Politik

Wenn Sokrates davon spricht, daß Philosophe Könige oder wenigstens Könige Philosophen sein sollten, attestiert er dem politischen Duktus die Notwendigkeit von Weisheit und Umsicht. Wenn ich das Volk reden höre, dann sind Politiker machtgierige, korrumpierte Opportunisten. Damit attestiert der politischen Realität alle Ferne von Sokrates‘ Wunsch. more

Ich habe seit Ewigkeiten mal nützliche Informationen vom Fernsehen bekommen. Dort reist ein Kiwi um die Welt und verfolgt eine von ihm in Auckland „ausgesetzte“ Plastikflasche (via GPS). Bestürzend, wieviel Müll im Meer, in Fischen, in Vögeln und wieder im menschlichen Magen landet. Ich hasse Plastik, beschloß ich. Keine Plastikflaschen mehr! Aber als mein Kiwi-Freund nach Ruanda kam und mir zeigte, wie sauber es in diesem Land ist, habe ich etwas gelernt, was unsere Politiker besser mal tun sollten: Nachdenken. Also, Nachdenken und sinnvolle Gesetze machen, wenn sie das Gesetzemachen schon nicht lassen können. In Ruanda gibt es nämlich einen monatlichen Cleanup-Day. Niemand geht zur Arbeit, sondern ist von Gesetzes wegen zum Aufräumen verpflichtet. Wie – schlicht genial ist das denn?!
Vielleicht lernt man so, sich selbst und die hirnrissige PTE-/PTA-Erdöl-Plastikindustrie-Lobby zu erziehen. Und man muß kein Grüner sein, um diesen Irrsinn nicht endlich zu begreifen. Wie wär’s mit einem Volksentscheid?

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Verdammte Kinder! Man will „Lehren“ ziehen aus dem Tod von 19 Love-Parade Besuchern. Neben den Rücktrittsforderungen gegenüber dem Oberbürgermeister wird heftig gekreiselt in der Politik. Das gehört zum guten Ton.
Wenn ich von verdammten Kindern rede, dann nicht von den unglücklichen Opfern. Es sind jene, die nun von allen Seiten Konsequenzen sehen wollen: ob Demontage ungeliebter Politik-Mitstreiter oder Installation der eigenen Wichtigkeit durch „Maßnahmen“ aller Art.
Maßnahmen wie „bundeseinheitlicher Sicherheitsregelungen für Großveranstaltungen“.
Da kann man sich schon fragen, ob die bisher geltenden Vorkehrungen nicht genügt haben. Die Antwort liegt allerdings in den Rücktrittsforderungen gegen den OB: Angeblich wurden Vorschriften nicht beachtet. Es gibt sie also doch!
Und was ziehen wir für Lehren? Keine Ahnung. Ich ziehe jedenfalls die: Es wird nicht nachgedacht, sondern jeder macht das, was er am besten kann. Politiker können Politik machen – diese gerinnt zu Recht. Also mehr Verordnungen und Gesetze.
Aber wer stellt DIE Frage in diesem Fall, die da lauten würde: „Wer garantiert, daß die alten-neuen Vorschriften von anderen Behörden eingehalten werden?“

Es ist inzwischen bei den Politikern angekommen: Der Übermacht der Banken (und nicht nur der) ist politisch nicht beizukommnen. War ihr noch nie. Der Spruch, der laissez-faire-Kapitalismus sei ein bissiger Hund, der losgelassen wurde, nimmt Konturen an: Die eines wütenden Köters, der – solange sein Herrchen ihn an der Leine hatte – folgsam und brav war. Nun läßt er sich nicht mehr an die Leine legen.
Während der Kapitalismus jahrzehntelang (seit den 70ern) durch die Welt streifte, schnüffelnd, suchend, fressend und scheißend sind die Amtsstuben unten verstaubt und oben mit opportunistischen Marionetten besetzt. Es ging jahrzehntelang gut. Der Hund ließ der Politik ein paar saftige Knochen übrig derentwegen er noch von Steuergeldern gestreichelt wurde („Wirtschaftsstandort“). Man nannte den Köter zeitweilig „Heuschrecken“ – eher die Atome, aus denen er gemacht ist. Das war in Deutschland kurzweilig ein kleiner Bewußtseinsschub: Da, wo der Kapitalismus auftaucht, hinterläßt er verbrannte Erde. Trotzdem hat sich nicht viel getan seither.

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Schade

Die (ehemalige) Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Margot Käßmann, ist einen Schritt zurückgegangen. Sie ist wohl ein Mensch mit Format: Deshalb ist sie zurückgetreten. Schade nur, daß diejenigen mit weniger Format gerade das nicht getan haben. Das sollte uns zu denken geben.

Gibt es philosophische Erkenntnis, so ist das das Überkommen bisheriger Paradigmen. Solche Erkenntnis ist im philosophischen Kontext wie eine Flüssigkeit: Sie ist nicht greifbar. In einem Dialog mit anderen muß diese standhalten – und wenn sie nicht zerschmettert wird, werden ihre Ecken und Kanten bestenfalls beschliffen. In zeitlich-historischem Kontext ist auch diese Erkenntnis nur eine Stufe in einer größeren. Aber gerade diese Angreifbarkeit ist Notwendigkeit und Problem der Praktikabilität von Philosophie: Sie muß zu einer Ideologie werden, um von praktischem Nutzen zu sein. Ihr müssen einfache Handlungsgrundsätze entlehnt werden, um in der Realität der menschlichen Willkür Ausdruck finden zu können. Das Dilemma beginnt ab eben diesem Zeitpunkt: Ideologie ist keine Philosophie, keine Flüssigkeit mehr. Vielmehr ist Ideologie geronnene Philosophie – so, wie aus Politik das Gesetz gerinnt. Und ab jenem Moment der Gerinnung geht sie an der Wirklichkeit vorbei. So, wie sich Gesetz immer wieder den tatsächlichen Gegebenheiten anpassen muß, muß es auch eine Ideologie. Doch das hat bisher nie funktioniert. (Darüber hinaus entfernen sich einfache Handlungsgrundsätze von dem diffizilen Gleichgewicht einer Philosophie. Sie verkommt zu einem stupiden, stumpfen, auswendig gelernten, unverstandenen und ritualen Instrument zur Massenkontrolle.)

An der Basis

…ist die Ideologie immer am größten.

CO²

Die „2“ steht unten beim CO. Runter soll’s auch gehen – nämlich in eine Tiefe von 700 Metern. Dort soll CO2 gelagert werden. Einfach entsorgen. In den Blasen, die wir räuberisch hinterlassen haben. Daran, einfach mal ein paar Bäume zu pflanzen, die das Gas wieder in Sauerstoff umwandeln, denkt wohl keiner?

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Ein Horrorszenario…

Rise of evil...Wenn der Mensch handelt, dann hat er vorher Prioritäten gesetzt. ‚Was mache ich zuerst?‘ mag er sich vorher gefragt haben. Man hat ja immer mehr als eine Sache zu erledigen. Dem Bundestag mangelt es natürlich ebensowenig wie dem Einzelnen an Aufgaben. Nur feststehende Prioritäten hat er nicht. Fragt man einen Politiker nach Wirtschaft, ist die momentan natürlich höchste Priorität. Fragt man ihn nach der Bildungspolitik mag er schon ins Stocken kommen: Die hat natürlich auch Priorität.

Das nimmt dem Wort Priorität im diplomatischem Aspekt jeden Sinn. Priorisierung bedeutet „der Vorderere“, aus dem Latein von prior. Es kann also nur einen geben.

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Na gugge hin…

180px-guttenberg-800Aus einer Adelsfamilie ist er, unser neuer Wirtschaftsminister, Karl-Theodor zu Guttenberg. Da schau hin! Eine mit langer politischer Historie. Erstes Staatsexamen mit s.c.l. und Dr. iur. Dazu noch Sohn, Obmann, Uffz der Reserve, Aufsichtsrat, Staatskanzlei-Mitarbeiter. Mit gerade 37  Jahren der jüngste Wirtschaftsminister und er hat schon einen extensiven Wikipedia-Eintrag. Ich spekuliere nur mal: Warum treten die Alten ab? Haben die Angst vor der new economy, die eigentlich nur ein hastvoller Überbau der guten alten ist? Meinen sie, nur die Jungen könnten mit dem wildgewordenen Köter Neoliberalismus umgehen? Wäre jedenfalls denkbar.

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