Der Phantast im Elfenbeinturm

Mindestlöhne - "auf keinen Fall". Das Verdikt eines kurzen Videoclips der Süddeutschen Zeitung. Ich bin entrüstet, indigniert, angepisst sozusagen von der Dezidiertheit des Wirtschaftsredakteurs Marc Beise. Seine Meinung in Ehren - doch für einen Redakteur zu indifferent. Und darum geht's: Warum Mindestlöhne eine teuflische Idee seien. Herr Beise erklärt, daß es zweifelsohne unerträgliche Zustände für so manche Arbeitnehmer mit 4, 3 oder 2 Euro Stundenlohn gebe. Aber: „Die Grundregeln der Ökonomie sind so falsch meistens nicht – auch wenn man sie im Einzelfall der Wirklichkeit anpassen muß.“ Die ultimative Lösung für jenes Problem seien Tarifverträge: Da, wo keine Mindestlöhne gezahlt werden, solle man in organisierter Ordnung den Ausweg finden. Das deutsche Tarifvertragsgesetz, welches sich genau mit dieser Materie beschäftigt, ist älter als Herr Beise selber, nämlich 64 Jahre. Die ökonomische Realität liegt fernab davon - ansonsten würde es ja keiner Mindestlöhne bedürfen, oder? Daß im Übrigen alle jene, die gewerkschaftlich organisiert sind, von der Mindestlohnproblematik gerade nicht erfaßt sind, führt diese Lösung in's Abseits. Dennoch lehnt Beise Mindestlohn ab, denn gäbe es ihn, „ ...macht er damit Arbeit teurer und dann führt das fast zwingend zu einer höheren Arbeitslosigkeit“ und „ ... es ist immer noch besser, jemand hat Arbeit als jemand hat keine Arbeit.“ Es ist immer noch besser, jemand […]

Coca Cola aus der Leitung?

Der gegenwärtige EU Kommissar, Michel Barnier plant, die Privatisierung der öffentlichen Wasserversorgung zu erleichtern. Eine Art Inner-europäische Globalisierung. Das soll mithilfe einer europäischen Konzessionsrichtlinie erfolgen, die Kommunen zu einer europaweiten Ausschreibung verpflichtet.Es geht ein Aufschrei durch die Staaten; zu recht. Wasser (unter anderem) würde zur Disposition von Unternehmern stehen und damit im Dienste des Profits. Von Beschwichtigern wie dem ehemaligen EU Kommissar Franz Fischler wird eingeworfen, daß Kommunen ja nicht zu öffentlichen Ausschreibungen gezwungen seien. Außerdem haben Kommunen noch immer ein gewisses Wahlrecht unter den Beteiligten, wenn die Ausschreibungsfrist vorüber ist. Dieses Argumente sind reine Augenwischerei. Die Realität, also die deutschen Kommunalgesetze, die klammen Haushalte und finanzielle Abhängigkeit von Geldgebern, verlangen eine wirtschaftliche Entscheidung der Gemeinden, was im Klartext (fast) immer […]

Die Trojaner sind zurück

Aus dem Desaster vom letzten Jahr hat das Bundeskriminalamt offenbar gelernt. Nunmehr hat die Behörde professionelle Software eingekauft: FinSpy - Software aus einer britischen Softwareschmiede. Interessant, daß die selbe Software angeblich schon von der ägyptischen Regierung benutzt wurde. Großbritannien hat inzwischen den Verkauf der Software reguliert. Die Begründung dafür ist vornehmlich die Tatsache, daß die Software Kryptographie benutzt. Das bedeutet, daß übertragene Daten verschlüsselt werden können - ohne ein Eingriffs- bzw. Einsichtsrecht des Staates. Das sehen Regierungen kritisch, denn das gefährdet die Transparenz. Es handelt sich eher um einen Grundsatz: Der Staat möchte letztlich immer einen Generalschlüssel besitzen - auch für private Räume. Ironisch, scheint es: Immerhin wird hier von Software geschrieben, welche gerade in private Gefilde eindringt. Ein von […]

"Der Fürst" - und warum er wieder aktuell ist

Endlich bin ich dazu gekommen, Machiavelli's Staatstheorie online zu stellen. Man wird zu den Zitaten die Referenzen / Seitennummern vermissen. Leider habe ich kaum greifbare Literatur in Neuseeland, sodass ich mir die Klassiker auf dem eBook-Reader zu Gemüte führe - und ich bin mir noch nicht so sicher, wie zuverlässig es ist, virtuelle Seitennummern zu proklamieren... Wie auch immer: Beim Schreiben wurde mir klar, wie modern Machiavelli's "höllische Ausgeburt [...]" noch immer ist - oder werden kann.

Der Rösler wieder...

Die Geschichte mit dem Rösler sorgte ja hie und da für einige Aufregung. Gut, das liegt schon mal an Rösler selbst: Allenthalben spürt man eine verhaltene Aggression gegen ihn. Man will ja kein Frosch sein, aber dieser Kerl haut schon gelegentlich Sprüche, die man von einem 73er Baujahr ohne Berufserfahrung schon gar nicht hören will. Wenn nämlich "der Leistungsgedanke dikreditiert wird", so Rösler, "… dann stellen wir die Weichen Richtung Abstieg." Logisch folgerichtig für einen Liberalen, der dem Paradigma unbedingter Leistung nachhängt. Ein Frosch im der Milchkanne muß eben strampeln bis er aus Butter springen kann. Fragt sich bloß, wer sich die Butter dann auf's Brot schmiert. Die vom Herrn Rösler so heißgeliebte Pharma-Industrie? Die Bankvorstände? Spielt keine Rolle - […]

"Auszug"

Als gäbe es einen Tag, von dem ich sagen könnte, er sei einer von diesen oder jenen Tagen. Nein. Sie sind alle irgendwie gleich. Sie gleichen sich, weil ich darin vergehe, in ihnen allen zerfließe. Weil mein Geist jeden Morgen das alte Spiel aufnimmt, seinen Schwanz zu jagen - bis spät Abends, wo ich mit wütenden oder albernen Dingen denselben vernebele und den Gedanken zerstreue, der sich mir doch immer wieder aufdrängen will: Dein Leben ist zu kurz, um auf den Tag zu warten, an welchem sich alles ändern wird wie von Zauberhand.