Der israelische Konsens

"Für den Fall, dass ein direkter Konflikt zwischen der Pressefreiheit und der staatlichen Sicherheit existiert, steht laut dem Obersten Gerichtshof die Sicherheit über der Pressefreiheit. Aber wir verfolgen einen sehr liberalen Ansatz. Ich habe in der Vergangenheit im Geheimdienst gearbeitet, und ich würde mir wünschen, unsere Feinde würden Dinge veröffentlichen, wie wir sie freigeben." (Quelle: Spiegel Online) Das ist ja wirklich nobel von der Ober-zensUrsula (Sima Vaknin-Gil) in Israel. Man muß also dankbar sein, daß der Zensurprozeß bei den Israelis so "liberal" ist. Da fällt mir ein Ei aus der Hose, denn offenbar glaubt die Dame an das, was sie sagt. Und daß die letztliche Zensur unter dem Richtervorbehalt steht ist eine typische Verzerrung der Realität: Man benutzt Institutionen jenseits […]

Alter

Sein Kinn zittert. Er hatte sich an diesem Morgen im Spiegel gesehen. Lange hatte er es nicht mehr bemerkt, denn es war so normal geworden, ein Teil von ihm, daß er keine Notiz mehr davon nahm. An diesem Morgen aber hatte er sich im Spiegel gesehen. 'Ich bin alt.' sagte er sich. Die Bank, von der er nun in den Park blickt, ist auch alt. Ausgeblichene Farbreste bilden längliche Streifen entlang der Holzmaserung, von welcher im Lauf der Jahre immer mehr das Sonnenlicht erblickte. Unerbittlich hatte die Sonne die Farbe ausgetrocknet und brüchig werden lassen, so daß sie in harten Fetzen abgeblättert war. Nun plötzlich bemerkt er, wie erbärmlich diese Bank inzwischen aussieht. Jahrelang war sie in seiner Erinnerung grün […]

Das Problem der Zeitigkeit philosophischer Erkenntnisse (Betrachtungen)

Gibt es philosophische Erkenntnis, so ist das das Überkommen bisheriger Paradigmen. Solche Erkenntnis ist im philosophischen Kontext wie eine Flüssigkeit: Sie ist nicht greifbar. In einem Dialog mit anderen muß diese standhalten – und wenn sie nicht zerschmettert wird, werden ihre Ecken und Kanten bestenfalls beschliffen. In zeitlich-historischem Kontext ist auch diese Erkenntnis nur eine Stufe in einer größeren. Aber gerade diese Angreifbarkeit ist Notwendigkeit und Problem der Praktikabilität von Philosophie: Sie muß zu einer Ideologie werden, um von praktischem Nutzen zu sein. Ihr müssen einfache Handlungsgrundsätze entlehnt werden, um in der Realität der menschlichen Willkür Ausdruck finden zu können. Das Dilemma beginnt ab eben diesem Zeitpunkt: Ideologie ist keine Philosophie, keine Flüssigkeit mehr. Vielmehr ist Ideologie geronnene Philosophie – […]

1984 :: Microdots

Vielleicht ist es Zeit, eine Serie zu beginnen. Und zwar über die Zunahme der "totalen Kontrolle". Mag sein, daß niemand das bisher vorhat (außer Kim Yong Il vielleicht), jedoch verdichten sich die Möglichkeiten immer mehr. Angefangen von Gesichtserkennung öffentlich installierter Kameras bis zu RFID (in der Unterwäsche).Nun gibt es Microdots. Übrigens auch aus dem Geburtsland des Neoliberalismus (wie widersinnig).Diese Microdots sind kleine Punkte in einer "unsichtbaren" Flüssigkeit, die auf Wertsachen aufgetragen wird. Das soll auch auf einen Dieb abfärben. Immerhin soll das der Kriminalistik einen Vorteil verschaffen: Ein simples Matching (die Schrift auf den Micro-Punkten) verhilft den Beamten zu dem Beweis des kausalen Zusammenhanges zwischen Dieb und Beute.

Die Reformation des Duschgels: Warum ein neuer Luther fehlt

Was hat Luther mit Duschgel gemeinsam? Er hat sich mit Sicherheit auch mal gewaschen. Wohl eher mit Seife. Das nur am Rande. Tatsächlich geht es um sowas wie „Sodium Laureth Sulfate“ oder „Potassium Sorbate“, was wie ein altrömisches Vogelbad klingt. Das ist Latein. In diesem Fall auch noch Englisch. Und die Bibel war Latein. (In ihrem Fall Latein-Latein.) Bis Luther kam. Er hat den Deutschen (und der Welt) mit seiner Übersetzung quasi ihr erstes Medium zur Meinungs- und „Glaubensbildung gegeben. Heute macht das der Fernseher. Und der beschert uns nicht nur unsere (eigene gemeinsame) Meinung, sondern auch bunte Produktvielfalt. Wie eben auch Duschbad. Zu solchem griff ich heute morgen, begeistert von dem edlen transparenten Farbverlauf der Plastikflasche und dem wahnwitzig […]