Heute also, wo das politische Klima von flegelhafter Dummheit durchsetzt ist, die nicht einmal mehr zynisch, sondern eben dumm ist, rufen die alten Bullies wieder zum Krieg auf. Noch einmal auf das selbe Land, dessen Wohlstand in den 1950ern von eben jenen Westmächten zerstört wurde. Oppression de luxe.

Der US-Außenminister Mike Pompeio ruft zum Regimewechsel im Iran auf. Für eine äußere Einmischung in interne Staatsangelegenheiten ist das nahezu höflich, verglichen mit der üblichen Vorgehensweise der USA. Zugleich hatte Pompeio 2018 allerdings zur Bombardierung des Iran aufgerufen, um dessen Atomprogramm zu stoppen.

Als bezahlter Redner vor den Volksmudschahedin aufzutreten, ist für einen US-Außenminister per se fragwürdig. Immerhin unterstreicht das zugleich seine anti-iranische Haltung. Die Volksmudschahedin stellen das gegenwärtige Regime des Iran infrage. Dazu muß man allerdings wissen, daß diese Opposition im Iran die einzig geduldete ist und zugleich als „loyal“ gilt. Im Sinne des französischen Philosophen und Soziologen Henri Lefebvre könnte man diese Opposition sozusagen als „Residuum“ bezeichnen. Das ist ein so geringer, aber hörbarer, Teil einer Opposition in einem totalitären System, welcher der Obrigkeit gewisse Rechtfertigung gibt. Die herrschende Gewalt sozusagen stabilisiert.

Jugendweihe

Die Ankunft
Die Durchreise

…und dann heißt es „nie wieder Alkohol!“ :D

Jan Böhmermann sagt, was gesagt werden muß. Die Pressefreiheit in Österreicht wird mit Stiefeln getreten. Und wer keine Satire versteht, ist das von eben jener adressierte Arschloch.

Jan Böhmermann zur Lage in Österreich

Diese Seite des Satirikers ist der Bodensatz, seine Empörung, die Ernsthaftigkeit, welche seiner ‚arroganten Weise‘ im deutschen TV zugrunde liegt. Dieser Mann ist wichtig.

Wenn du das lösen kannst bist du ein Genie, also so lala.
Niemand nimmt das Wort „Inflation“ in den Mund. Man will ja nicht beunruhigen…

Wenn du das ausrechnen kannst, bist du ein Genie! Also von durchschnittlichem gesunden Menschenverstand.

Wenn ich mit dir am Tisch sitze, vor uns ein Monopoly-Brett. In jedes Hand 5.000 SPG (Spielgeld). Alles auf dem Brett ist ingesamt 10.000 SPG wert. Plötzlich zaubere ich weitere 10.000 SPG auf das Brett – meine 10.000 SPG. Die Geldmenge ist plötzlich verdoppelt. Du, mein Mitspieler besitzt weiterhin 5.000 SPG. Wie hoch ist der Wert bzw. die Kaufkraft nachdem die Geldmenge verdoppelt wurde? Halb, also 2.500?

Müßten sich die Preise der Immobilien auf dem Brett nicht verdoppeln, da ansonsten zu viel Geld den Sachwerten gegenübersteht?

Wenn sich also alle Immobilien nun auf 20.000 SPG im Gesamtwert verdoppelt haben und du noch immer 2.500 SPG besitzt, wieviel ist dein Geld nun wirklich wert? more

Jetzt schreibt der SPIEGEL darüber, daß sich die AfD-Spitze nicht zum Spendenskandal äußert. Und was, wenn? Hebt das heute noch jemand aus den Sesseln? Die Leute wollen Klartext. Inhalt nebensächlich. Als AfD-Anhänger fielen mir zum SPIEGEL solche Dinge ein (zB):

Rufmord! Lügenpresse! Das System versucht natürlich, neue, aufstrebende Volksparteien mit allen Mitteln zu diskreditieren. Was sollen die auch sonst tun? Die Affäre 1962, als man die Redaktion auf den Kopf gestellt hat… ach, was soll’s – da hat der Staat wenigstens mal durchgegriffen! Und wie Herr Meuthen schon sagte: „völliger Blödsinn“ das mit den Russen! Aus der Luft gegriffen. Und wenn nicht, dann auch egal. Lügenpresse!


Die Misere, das Absurde sozusagen, ist eben das. Nämlich das die Unmöglichmachung einer unmöglichen Partei eben unmöglich ist. Wie soll man die organisierte Wut des Volkes vermittels Worten unterminieren? Stimmen der Vernunft, Fakten, Journalismus… das taugt offenbar nicht mehr. Klingt fatalistisch, Endzeitszenario-Like…

Klartext: Mit politischen ‚revelations‘ bekommt man den Drive der AfD nicht zum Halt. Vielmehr würde womöglich Kindesmißbrauch durch eine der AfD-Spitzen Verwirrung stiften. Aber dann wieder eine petitio principii: Lügenpresse! Sind wir tatsächlich auf diesem Niveau angekommen? Ich zeige über den Teich, in die USA. Das ist der traurige Maßstab.

Klartext. Die AfD ist rechts, ohne Zweifel. Das sollte diese Partei auch nicht zurückweisen, wo sich doch im Grunde stolz darauf ist. Akzeptiert. Die AfD ist zugleich eine Partei von – entweder / oder: Zynikern oder geistig Minderbemittelten. Platitüden ohne Aussage hat die AfD clevererweise von den heruntergekommenen Volksparteien gelernt. Da ich der AfD damit schon einmal nahe getreten bin; wenn es hilft, die anderen Parteien sind inzwischen genau so kaputt. Aber eher zynisch als blöd ( und das nicht ohne Ausnahmen).

Klartext. Die AfD ist, eben wie die anderen Parteien, größtenteils zynisch. Denn eine Ex-Investmentbankerin muß zwar nicht sonderlich intelligent sein, allerdings versteht sie einige grundlegende volkswirtschaftliche Positionen und Gesetzmäßigkeiten. Und sie versteht mit Sicherheit etwas von profitablen Geschäften. Politik ist immer profitabel, denn in ihr geht es nicht um gesellschaftliches Wohlbehagen, sondern um Beziehungen. Wenn man an Ex-Kanzler Gerhard Schröder denkt und seine berechnende, asoziale und zynische Art und Weise… was muß man dann von einer Alex‘ Weidel erwarten?

Sicher ist, daß die Mehrzahl der Menschen genügend Anstand, Einsicht und Bildung besitzt, um diesen Zirkus kritisch zu betrachten. Vielleicht ist es um die Welt sogar viel besser bestellt: Lassen wir das Affentheater an uns vorüberziehen und bleiben human und aufrecht durch die Zeiten, die uns noch bevorstehen.

Muster

Medien machen müde. Hier haben wir das erste Beispiel:

Systemtheoretisch nichts neues. In einer sozialen Gruppe ist jedes Mitglied der Auffassung, in einem Kampf zu stecken. Relative Wahrheit von außen, Wahrheit von innen heraus. Unerheblich, welche Gesinnung eine soziale Gruppe besitzt, der ‚Kampf‘ richtet sich immer gegen die anderen.

On another note: Was wichtiges.

Greta Thunberg. Geht es jetzt um die Kleine oder um das Problem Klimawandel? Die Medien erzeugen bei mir Müdigkeit und Langeweile. Bla bla bla…

“Du mußt dir das mal vorstellen!” Mit einer Mischung aus Begeisterung und Abscheu öffnete er seine Handflächen.

Jay, der Verschwörungstheoretiker, ging so weit, zu behaupten, Geburtstage wären eine Erfindung altägyptischer Hochkulturen. Als diese einsahen, daß Menschen arbeitsamer waren, wenn sie sich vor Zeit fürchteten, mußte man ihnen die Zeit in’s Bewußtsein rücken.Seitdem zählten wir unsere Jahre, quantifizierten unser Leben… 

“Du mußt dir das mal vorstellen!” Mit einer Mischung aus Begeisterung und Abscheu öffnete er seine Handflächen. 

“Leute, die die ständig an die ihnen verbleibende Zeit erinnert werden. Die kriegen doch ‘nen Knall!”

Dann hielt er mir eine goldene Uhr an einer Kette entgegen.

“Hier, von meinem Großvater. Die ganze industrielle Revolution ist doch nur auf die Mobilisierung von ‘Zeitmessgeräten’ zurück zu führen. Effizienz, bamm…” Er schlug die Seite seiner Faust in die andere Hand und zog später die Schultern hoch. 

Ich gab meinem Handy auf dem Couchtisch einen kritischen Blick. Jay fing ihn auf. Mit hochgezogenen Augenbrauen sprang er auf und hob die Hände in die Luft.

“Heureka, Alter! Verstehste!? Das ist die Nächste Stufe, oder next level, wie man im Neudeutsch sagt.”

“Ist die Anglifizierung deutscher Sprache auch Ursache für… irgendwas?”

Irritiert glotzte er mich an. Ich hatte ihn aus dem Konzept gebracht. Nun verweilte er wieder auf der Gedankenautobahn. Nachdem seine Synapsen zu hunderttausenden in kunstflugartigen Spiralen einige Sekunden lang gefeuert hatten, was das Zeug hielt, wischte Jay die Sache förmlich aus der Luft. Hastig schob er ein, daß er darüber nachdenken müsse, aber nicht jetzt… obwohl. Er grübelte wieder ein paar Sekunden, in denen ich zu meinem Telefon griff. Keine Ahnung, warum ich das tat. Es lag vor mir, fing meinen Blick und ich hatte das Bedürfnis… Wie damals, wenn Zigaretten vor mir gelegen hatten. 

Als ich das einsah und die Tatsache, daß ich Jay gerade Treibstoff gab, ging ich in die Offensive, um mein Desinteresse am Gespräch zu übertünchen. Ich drehte und wog das Telefon in meiner Hand, nickte kurz nachdenklich und sah zu ihm auf. 

“Also… Mobiltelefone, was?”

Natürlich hatte ich ihm eine Brücke geschlagen. Jay war nicht zu bremsen. Ich kann mich kaum erinnern, oder nur lückenhaft. An einigen Stellen zog der einen Vergleich mit Junkies, daß Effizienz die Konsequenz der Zeiteinteilung sei, weil sonst nicht meßbar… Ich hatte immer mal “ja” oder “da ist was dran” geantwortet. Wobei, wenn ich es zugebe, die Aussage “da ist was dran” Gewicht hatte, liegt die immerhin jenseits der Grenze zur Egalität. Als ich ihn verließ, kam eine Erinnerung hoch. Ich wollte noch einen Klempner anrufen, ob der die Teile für meine Dusche bekommen hatte. Mir ging durch den Kopf, daß es im Prinzip keine Eile hatte. Der Klempner würde sowieso auftauchen – oder eben auch nicht. Als beschloß ich, den Anruf auszulassen. Als ich den Alarm auf dem Bildschirm wegschob, entblößte der zwei neue Nachrichten. Die las ich dann.

Liebe Frau Barley

Der Alptraum im Dornröschenschlaf der Volksparteien ist nicht durchgestanden; im Gegenteil: während die ohnehin Konservativen nach rechts rücken, ein „Heimatministerium“ (sind wir hier bei Indiana Jones??) zum Berliner Konsens geworden ist und bei jeder unangenehmen Regung der Demokratie nach Werten des Grundgesetzes geschrien wird, bleibt nach dem Aufwachen nichts. Nichts, außer der Erkenntnis, daß außerhalb der parlamentarischen Mauern die Welt in Brand geraten ist.

Sie und ihre Kollegen sind leider weltfremd. Sie sorgen sich hier, bei WDR Docupy, zu recht; doch die Art der Sorge ist mir und vielen Teilen der Bevölkerung etwas suspekt. Warum?

Die „aktuelle Stimmung“ kann die „Art wie wir zusammenleben werden verändern [kann], weg von der Gesellschaft, die zusammenhält, hin zu so nem sehr aggressiven Jeder gegen Jeden, nur der Stärkere überlebt – das ist die Gesellschaft, die die Rechtspopulisten wollen…“


Die unterstrichenen Wörter aus der Rede unserer Justiz- und Verbraucherschutzministerin in den Kontext der Realität außerhalb des Berliner Parlaments gesetzt:

  1. „werden“ – die Gesellschaft wird nicht verändert, sie ist schon lange dort, wo Zusammenhalt kein Thema mehr ist. Den gab’s vielleicht bis kurz nach der Wende, wo man wenigstens einen ideologischen Feind hatte.
  2. Die „Gesellschaft, die zusammenhält“ ist was genau? Eine idealisierte Welt einer alten SPD, wo Arbeiter in organisierter Gemeinschaft stark sind? Das war 1949 und bis 1990 ein im Osten vergeblich konstituierter Traum. Heute haben wir Finanzmärkte, das Kapital, die Unternehmen, die Konzerne — das alles unreguliert, also von der Politik (auch der SPD) in Seelenruhe gelassen — und zerbröckelnde Sozialgesetze. Es gibt „Geiz ist geil“ in einer Gesellschaft, die sich noch immer „Arbeit macht frei“ auf die Fahnen schreibt, das aber aus deutscher Scham anders formuliert. 
    Der homo oeconomicus ist allseits akzeptiertes Wesen bei allen Parteien im Bundestag; das Paradigma Vollbeschäftigung ist noch immer oben auf der Liste, womit dem resultierenden interpersonellen Wettbewerb weiterhin Bestandsschutz gewährleistet wird. Wir kämpfen doch schon seit Jahren jeder gegen jeden! Sie können als Bundespolitikerin nicht so naiv sein. Bitte seien sie naiv, statt zynisch – dann ist noch etwas zu retten.
  3. „Die Gesellschaft, die Rechtspopulisten wollen“ ist sicher kein Bürgerkrieg. Wenngleich diesen Leuten der Verschleiß von „Menschenmaterial“ nicht fern liegt und Krieg mit Sicherheit Mittel zum Zweck sein würde. Die AfD in diesem Fall unterscheidet sich nicht so sehr von der SPD: Auch die Rechten wollen eine stabile Wirtschaftspolitik, denn sie wollen ihre Klüngel bereichern. Die SPD, selig sei ihr Andenken!, hat sich mit Gerhardt Schröder auf die gleiche Ebene gestellt. Es geht nicht um das Wohl der Bürger, sondern um das Wohl der Industriellen. Die SPD hat die Hoffnung, daß starke Unternehmen den Rest der Bevölkerung aus der Misere ziehen, die AfD hat nicht einmal daran Interesse.
    Der Alptraum im Dornröschenschlaf der Volksparteien ist nicht durchgestanden; im Gegenteil: während die ohnehin Konservativen nach rechts rücken, ein „Heimatministerium“ (sind wir hier bei Indiana Jones??) zum Berliner Konsens geworden ist und bei jeder unangenehmen Regung der Demokratie nach Werten des Grundgesetzes geschrien wird, bleibt nach dem Aufwachen nichts. Nichts, außer der Erkenntnis, daß außerhalb der parlamentarischen Mauern die Welt in Brand geraten ist.

Es ist richtig, gegen Hetze aufzurufen. Doch darf das nicht von Zynikern kommen, welche Humanismus durch gelebte neoliberalen Politik zynisch paraphrasieren.

Es ist gut, „Herz“ zu haben. Was auch immer das bedeuten mag; es soll im Kern wohl die humanistische Seite des Menschseins bezeichnen. Man haßt und hetzt nicht gegen Mitmenschen. Man ist kein Rassist. Das ist die Nachricht und sie ist richtig.Doch hier spielt sich etwas auf der falschen Ebene ab, denn es gibt noch andere Prärogativen: Man beutet Menschen nicht bis zur Versklavung aus. Man übernimmt keine Ressourcen und Volkswirtschaften mittels einer Treuhand. Man läßt sich nicht sozial spalten durch Neid, Konsumgier und die protestantische Ethik der „Arbeit-macht-Frei“ Manier.


Cem Özdemir, um nur einen zu nennen, marschiert mir, skandiert humanistische Werte. Dagegen ist nichts einzuwenden. Er vertritt zugleich hohle Phrasen im Sinne von: „ihr ungezogenen Wähler, benehmt euch! Besinnt euch auf unsere Werte!“ Daß der Spruch „Wir sind ein Volk“ zum Slogan einer hetzenden Minderheit wird, ist unglücklich. Die „Revolution von 1989“ für sich einzuspannen, welche eine „Revolution der Freiheit“ war, ist in Özdemirs Augen unerträglich. Stimmt. 


War 1989 tatsächlich eine Revolution der Freiheit? Türken verkauften überteuert Teppiche, die rostigen VW’s überfluteten Ostdeutschland, Frauen verließen ihre Familien für windige Freier aus dem Westen, Betriebe wurden regelrecht „platt“ gemacht, Menschen in Massen entlassen, die Renten wurden gekürzt, die Ostmark wurde entwertet. Westdeutschen, die in öffentliche Ämter wechselten erhielten „Buschzulagen“, die Ostdeutschen, welche bleiben durften, wurden einen Rang herab degradiert. Die Ideologie des Sozialismus wurde per se als überkommene Lüge dargestellt. Die Ostdeutschen wurden „umgeschult“ und fit gemacht für die schöne neue Welt. Kurz: Den Ostdeutschen wurde das Gefühl gegeben, Menschen zweiter Klasse zu sein. Von Anfang an.
Strauß’ 15 Milliarden Kredit war aufgebraucht und auch die BRD befand sich in wirtschaftlichem Abschwung. IKEA, wie andere Konzerne, Nutznießer ostdeutscher Lohnsklaverei, zog seine Produktionsstätten aus Ostdeutschland und eröffnete Filialen. Heute gibt es die „IKEA-Linie“ der Straßenbahn in Magedeburg. Ja, die Ossis sind schön blöd: Denn sie huldigen, genau wie ihre Schwestern und Brüder aus dem Westen, schwedischen Billigmöbeln. Und sie haben gelernt, mit der Tatsache zu leben, Nutznießer eines versklavenden Kapitalismus zu sein, welcher noch weiter gen Osten gezogen ist.


Die Ostdeutschen waren keine Russen. Aber sie waren den Sowjets nahe genug, um die russische Seele zu atmen. Der Mensch fragt im Leben nach Sinn. Dazu gibt es Kirche, Arbeit oder Ideologie. Die stabilisierende Ideologie der „großen UdSSR“, der eigenen „Sache“ wurde 1989 eingestampft, als wäre die durchtriebene Unterwerfung der Ostdeutschen durch eine Gruppe selbstgerechter Aristokraten schändlicher als die wirtschaftliche Ausbeutung durch die Gleichen im Westen. Neben die Arbeit ist die Möglichkeit der Zerstreuung getreten. Damit können Ostdeutsche nichts anfangen. Die ordnende Kraft einer Ideologie fehlt. Mehr noch: der einzige Stabilisator sozialer Identität wird bis heute als Unsinn verpönt und mit ihr ein Teil der ostdeutschen Seele.


Wenn heute von Özdemir und anderen Mainstream-Politikern von „Freiheit“ geredet wird, klingt das nach Hohn. Denn Özdemir, wie seine Kollegen, sind politisch in einem Klüngel groß geworden, welcher dem Neoliberalismus das Wort redet. Die politischen Prototypen sind jene der Ja-Sager zu Programmen der Lobby von Unternehmensverbänden und der Verbreiter des Wortes von „Vollbeschäftigung“ im Sinne jener „Arbeit-macht-frei“-Mentalität einer neoliberalistischen Ökonomie. Ironisch, daß jene Mentalität als faschistisch bezeichnet werden kann, wo sie den heutigen Rechten eigentlich diametral gegenüberstehen sollte. 


Es ist zudem nicht ohne Beigeschmack, wenn eine SPD Politikerin das Einstehen in die „Errungenschaften unseres Rechtsstaat“ fordert. Ein Rechtsstaat, welcher seit Gerhardt Schröder von einer der großen sozialen Volksparteien große asoziale Risse bekommen hat. Ein Rechtsstaat dessen Ordnung sich vermehrt auf Besitzsicherung und Freiheit des Kapitals richtet. Art 14 I Grundgesetz: „Eigentum verpflichtet“ hat offenbar auch bei der SPD lediglich die Bedeutung, Grundsteuern zu begleichen. Das Gerede von FDP Mitgliedern sei hier gar nicht erst erwähnt.


Zwar soll gegenwärtigen Politikern der Wille zur Veränderung nicht abgesprochen werden. Zu einem aktiven Humanismus gehört es politisch jedoch, das soziale Element zumindest dem wirtschaftlichen gleich zu stellen. Die korrumpierte Rückgratlosigkeit der Politik in einer Zeit hyperaktivem Kapitalismus hat für den sozialen Verfall in einer technologisch avancierten Gesellschaft gesorgt. Sie hat damit alte Muster des Widerstandes einer neuen abgehängten Klasse und zugleich die Devolution zum Rassismus heraufbeschworen.
Humanistische Werte zu bemühen, welche durchsetzt sind mit neoliberalistischer ‚Propaganda‘, also die Verquickung von Demokratie, Freiheit und dem gegenwärtigen ökonomischen System, ist der große Irrtum etablierter Parteien.