieht anders aus. </p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Die AfD hält sich also offen und ehrlich an dem Credo fest, dass eine gesunde Unternehmerschaft der Schlüssel zum Wohlstand ist. Genau das, was die Welt seit Thatcher in den sozialen Ruin getrieben hat. Für den Rest der Bevölkerung bedeutet das "Eigenverantwortung, Flexibilität, Aufopferung". Sollte die AfD regieren, zieht euch lieber warm an, liebe AfD-Wähler, denn wie heißt es zynisch auf dem Auschwitzer oder dem Dachauer Eingangstoren: "Arbeit macht frei".</p>
<!-- /wp:paragraph -->]]></description>
		
					<wfw:commentRss>https://www.thepersonalist.de/vermoegen/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Demagogen und Gerechtigkeit #reichenhetze</title>
		<link>https://www.thepersonalist.de/demagogen-und-gerechtigkeit-reichenhetze/</link>
					<comments>https://www.thepersonalist.de/demagogen-und-gerechtigkeit-reichenhetze/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marco]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Jan 2018 21:52:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gerechtigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.thepersonalist.de/?p=2426</guid>

					<description><![CDATA[<p><img width="920" height="613" src="https://www.thepersonalist.de/wp-content/uploads/2018/01/7205314352_f41446b8f1_o.jpg" class="attachment-large size-large wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.thepersonalist.de/wp-content/uploads/2018/01/7205314352_f41446b8f1_o.jpg 920w, https://www.thepersonalist.de/wp-content/uploads/2018/01/7205314352_f41446b8f1_o-570x380.jpg 570w, https://www.thepersonalist.de/wp-content/uploads/2018/01/7205314352_f41446b8f1_o-768x512.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px" /></p>Der "Fetisch" Geld, also unser Glaube daran, hat unsere Zivilisation so weit ergriffen, dass wir dieses Mittel als ultimative Lösung unserer Probleme ansehen. Welche Probleme haben wir? Zuwenig Geld natürlich. Und dann kommen die Ausländer und wollen auch noch etwas. Das ist die Essenz demagogischer europäischer Politik der neuen Rechten. Im Kern liegt Kapitalismuskritik, welche sich die Rechte mit der Linken teilt. Die rechte Demagogie findet dabei besseren Nährboden, weil sie das Element der Hetze gegen jene nutzt, die als Projektionsfläche eigener Ängste einfacher zu greifen sind: Asylsuchende.

Andere Hautfarbe, andere Sprache. Damit ist man in Österreich und dem übrigen Europa ein Wirtschaftsflüchtling in den Augen jener, welche Angst haben, ihr kleines bißchen Wohlstand zu verlieren. Darunter sind Europäer, die in der ökonomischen Hierarchie ganz unten stehen und ohnehin in Verzweiflung leben ( die Lohnsklaven ) und solche, welche sich als Mittelstand begreifen, dessen Pfründe minimiert werden durch "soziale Schmarotzer". Mittelständler sind dabei die aggressivsten Xenophoben, denn sie glauben, das meiste zu verlieren zu haben. <!--more-->Das Dilemma des durchschnittlichen Europäers wird deutlich, wenn man sein schmales Einkommen und seine Sozialabgaben der Hörigkeit gegenüber dem System Kapitalismus gegenüberstellt. Der durchschnittliche Angestellte / Arbeiter singt das Lied seines Brotgebers und ist unzufrieden. Er lebt in Angst. Diese Angst des in Lohn und Brot stehenden Europäers ist so diffus wie sein Glaube an das kapitalistische System, wo der Tellerwäscher zum Millionär werden kann und wo ein Leben ohne Arbeit ständig in greifbarer Nähe ist. Waren die Telekom-Aktien in den 90ern ein Reinfall, klappt es jetzt vielleicht mit Bitcoin. Dazu gesellt sich der natürliche Streß eines Angestellten, über dem das <a href="/?p=2415#more-2415">Damoklesschwert der Entlassung schwebt</a>. Wenn selbst Arbeit nicht mehr stabil scheint, wie kann sich der Europäer noch gedanklich von seinen existentiellen Problemen fernhalten? Von Leiharbeiten wollen wir gar nicht reden.

Zerstreuung durch Unterhaltungselektronik hilft eine Weile. Zerstreuung durch das Internet schlägt fehl, denn der Algorithmus der Echo-Bubble hat unseren Geist in der Zange: Die informelle Blase unserer Vorlieben und politischen Ansichten ist gefestigt. Und die reale Welt widerspricht diesen zu jeder Zeit. Das Internet ist nur noch Streß und <a href="https://www.thepersonalist.de/the-omniscience-bias-why-the-internet-spreads-superstition/">alle neue Information ist Lüge</a>. Die Welt ist ungerecht. Das sagt auch Björn Höcke oder Donald Trump oder Sebastian Kurz von der FPÖ. Da haben sie recht, sagt Volkes Stimme. "Kontext" ist überbewertet, sagt der Demagoge zwischen den Zeilen. Die Welt ist im Geiste Höckes, Trumps und Kurz' deswegen ungerecht, weil uns die anderen ständig etwas wegnehmen ( oder wegzunehmen versuchen ). Jetzt wird es kompliziert, deshalb schalten viele ab: Wer sind "die anderen"?]]></description>
		
					<wfw:commentRss>https://www.thepersonalist.de/demagogen-und-gerechtigkeit-reichenhetze/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
