Wenn das 17. Jahrhundert den Staat auf die Zustimmung des einzelnen gestellt hat, dann räumen die beiden folgenden hinter dieser Konstruktion auf – und stellen fest, daß ihr das Fundament fehlt. Fünf Denker stehen hier, jeder antwortet auf ein Problem, das sein Vorgänger hinterlassen hat.
Wenn das 17. Jahrhundert den Staat auf die Zustimmung des einzelnen gestellt hat, dann räumen die beiden folgenden hinter dieser Konstruktion auf - und stellen fest, daß ihr das Fundament fehlt. Fünf Denker stehen hier, jeder antwortet auf ein Problem, das sein Vorgänger hinterlassen hat. Der Boden wird weggezogen Hume stellt die Frage, die alles Weitere erzwingt: Wie kommt man von dem, was ist, zu dem, was sein soll? Aus keiner Beschreibung der menschlichen Natur folgt eine Pflicht. Damit ist das klassische Naturrecht nicht widerlegt, aber es steht auf nichts mehr. Rousseau zieht die Konsequenz in die andere Richtung und […]Der Boden wird weggezogen
Hume stellt die Frage, die alles Weitere erzwingt: Wie kommt man von dem, was ist, zu dem, was sein soll? Aus keiner Beschreibung der menschlichen Natur folgt eine Pflicht. Damit ist das klassische Naturrecht nicht widerlegt, aber es steht auf nichts mehr. Rousseau zieht die Konsequenz in die andere Richtung und radikalisiert den Vertrag zur volonté générale, in der der Bürger nur noch sich selbst gehorcht. Wunderschön – und gefährlich, sobald jemand behauptet, er wisse, was der Gemeinwille will.
Kant nimmt Humes Einwand ernst und sucht den Grund des Rechts nicht mehr in der Natur, sondern in der Vernunft. Recht ist bei ihm die Bedingung, unter der die Freiheit des einen mit der Freiheit des anderen zusammen bestehen kann – ein Gedanke, von dem deutsche Juristen bis heute leben. Hegel hält den Vertrag daraufhin für zu wenig: Der Staat ist ihm keine Vereinbarung von Privatleuten, sondern sittliche Substanz, in der der einzelne erst wird, was er ist. Und Marx dreht die Anordnung um und fragt, wessen Verhältnisse sich in diesem Gebäude ausdrücken.
Nebenbei entsteht der Rechtsstaat
Man liest diese Namen leicht als reine Ideengeschichte und übersieht das Praktischste daran: Hier wird der moderne, kodifizierte Rechtsstaat tatsächlich gebaut. Das preußische Allgemeine Landrecht von 1794, der Code civil von 1804, schließlich das BGB, das am 1. Januar 1900 in Kraft tritt – das sind keine Fußnoten zur Philosophie, sondern deren Aggregatzustand. Wer wissen will, was aus Kant geworden ist, schlägt das Grundgesetz auf.
Montesquieu fehlt hier, Bentham ebenso, und von Savignys historischer Rechtsschule steht kein Wort – ausgerechnet im Jahrhundert ihrer Wirkung. Die Lücke ist mir bewußt.
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