„Auszug“

Als gäbe es einen Tag, von dem ich sagen könnte, er sei einer von diesen oder jenen Tagen. Nein. Sie sind alle irgendwie gleich. Sie gleichen sich, weil ich darin vergehe, in ihnen allen zerfließe. Weil mein Geist jeden Morgen das alte Spiel aufnimmt, seinen Schwanz zu jagen – bis spät Abends, wo ich mit wütenden oder albernen Dingen denselben vernebele und den Gedanken zerstreue, der sich mir doch immer wieder aufdrängen will: Dein Leben ist zu kurz, um auf den Tag zu warten, an welchem sich alles ändern wird wie von Zauberhand.

Als gäbe es einen Tag, von dem ich sagen könnte, er sei einer von diesen oder jenen Tagen. Nein. Sie sind alle irgendwie gleich. Sie gleichen sich, weil ich darin vergehe, in ihnen allen zerfließe. Weil mein Geist jeden Morgen das alte Spiel aufnimmt, seinen Schwanz zu jagen – bis spät Abends, wo ich mit wütenden oder albernen Dingen denselben vernebele und den Gedanken zerstreue, der sich mir doch immer wieder aufdrängen will: Dein Leben ist zu kurz, um auf den Tag zu warten, an welchem sich alles ändern wird wie von Zauberhand.

Ich war einfach aufgebrochen. Der einzige Schritt war getan; der, welcher so schwer ist. Wie in Trance tat ich ihn, nahm allen Mut zusammen. Und dann wurde alles viel einfacher; mit jedem Atemzug fiel ein Stück von dem ab, was ich war.
Es war nicht einfach, meine Kinder zu verlassen. Doch ich weiß, daß ihre Mutter mehr Frau ist, als ich je Mann sein kann und darum fürchte ich nicht um sie. Es heißt immer, es gäbe nichts stärkeres als Liebe – dem stimme ich zu. Doch offenbar gibt es eine Art von Liebe, die stärker sein muß als jene zu den eigenen Kindern.
Am Flughafen ist es kühl. Die grauen Teppichböden wechseln in 90 und 45 Grad-Winkeln mit grauem Marmor ab, der immer gewischt und glänzend ist. Schwarze Lederschuhe, Hochhackige, modische Turnschuhe spiegeln sich auf ihnen. Hier und da liegen Backpacker an Säulen gelehnt oder langgestreckt im Weg. Mir scheint, an einem Flughafen müssen alle Plätze noch warm vom Vorgänger sein, der auf diesem Sessel gesessen oder an diesem Pfeiler gelehnt hat. Und doch ist es kühl überall. Die einzige Wärme kommt aus den Farben der pervers-überdimensionalen Plakaten, die von allen Seiten auf die Menschen einhämmern. Es sind ausschließlich Luxusgüter, die um und ihn Flughäfen angepriesen werden: Parfüms, gehobene Unterhaltungselektronik, deutsche Autos. Da werde ich in 40 Stunden sein: In Deutschland. Ich habe 22.000 Kilometer vor mir.
Deutschland ist mehr als Hitler. Das mußte ich einigen Leuten in Neuseeland oder Asien immer wieder erklären. Dabei habe ich keine Lust darauf. Glücklicherweise sind die meisten von ihnen welche, mit denen ich jetzt wenig zu tun habe: Leute, die man nicht an Flughäfen trifft. Elekronische Musik, Autos, Oktoberfest und Hitler – in aufsteigender Reihenfolge – ist für solche Deutschland. Manche sind verwundert, daß ich nicht wie ein Deutscher aussehe. Wie sieht ein Deutscher aus? Oder: Wie soll er aussehen? Es ist erstaunlich, daß der deutsche Stolz nur immer ein trauriger sein kann.
Ich habe kaum Gepäck dabei.

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