Coca Cola aus der Leitung?

Der gegenwärtige EU Kommissar, Michel Barnier plant, die Privatisierung der öffentlichen Wasserversorgung zu erleichtern. Eine Art Inner-europäische Globalisierung. Das soll mithilfe einer europäischen Konzessionsrichtlinie erfolgen, die Kommunen zu einer europaweiten Ausschreibung verpflichtet.Es geht ein Aufschrei durch die Staaten; zu recht. Wasser (unter anderem) würde zur Disposition von Unternehmern stehen und damit im Dienste des Profits. Von Beschwichtigern wie dem ehemaligen EU Kommissar Franz Fischler wird eingeworfen, daß Kommunen ja nicht zu öffentlichen Ausschreibungen gezwungen seien. Außerdem haben Kommunen noch immer ein gewisses Wahlrecht unter den Beteiligten, wenn die Ausschreibungsfrist vorüber ist. Dieses Argumente sind reine Augenwischerei. Die Realität, also die deutschen Kommunalgesetze, die klammen Haushalte und finanzielle Abhängigkeit von Geldgebern, verlangen eine wirtschaftliche Entscheidung der Gemeinden, was im Klartext (fast) immer auf den günstigsten Anbieter verweist. Daß Konzerne erhebliche Wettbewerbsvorteile besitzen ist evident. Womit wir bei der Lobby wären. Ob private Unternehmen tatsächlich weiterhin eine faire Grundversorgung mit Wasser sicherstellen würden? Picken wir einen populären Vertreter heraus: Peter Brabek, den Konzernchef von Nestlé, einem Unternehmen mit rund 330.000 Mitarbeitern in 81 Ländern. Für ihn ist es selbstverständlich, daß Wasser als Nahrungsmittel den freien Märkten gehört. Aber lassen wir ihn selbst reden: Rekapitulieren wir: "Als Mensch sollten sie einfach das Recht haben, um Wasser zu haben. Das ist die eine Extremlösung." Dieser CEO, […]

Die Trojaner sind zurück

Aus dem Desaster vom letzten Jahr hat das Bundeskriminalamt offenbar gelernt. Nunmehr hat die Behörde professionelle Software eingekauft: FinSpy - Software aus einer britischen Softwareschmiede. Interessant, daß die selbe Software angeblich schon von der ägyptischen Regierung benutzt wurde. Großbritannien hat inzwischen den Verkauf der Software reguliert. Die Begründung dafür ist vornehmlich die Tatsache, daß die Software Kryptographie benutzt. Das bedeutet, daß übertragene Daten verschlüsselt werden können - ohne ein Eingriffs- bzw. Einsichtsrecht des Staates. Das sehen Regierungen kritisch, denn das gefährdet die Transparenz. Es handelt sich eher um einen Grundsatz: Der Staat möchte letztlich immer einen Generalschlüssel besitzen - auch für private Räume. Ironisch, scheint es: Immerhin wird hier von Software geschrieben, welche gerade in private Gefilde eindringt. Ein von […]

"Der Fürst" - und warum er wieder aktuell ist

Endlich bin ich dazu gekommen, Machiavelli's Staatstheorie online zu stellen. Man wird zu den Zitaten die Referenzen / Seitennummern vermissen. Leider habe ich kaum greifbare Literatur in Neuseeland, sodass ich mir die Klassiker auf dem eBook-Reader zu Gemüte führe - und ich bin mir noch nicht so sicher, wie zuverlässig es ist, virtuelle Seitennummern zu proklamieren... Wie auch immer: Beim Schreiben wurde mir klar, wie modern Machiavelli's "höllische Ausgeburt [...]" noch immer ist - oder werden kann.

Der Rösler wieder...

Die Geschichte mit dem Rösler sorgte ja hie und da für einige Aufregung. Gut, das liegt schon mal an Rösler selbst: Allenthalben spürt man eine verhaltene Aggression gegen ihn. Man will ja kein Frosch sein, aber dieser Kerl haut schon gelegentlich Sprüche, die man von einem 73er Baujahr ohne Berufserfahrung schon gar nicht hören will. Wenn nämlich "der Leistungsgedanke dikreditiert wird", so Rösler, "… dann stellen wir die Weichen Richtung Abstieg." Logisch folgerichtig für einen Liberalen, der dem Paradigma unbedingter Leistung nachhängt. Ein Frosch im der Milchkanne muß eben strampeln bis er aus Butter springen kann. Fragt sich bloß, wer sich die Butter dann auf's Brot schmiert. Die vom Herrn Rösler so heißgeliebte Pharma-Industrie? Die Bankvorstände? Spielt keine Rolle - […]

"Auszug"

Als gäbe es einen Tag, von dem ich sagen könnte, er sei einer von diesen oder jenen Tagen. Nein. Sie sind alle irgendwie gleich. Sie gleichen sich, weil ich darin vergehe, in ihnen allen zerfließe. Weil mein Geist jeden Morgen das alte Spiel aufnimmt, seinen Schwanz zu jagen - bis spät Abends, wo ich mit wütenden oder albernen Dingen denselben vernebele und den Gedanken zerstreue, der sich mir doch immer wieder aufdrängen will: Dein Leben ist zu kurz, um auf den Tag zu warten, an welchem sich alles ändern wird wie von Zauberhand.

Wir brauchen das Geld der Reichen

Die Süddeutsche reflektiert mit der Kolumne "Wir brauchen das Geld der Reichen" über die Frage, inwieweit Eigentum verpflichtet. Dieser Artikel ist nichts neues, jedoch Ausdruck dessen, wie tief die soziale Kluft  zwischen Arm und Reich in das gesellschaftliche Bewußtsein gerückt ist."...warum sollten Dimitrios, Luigi oder Pedro, so sie denn Millionen auf dem Konto haben, für die Schulden ihres Staates aufkommen?" Weil der Staat ihnen die erforderlichen Bedingungen zur Möglichkeit ihres Reichtums bereitgestellt hat - Struktur und Recht. Wenn die Wohlhabenden eines Landes zur Refinanzierung und dem Abbau von Staatschulden herangezogen werden würden, wären so manche Volkswirtschaften praktisch schuldenfrei. So das Verdikt. "...warum sollten Dimitrios, Luigi oder Pedro, so sie denn Millionen auf dem Konto haben, für die Schulden ihres Staates […]

"Die müssen weg, die Leute!" - wohin mit Sexualstraftätern?

Und dann traf er auf Udo. Udo, der für sein Leben gerne Gummitiere aß - am liebsten mit Erdbeer- oder Kirschgemschmack. Udo, dreiundfünfzig, der dann aussah wie ein Schuljunge, wenn er an den Süßigkeiten lutschte. Manch einer hätte gesagt, daß Udo eine Seele von Mensch war: ruhig, zuvorkommend, freundlich. Nur bei Feiern saß er meistens abseits, wenn die anderen sich vollaufen ließen und lächelte hin und wieder. Ein mattes aber warmes Lächeln. Bis zu dem Tag, als man herausfand, daß Udo einige Jahre eingesessen hatte. Er hatte Kinder betatscht hieß es. Und so kam es, daß sich Udo in seiner kleinen Wohnung verkroch und er, Bernd, nicht wußte, was er machen sollte. Ein oder zweimal unternahm er den Versuch, Udo […]

Una Panetta bitte!

Er ist kein italienisches Spritzgebäck, sondern ein Amerikaner. Und ich wäre fast auf ihn hereingefallen: Das gutmütige Großvater-Gesicht des US-Verteidigungsministers Leon Panetta. Doch Holzauge, bleib wachsam! Hätte er sich auf seinem Neuseeland-Besuch nicht zu hirnrissigen Äußerungen hinreißen lassen, die in der amerikanischen Tradition einfach tief verwurzelt scheinen. Gut: Einem Opa ist das nicht zu verdenken, wenn er geistig in den 50ern, 60ern oder 70ern des vorigen Jahrhunderts verweilt. Zur Gedenkfeier der gefallenen neuseeländischen Soldaten hatte Panetta die üblichen Floskeln parat: "I struggle each time for words that can provide comfort or meaning to try to help at a time of such heartbreak." Und er versichert den Familien, daß ihre Töchter und Söhne als "a hero(s) and a patriot(s)" starben. Die […]

Wumbaba!

Mal so richtig in eigener Sache: Was, wenn ein Synonymwörterbuch zur Abwechslung mal Spaß macht? Vor Jahren habe ich immer wieder die levitated.net Webseite besucht und versucht, aus einigen der Experimente Anregung zu sammeln. Gesammelt habe ich - wie verrückt, doch meistens war ich dann doch zu faul oder zu beschäftigt, um mehr daraus zu machen als gammelige Festplattenleichen. Das ist seit heute anders! "WUMBABA!" ist entstanden - noch immer ein Experiment und beta, aber sicherlich schon nützlich. Zu viele Worte verloren: Guckst Du hier.