Angehauen

Ich zähle zur Lokalprominenz. Inzwischen hat mich neben dem MDR auf dem Erfurter Fischmarkt nun auch das ZDF abgefangen. Wie meine Meinung zum zweiten Konjunkturpaket der Bundesregierung wäre. Ich: "Um die Uhrzeit hab' ich keine." Das wurde nicht ausgestrahlt, sondern nur mein GeEiere vor der Kamera, wie ich die zweite, konkretere Frage umschiffte. Ich war souverän im Auftreten, nahezu fotogen und hatte auch die gewisse Seriosität - kurz gesagt: Ich konnte mich gar nicht leiden. Dazu verhalf mir aber der junge Bursche mit dem Mikrofon, dessen Handzittern verriet: Er war aufgeregter als ich. Also noch nichtmal Volontär. Früher hat man mich auch auf die Straße geschickt, zum Volk, um Meinungen einzuholen, die dann redaktionell zu kürzen und was draus zu […]

Willkommen im Krieg

Menschen haben das falsche Aussehen, das falsche Parfüm, das falsche Alter, die falsche Größe, zu kleine Titten, zuviele Haare hier, zuwenig dort... Das Falsche existiert nur in unserem Geist. Äußerlich "ernstzunehmende" Personen (Kleider machen Leute und Titten eine verführerische Frau), geben wir ihnen innerlich sympathisch Kredit. Die Enttäuschung wird umso größer ausfallen, wenn das Innere der Erwartung nicht entspricht.

Steuer-ID

Idee am Rande: Da ich meinen Papierkram öfter mal verlege, habe ich etwas Bammel davor, daß ich meine neue Steueridentifikationsnummer mal verlege. Was dann? Da kommt die Idee in's Spiel: Eine Tätowierung, z.B. auf dem Hinterkopf, oder den Arm, wäre doch verlegungssicher. Ich glaube, die Nazis (nicht nur die deutschen), hatten so eine Idee schon vor mir. Naja, vielleicht schlage ich das unserer Regierung mal vor. Man könnte diese Nummer ja auch universell verwenden - in Verbindung mit meinen Fingerabdrücken und meinem Retina-Muster wäre das ein totsicheres Ding. Interessanter Nebeneffekt wäre dann - im Hinblick auf den effizienten Datenhandel in Deutschland - die optimale Produktplatzierung. Beispielsweise kann Amazon so viel besser herausfinden, was für Bücher ich lese (falls überhaupt). Sofern […]

Binsenweisheit: Wie man nicht wird, was man ist

Zynismus - und die Selbsttäuschung (die unbewußte) über das eigene Ich, nämlich das konventionelle Ich: Selbstanschauung des Ich kann zur Selbstkategorisierung führen. Das ist dann zu spät, denn man unterwirft sich unter die Anschauungen anderer und unter eine Gruppenmoral. Beispiele? "Christ", "Zyniker", "Arzt", "Jurist" ... Alles Begriffe, hinter welchen eine Anschauung der Person steckt, ein Wert. Wenn man wird, was man ist, durch sein gesellschaftliches, konventionelles Ich, dann ist man am Arsch.  Die Kunst liegt gerade in der (bürgerlichen) Kunst, dieses Ich abzustreifen, um sich selbst zu sein. Tja, und wer kann das schon?

Beim ersten Mal, da tut's besonders weh (oder: Warum die deutsche Wirtschaft besser ist als die italienische)Beim ersten Mal, da tut's besonders weh

Wenn man am Morgen mit dem Fahrrad zu Arbeit fährt und kurz vor dem Eingang zum Büro blaue Rundumleuchten wahrnimmt, vergißt man für eine Weile die Schwermut, die sich breitmacht, wenn man über die Schwelle tritt. Stattdessen wird alle Emotion in Neugier umgewandelt, um sich kurz darauf in Schadenfreude zu ergießen. Da waren doch drei Autos beim Rechtsabbiegen aufeinandergebumst. Alles Frauen. Oh, wie sich Schadenfreude mit einer gesunden Portion Chauvinismus in lieblich-grimmigen Taumel verwandeln kann! Feuerwehr war gleich in zwei Zügen vertreten und die Polizei machte sich extrabreit. Das erste Auto war sowas wie eine Familienkutsche; ein Ford Irgendwas oder ... irgendwas. Hauptsache rot. Der zweite war ein silberner Kombi, ein Opel. Dessen Hinterteil war schon vom Dritten (einem unschuldigen […]

Begehrt der Mob auf? Oder: Warum Fleischbrötchen die Heizkosten steigern.

Das ist kein deutsches Problem, sondern eines der gesamten westlichen Zivilisation, die sich bisher auf ihrem Wohlstand ausruhen durfte. Allein diese Zivilisation hat jetzt die Möglichkeit, mit dem ihr drohenden wirtschaftlichen (und sozialen) Abstieg nach neuen Wegen zu dessen Bewältigung zu suchen. Ansonsten läuft ein Volk Gefahr, bis an die Schmerzgrenze seiner Leidensfähigkeit zu geraten und ... den Rest kennen wir ja. Bleibt nur eines zu hoffen: Daß die westliche Zivilisation noch nicht zu dekadent geworden ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.