16. und 17. Jahrhundert

Irgendwann zwischen Thomas von Aquin und Thomas Hobbes hört die Welt auf, eine Ordnung zu sein, in die man hineingeboren wird. Ein Datum dafür gibt es nicht, wohl aber eine Verschiebung, und die ist an den drei Denkern dieses Abschnitts gut abzulesen. Wer im Mittelalter nach dem Recht fragte, fragte nach etwas Vorgefundenem: Gott, Natur und Vernunft fielen zusammen, und der Mensch hatte diese Ordnung auszulegen und ihr zu gehorchen. Wer im 17. Jahrhundert fragt, fragt anders – nämlich, wer hier eigentlich wem zugestimmt hat.

Irgendwann zwischen Thomas von Aquin und Thomas Hobbes hört die Welt auf, eine Ordnung zu sein, in die man hineingeboren wird. Ein Datum dafür gibt es nicht, wohl aber eine Verschiebung, und die ist an den drei Denkern dieses Abschnitts gut abzulesen. Wer im Mittelalter nach dem Recht fragte, fragte nach etwas Vorgefundenem: Gott, Natur und Vernunft fielen zusammen, und der Mensch hatte diese Ordnung auszulegen und ihr zu gehorchen. Wer im 17. Jahrhundert fragt, fragt anders - nämlich, wer hier eigentlich wem zugestimmt hat. Politik wird ein Handwerk Den Anfang macht Machiavelli, und er macht ihn unhöflich. Der florentinische […]

Politik wird ein Handwerk

Den Anfang macht Machiavelli, und er macht ihn unhöflich. Der florentinische Kanzleibeamte, 1512 aus dem Amt geworfen und aufs Land verbannt, schreibt kein Buch darüber, wie ein Fürst sein soll, sondern darüber, was wirkt. Damit wird Politik zum ersten Mal ein Gegenstand, den man studiert wie ein Handwerk, und nicht eine Ordnung, der man sich fügt. Die Frage nach dem Guten haben Sie nicht beantwortet, Herr Machiavelli – Sie haben sie sich verbeten.

Der Vertrag als Notausgang

Hobbes und Locke haben den Bürgerkrieg nicht gelesen, sie haben ihn erlebt. Hobbes, der 1651 den „Leviathan“ veröffentlicht, hat die Hinrichtung Karls I. vor Augen und die Erfahrung, daß eine Gesellschaft ohne unbestrittene Gewalt sehr schnell sehr wenig wert ist. Locke schreibt eine Generation später gegen die Willkür genau dieser Gewalt an. Beide gründen den Staat neu, und beide an derselben Stelle: bei der Zustimmung des einzelnen.

Ein Abschied vom Naturrecht ist das nicht. Naturrecht gibt es bei beiden reichlich – nur steht es nicht mehr am Himmel, sondern im Individuum. Bei Hobbes folgt daraus fast alles, bei Locke erstaunlich wenig. Der Unterschied ist keine Nuance, sondern die Wasserscheide zwischen Absolutismus und liberalem Verfassungsstaat.

Drei Namen für zwei Jahrhunderte sind gewiß zu wenig. Bodin, Grotius, Pufendorf und Spinoza fehlen hier vollständig, und jeder hätte einen eigenen Text verdient. Irgendwann.

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