Warum Politik korrupt sein muß

Wenn Sokrates davon spricht, daß Philosophe Könige oder wenigstens Könige Philosophen sein sollten, attestiert er dem politischen Duktus die Notwendigkeit von Weisheit und Umsicht. Wenn ich das Volk reden höre, dann sind Politiker machtgierige, korrumpierte Opportunisten. Damit attestiert der politischen Realität alle Ferne von Sokrates' Wunsch. Ist das so? Dazu will ich die Begriffe "machtgierig", "korrumpiert" und "Opportunist" sezieren. Die Gier nach Macht, kann eine Triebfeder für menschliches Handeln sein. Eine Triebfeder im Nietzscheanischen Sinne, der erste Schritt zur Willkür, aus welcher nach Kant der Wille zur Handlung erwächst. Politik, die zu Recht gerinnt, zu den Spielregeln der Gesellschaft, ist dabei das unmittelbare Werkzeug, Macht zu erweitern und zu erhalten. Doch wie kommt man eben dazu, Politiker zu sein? Welche […]

Plastik läßt Dir Brüste wachsen!

Ich habe seit Ewigkeiten mal nützliche Informationen vom Fernsehen bekommen. Dort reist ein Kiwi um die Welt und verfolgt eine von ihm in Auckland „ausgesetzte“ Plastikflasche (via GPS). Bestürzend, wieviel Müll im Meer, in Fischen, in Vögeln und wieder im menschlichen Magen landet. Ich hasse Plastik, beschloß ich. Keine Plastikflaschen mehr! Aber als mein Kiwi-Freund nach Ruanda kam und mir zeigte, wie sauber es in diesem Land ist, habe ich etwas gelernt, was unsere Politiker besser mal tun sollten: Nachdenken. Also, Nachdenken und sinnvolle Gesetze machen, wenn sie das Gesetzemachen schon nicht lassen können. In Ruanda gibt es nämlich einen monatlichen Cleanup-Day. Niemand geht zur Arbeit, sondern ist von Gesetzes wegen zum Aufräumen verpflichtet. Wie – schlicht genial ist das […]

Die Toten der Loveparade und die "Lehren"

Verdammte Kinder! Man will "Lehren" ziehen aus dem Tod von 19 Love-Parade Besuchern. Neben den Rücktrittsforderungen gegenüber dem Oberbürgermeister wird heftig gekreiselt in der Politik. Das gehört zum guten Ton. Wenn ich von verdammten Kindern rede, dann nicht von den unglücklichen Opfern. Es sind jene, die nun von allen Seiten Konsequenzen sehen wollen: ob Demontage ungeliebter Politik-Mitstreiter oder Installation der eigenen Wichtigkeit durch "Maßnahmen" aller Art. Maßnahmen wie "bundeseinheitlicher Sicherheitsregelungen für Großveranstaltungen". Da kann man sich schon fragen, ob die bisher geltenden Vorkehrungen nicht genügt haben. Die Antwort liegt allerdings in den Rücktrittsforderungen gegen den OB: Angeblich wurden Vorschriften nicht beachtet. Es gibt sie also doch! Und was ziehen wir für Lehren? Keine Ahnung. Ich ziehe jedenfalls die: Es wird […]

Laßt den Köter sterben!

Es ist inzwischen bei den Politikern angekommen: Der Übermacht der Banken (und nicht nur der) ist politisch nicht beizukommnen. War ihr noch nie. Der Spruch, der laissez-faire-Kapitalismus sei ein bissiger Hund, der losgelassen wurde, nimmt Konturen an: Die eines wütenden Köters, der - solange sein Herrchen ihn an der Leine hatte - folgsam und brav war. Nun läßt er sich nicht mehr an die Leine legen. Während der Kapitalismus jahrzehntelang (seit den 70ern) durch die Welt streifte, schnüffelnd, suchend, fressend und scheißend sind die Amtsstuben unten verstaubt und oben mit opportunistischen Marionetten besetzt. Es ging jahrzehntelang gut. Der Hund ließ der Politik ein paar saftige Knochen übrig derentwegen er noch von Steuergeldern gestreichelt wurde ("Wirtschaftsstandort"). Man nannte den Köter zeitweilig […]

Das Problem der Zeitigkeit philosophischer Erkenntnisse (Betrachtungen)

Gibt es philosophische Erkenntnis, so ist das das Überkommen bisheriger Paradigmen. Solche Erkenntnis ist im philosophischen Kontext wie eine Flüssigkeit: Sie ist nicht greifbar. In einem Dialog mit anderen muß diese standhalten – und wenn sie nicht zerschmettert wird, werden ihre Ecken und Kanten bestenfalls beschliffen. In zeitlich-historischem Kontext ist auch diese Erkenntnis nur eine Stufe in einer größeren. Aber gerade diese Angreifbarkeit ist Notwendigkeit und Problem der Praktikabilität von Philosophie: Sie muß zu einer Ideologie werden, um von praktischem Nutzen zu sein. Ihr müssen einfache Handlungsgrundsätze entlehnt werden, um in der Realität der menschlichen Willkür Ausdruck finden zu können. Das Dilemma beginnt ab eben diesem Zeitpunkt: Ideologie ist keine Philosophie, keine Flüssigkeit mehr. Vielmehr ist Ideologie geronnene Philosophie – […]

CO²

Die "2" steht unten beim CO. Runter soll's auch gehen - nämlich in eine Tiefe von 700 Metern. Dort soll CO2 gelagert werden. Einfach entsorgen. In den Blasen, die wir räuberisch hinterlassen haben. Daran, einfach mal ein paar Bäume zu pflanzen, die das Gas wieder in Sauerstoff umwandeln, denkt wohl keiner? Meine Frage wäre, ob es die simple und pure Geschäftemacherei ist, die zu solchen Aktionen auffordert oder einfach nur unsägliche Dummheit. Um Manager eines Vattenfall-Konzerns zu sein, muß man offenbar nichts von Photosynthese gehört haben. Für die Konzerne würde sich das Vorhaben rechnen: Sie könnten künftig die Ausgaben für Zertifikate zur CO2-Emmission sparen, deren Kosten langfristig steigen werden. Mit dem Handel hatten die Industriestaaten im Koyoto-Protokoll Anreize zur Senkung […]

Ein Horrorszenario...

Wenn der Mensch handelt, dann hat er vorher Prioritäten gesetzt. 'Was mache ich zuerst?' mag er sich vorher gefragt haben. Man hat ja immer mehr als eine Sache zu erledigen. Dem Bundestag mangelt es natürlich ebensowenig wie dem Einzelnen an Aufgaben. Nur feststehende Prioritäten hat er nicht. Fragt man einen Politiker nach Wirtschaft, ist die momentan natürlich höchste Priorität. Fragt man ihn nach der Bildungspolitik mag er schon ins Stocken kommen: Die hat natürlich auch Priorität. Das nimmt dem Wort Priorität im diplomatischem Aspekt jeden Sinn. Priorisierung bedeutet "der Vorderere", aus dem Latein von prior. Es kann also nur einen geben. Bleiben wir bei Bildung und Wirtschaft. Zeichnen wir ein Horrorszenario (rekurrierend auf die 20er bis 40er Jahre des 20. […]