Semi-Hipster-KI-Vorschläge
Da habe ich doch neulich eine KI-Werbung gesehen. Keine von Künstlicher Intelligenz generierte Werbung, was eine von dreien ist inzwischen. Im Clip sitzt ein junger Kerl in seinem Campervan (alternative Mütze auf der Rübe, fransigen Bart, aber sonst gepflegt) und schaut aus dem Rückfenster. Oder eher auf das Rückfenster. Jemand redet mit ihm und ein Smartphone kommt zum Vorschein, darauf ein Ausschnitt jener leeren Heckscheibe, auf welche plötzlich irgendeine Gardine aufgezogen wird. Linkerhand irgendwelches Gebammel, eine Lampe oder so — ich weiß es nicht mehr…. Aber woran ich mich erinnere, war mein Eindruck von der Szene. Nachdem ich kapiert hatte, dass die KI unserem Semi-Hipster Vorschläge zur Einrichtung seines rollenden Domizils gemacht hatte. Ich erinnere mich an meinen ersten Van. […]
Weiches Fleisch
Nehmen wir mit Greg, oder Gregor. Greg nennen ihn nur die Leute in der schicken Wohnanlage mit Schranke vor der Einfahrt. Gregor hat eine Weile auf der Strasse gelebt. Das war nicht einfach passiert — es war ein Prozess. Anfangs war er bei Tanten und Großtanten aufgeschlagen, um ein paar Nächte zu verbringen. Er hatte es nicht lange ausgehalten. Seine Klarheit darüber, wie entfremdet die Familie sein kann, ließ ihn sein Zeug packen und abhauen. Zu Freunden, wo er vorsichtig war, weil er das Gefühl hatte, freundlich sein zu müssen. Weil Freunde eben doch keine Familie waren. Es zog innerlich an ihm, wenn er ihnen etwas Lockerheit vorspielte. Er sei nur gerade in der Gegend. Das ging natürlich nicht lange […]
Wehrpflichtlotto.

Wenn der Staat Verteidigung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe versteht, dann braucht es eine offene Debatte, keine Lostrommel. Die Amerikaner hatten das in den 1970ern schon als Programm.
Das Leben ist ne Phase, der Rest ist die Hölle (Faber) / Fragment
Die Angst vor der Erkenntnis, das Leben nicht auszuschöpfen, führt dazu, sich in Schneckenhäuser und konzentrierte Weltanschauungen zu flüchten. Möge die Angst uns Scheuklappen aufsetzen!
Warum wir Normalität fordern.

Man redet von "Normalität". Nicht nur Donald Trump oder Viktor Orban, sondern auch Friedrich Merz schlagen in diese Kerbe. Das, was normal ist, muß ihres Erachtens festgelegt werden. Ein Diktat von oben, vom Anführer. Und scheinbar sehnen sich viele Menschen nach dieser verbindlichen Normalität.
Trump, Musk und das Diktat der Herzen

Alle gegenwärtigen Diktatoren haben gemein, dass sie sich als Verteidiger der Freiheit gegenüber Andersdenkender sehen. Kritiker sind Konkurrenten, die Anspruch auf den Thron geltend machen und einem den Tod bringen wollen. Es ist egal wie fern oder nahe der Wirklichkeit ein Diktator denkt - er verteidigt sich selbst, sein Weltbild bis auf sein Leben.
Der Verrat der AFD
Die AFD hat viele ihrer Wähler verraten. Ich bin im Osten aufgewachsen und dort (wenn ich in Deutschland bin) Zuhause. Vor 26 Jahren wurden in den Landkreisen Sömmerda, Artern, Mansfeld zum Beispiel über 20.000 Menschen an einem Tag auf die Straße gesetzt. Jeder Fünfte saß auf der Straße. Viele waren gezwungen, den Sozialstaat in Anspruch zu nehmen. Und im Osten fühlte man sich verletzt und entwürdigt, denn Arbeitsverlust hieß, wertlos zu sein. Die staatlichen Almosen wollte niemand von uns - aber wir brauchten sie und arrangierten uns damit. Das Durchschnittseinkommen im Osten betrug bei gleicher Arbeit nur ein Drittel von dem im Westen der Republik. Das war die Ära der CDU. Bis Gerhard Schröder's SPD die Almosenempfänger zu Bürger zweiter […]
Sind wir erschöpft durch Migration?

Achtzig Prozent der Deutschen seien laut Umfragen aufgrund der Migration erschöpft. Das hörte ich eben im Radio von einem CDU-Politiker. Das sehe ich anders. Vielleicht sind die Deutschen erschöpft von der ständigen Präsenz dieses Themas, das sich in ewiger Wiederholung in ihre Köpfe geprägt hat. Das Problem der Migration ist, auf Fakt und Zahle geschaut, geringer als das des Straßenverkehrs. Im letzteren starben 2023 über 2800 Menschen; und nie zuvor wurden mehr Fahrzeuge zugelassen als in jenem Jahr. Es fahren inzwischen über 48,8 Millionen Autos auf deutschen Straßen. Von den Problemen des globalen Kapitalismus, der Technokratie und Oligarchie wird politisch kein Thema so groß gemacht. Selbst der Krieg in der Ukraine scheint hinter der Bedrohung durch Ausländer zu verblassen. Ob […]
Die Salonfähigkeit der einfachen Lösungen

(Man weiß es ja alles. Man muß es eben nur mal gesagt bekommen: Das ist Polemik.) „Es muß sich was ändern!” Von allen Seiten schallt dieser Ausruf. Was muß sich ändern? Geht es um den Krieg in der Ukraine? Geht es um die Migration? Geht es um die „Sozialschmarotzer”? Die Stimmung ist in etwa so: Der Ukrainekrieg droht Deutschland wieder zum Zentrum eines Konflikts zu machen wie vor über dreißig Jahren. Deutschland als verlängerter Arm der Großmächte. Das fügt sich in die konservativ-traditionalistische und nationalistische Vorstellung, nach welcher Deutschland sich in der Opferrolle sieht. Die Debatte zur Migration wiederum unterscheidet nicht mehr zwischen Einwanderung und Asyl. Sie ist purer, zahnloser Populismus von allen Seiten, weil die realen Probleme im Land […]