Alles anzweifeln? Ja. Leben mit Covid.

De omnibus dubitandum est. Alles muß bezweifelt werden, wie Sören Kierkegaard in seinem gleichnamigen, posthum veröffentlichten Werk titelt. So steht es auch auf dieser Webseite und im Licht der jüngsten Ereignisse in Deutschland und der Welt, schleicht sich der Zweifel ein, ob es gut ist, das so stehen zu lassen. Ja, das ist es. Zwar nutzen die Covid-Gegner und alle Mitläufer der bunt gewürfelten Haufen das Mantra, dass alles zu bezweifeln sei, doch verstehen sie keinen Deut davon. Denn ihre Überzeugungen stehen unzweifelhaft fest. Womit der argumentative Kreis schon geschlossen ist. er Argumentationen der solcher Menschen wie Ballweg, Hildmann und Co. zu begegnen ist nicht nur müßig; es ist, als müsse man in der schulischen Mittelstufe von vorn beginnen. Trotz allem dürfen die kurz aufflammenden Bewegungen, die sich weithin gegen den deep state, die staatliche Macht, wehren, nicht ignoriert werden. Denn ihr liegen ganz andere Motivationen zugrunde, die sich alle auf einen Punkt konzentrieren lassen: Kontroll-, Stabilitiäts- und Sicherheitsverlust. Und sei es nur psychisch, sei es lächerlich, wenn sich der Deutsche, einer der ökonomisch herausragend positionierten Weltbewohner, über seine Situation beklagt. Es ist tatsächlich ein politischer Kontrollverlust mit dem die ganze Welt zu kämpfen hat. Doch zurück zum Zweifel: Der Name dieses Blogs bleibt unterbetitelt mit de omnibus dubitandum est, […]

Bedingungsloses Grundeinkommen? Jein.

Ob 1.000, 1.300, 2.000 oder 10.000 Euro pro Monat: Die "Selbsregulierungskräfte des Marktes" werden hier entsprechend in Aktion treten, um die Beträge zu entwerten. Insbesondere der Inflationsmechanismus wird in Gang gesetzt werden. Auch wenn das Bürgergeld erarbeitet wurde, ist seine Auszahlung quasi eine Schenkung, sie erzeugt keine Gegenleistung in Arbeit oder Gütern. Diese Einseitigkeit bringt Ökonomen dazu, von Inflation zu reden. Weil dem Geld nun weniger Waren gegenüberstehen, vermindert sich seine Kaufkraft. Erstaunlich, dass dieses Prinzip offenbar nicht für Kapitalerträge gilt, wo Zinsen und Renditen aus Geld selbst gezogen werden.

Zellophane Freiheit

Worin sich der DDR-Bürger wiederfand, war eine Gesellschaft, deren Fundament auf den Theorien des liberalen Gesellschaftsvertrages fußte. Danach gab jeder Bürger einen Teil seiner Freiheit ab - zum Beispiel die Freiheit, anderen Schaden zuzufügen, mittels Mord, Körperverletzung, Diebstahl, etc. um im Gegenzug das Gleiche vom anderen erwarten zu können. Im Unterschied zum Sozialismus war dies keine autoritäre Verordnung, sondern die Verantwortung freier Demokraten, die miteinander in Vertragsbeziehungen tragen.

Was ist ein Befreiungskrieg

Der Gesellschaftsvertrag ist kein Konstrukt der Freiheitsverteidigung, im Gegenteil. Auf seiner Grundlage werden Freiheitsräume zum Zweck des Zusammenlebens eingeschränkt. Das Ergebnis ist Vertrauen in Stabilität und daraus Möglichkeiten neuer Freiheitsverwirklichung. Diese realisierten neuen Freiheiten werden zu Werten erhoben, deren Verteidigung mit Freiheitsverteidigung gleichgesetzt wird. Solche Strömungen sind zutiefst konservativ; sie verteidigen die Früchte ihrer Gewinne aus dem Gesellschaftsvertrag gegen andere, inklusive ihrer Mitbürger.

Wie steht es mit dem Rechtsstaat?

Die Forderung des Innenministers, Strafen zur Abschreckung heranzuziehen, sind tiefster Populismus und strafrechtstheoretischer Unsinn. In Deutschland wird das Strafrecht noch immer weitgehend vom Gedanken der Resozialisierung getragen. Die Aufklärungsquote, nicht das Strafmaß bestimmt die Effektivität des Rechtsfriedens und der Ordnung im Land. Der populistische Weg führt ultima ratio zurück zur Todesstrafe, deren Abschreckungswirkung empirisch nicht belegt ist. Mit anderen Worten: Affektgetriebene Taten werden weiterhin stattfinden.

Die Autorität der Meinung

Wo sind die Konzepte einer gerechten Gesellschaftsordnung, einer Ethik des Internets und seiner Algorithmen oder die einer universellen Bildung? Meine Identität als Mensch ist geformt, meine Angst nicht genommen, um über den Sinn meines eigenes Daseins nachzudenken. Nach alledem ist der Mensch von unten bis oben, von links nach rechts, mit der Aufgabe des Zweifelns alleingelassen und hat irrationale Angst diesen Zweifeln nachzugehen.

Recht auf Frisur?

https://youtu.be/4D8BbsMDEXY Ein Bevölkerungs-Schnitt in Michigan / USA pocht auf seine "verfassungmäßigen Rechte". Man folgt dem Präsidenten und seinem Bauchgefühl: Als Amerikaner läßt man sich nicht einschränken. Ein Phänomen, das einiges erklärt. Traurige Ironie, dass eben jene die Rückkehr zur Arbeit fordern, die selbst arbeiten müssen. Mit den Worten Paul Lafargues: Statt in den Zeiten der Krise eine Verteilung der Produkte und allgemeine Belustigung zu verlangen, rennen sich die Arbeiter vor Hunger die Köpfe an den Toren der Fabriken ein. Mit eingefallenen Wangen, abgemagerten Körper überlaufen sie die Fabrikanten mit kläglichen Ansprachen: »Lieber Herr Chagot, bester Herr Schneider, geben Sie uns doch Arbeit, es ist nicht der Hunger, der uns plagt, sondern die Liebe zur Arbeit!«- Und, kaum imstande sich aufrechtzuerhalten, […]