Weiches Fleisch
Nehmen wir mit Greg, oder Gregor. Greg nennen ihn nur die Leute in der schicken Wohnanlage mit Schranke vor der Einfahrt. Gregor hat eine Weile auf der Strasse gelebt. Das war nicht einfach passiert — es war ein Prozess. Anfangs war er bei Tanten und Großtanten aufgeschlagen, um ein paar Nächte zu verbringen. Er hatte es nicht lange ausgehalten. Seine Klarheit darüber, wie entfremdet die Familie sein kann, ließ ihn sein Zeug packen und abhauen. Zu Freunden, wo er vorsichtig war, weil er das Gefühl hatte, freundlich sein zu müssen. Weil Freunde eben doch keine Familie waren. Es zog innerlich an ihm, wenn er ihnen etwas Lockerheit vorspielte. Er sei nur gerade in der Gegend. Das ging natürlich nicht lange gut, denn wieviele Nächte kann man „in der Gegend” sein? Freunde und Freundlichkeit sind zwei ähnliche Begriffe — aber nicht das Selbe. Also kreisten Gregs Geschichten immer weniger darum, seinen Freunden keine Unannehmlichkeit zu bereiten. Er hatte Angst diese unmerklichen Bewegungen zu bemerken, ein Augenreiben, ein nachdenkliches Kopfkratzen und am schlimmsten, wie die Köpfe sich schnell zu ihm drehten, nachdem man Blicke ausgetauscht hatte. Eine Kommunikation, von der er ausgeschlossen war. Draußen. Ein, zweimal hatte er eine Renovierung der Wohnung vorgeschoben, die er eigentlich nicht mehr besaß. Er kam dem […]



