Heil Petry! – die AfD ändert nichts.

Apropos Björn Höcke, der Einfältige: „Landnahme“ durch einen Bauantrag auf diese Moschee, meint er. Hier mal ein Beispiel, wer tatsächlich ein „Landnehmer“ ist und welchem Herr Höcke morgen, genau wie die Kanzlerin heute, den Allerwertesten küssen wird in einer eventuellen Regierungsposition:

Monsanto — verkauft Saatgut auf Lizenz. Bauern müssen diese genetisch modifizierten Pflanzen mit Gift besprühen, weil diese nun keine Insekten vertragen. Das Pflanzenschutzmittel wird von den Bauern teuer bezahlt. Am Ende ist der Bauer pleite, Monsanto fordert seine vertraglich vereinbarten Schulden ein und nimmt dessen Land. Das ist der Tag, an welchem der Bauer sich mit einer Flasche Pflanzengift das Leben nimmt. Das geschieht halbstündlich in Indien, wo inzwischen über eine Viertelmillion Bauern sich das Leben genommen hat.

Während der von der AfD titulierte „Deutsche“ genauso weiterhin ausgebeutet werden wird, wie die Inderin, welche mit 60 Euro im Monat nach Hause geht und ihm das 5 Euro Hemd genäht hat. Wobei Björn Höckes Wähler ein von Streß und Existenangst gequälter Mensch ist, der auch arbeiten geht. Einer, dessen Käfig golden ist. Einer, der immer enger wird, weil das Geschäft nicht mehr ehrlich und Geld inzwischen ohne realen Gegenwert ist.

Was hat das mit Glauben oder Hautfarbe zu tun? Alleine diese Frage stellen zu müssen, ist einfältig. Und die Antwort der AfD darauf kann man vorwegnehmen: gehaltloses Fabulieren und Volkstümelei. Doch politische Gehaltlosigkeit ist kein Patent der AfD. Die folgt dabei der Schneise, welche jahrzehntelange korrumpierte und degeneriterte Politik in Bonn und Berlin geschlagen hat. Petry und Höcke machen dabei nur den meisten Krach.

Ein Pfad übrigens, der für die Deutschen (auch die Nationalen) der „highway to hell“ ist. Für Konzerne gilt Profitmaximierung, nicht Umweltschutz, nicht Lebensstandard, sondern Arbeitstauglichkeit. Wie bei der Wehrmacht. Auch Ideologien sind der Wirtschaft gleichgültig, solange die kein Hindernis zum Wachstum darstellen. So wie die Westdeutschen die Ostdeutschen vorm Mauerfall zur Billigproduktion benutzt haben, so benutzen die USA, wo Kommunismus ein Schimpfwort ist, die Volksrepublik China für Elektronik-, Indien für Kleider-, den (muslimischen) Iran für Ölproduktion. Dabei wird Menschen in den Industrien nicht einmal der minimale Lebensstandard erlaubt, sondern das Lebensminimum. Ein himmelweiter Unterschied.

In genau dieser Art ist auch eine AfD korrumpierbar, ist sie nicht wehr- und standhaft. So etwas bedeutet bei straffem rechtspopulistischem Kurs früher oder später Bürgerkrieg, weil „die Wirtschaft“ flieht, bzw. die arbeitende Bevölkerung, die großteils aus Gastarbeitern besteht. Bei überlegter Politik bedeutet das dagegen langfristig Wohlstand durch Innovation und Inklusion. Vielleicht sogar durch ein neues Wirtschaftssystem. Daran rütteln Petry und Höcke zwar gerade, aber verwechseln dabei gelegentlich Kapitalismus mit Demokratie und Säkularismus mit christlichen Werten. Währenddessen lassen SPD und CDU/CSU und Grüne jene Demokratie verfallen, weil diese ohne Kapitalismus auf Speed für jene nicht denkbar ist. Deutschland in einer Zwickmühle. Da scheint fast nachvollziehbar, warum AfD gewählt wird.

Die Demokratie funktioniert im Grunde, deshalb kann man die AfD existentiell nicht in Frage stellen. Aber man kann sie kritisieren – und Kritik überwiegt bisher an dem Sud an Verschwörungstheorie und tumben Ergüssen ihrer Politiker.

Die AfD macht Stimmung gegen Wirtschaftsflüchtlinge in einer Flut von Kriegsflüchtlingen (für AfD Sympathisanten: das schließt sich aus). Also gegen ein nicht existentes Problem. Sie macht Stimmung gegen eine Religion und redet von christlichen Werten. Sie fordert den „Deutschen“ zu einem fundamental christlichen Bekenntnis. In einem säkularen Staat. Nein danke, institutionalisierte Kinderschänder stehen nicht hoch in der Wertschätzung; auch Dogmen helfen nicht weiter.

Im Übrigen sind institutionalisierte Religionen überall gleich: zynischer Überbau, Ausbeutung und Verdummung. Erinnert an den Kapitalismus der Gegenwart, oder? Doch die AfD sieht ihre Aufgabe stattdessen darin, den Religionskrieg wieder anzufachen. Wozu, außer zum Wählerfang? In beiden Fällen hat ein AfD Wähler nichts von dieser Partei, denn entweder wird sie Probleme nicht mit christliche-militanten Heimatliedern lösen können oder sie belügt jetzt schon ihre Wähler. Ein besseres Leben in weniger Angst kann die AfD nicht verschaffen; ihrem Parteiprogramm nach, wird sich der Druck des Kapitalismus auf die Bürger noch erhöhen. Die Deutschen, werden dann lediglich offen ihre Wut an „Nicht-Deutschen“ auslassen dürfen, zumeist an Menschen, die noch weniger besitzen. Die Definition wer oder was Deutsch ist, legt dann die AfD fest, mit Mitteln, welche der Schädelmessung vor hundert Jahren gleichen. Und sie beleiht christlich-religiöse Werte, und stellt diese als fundamental hin für das eines Abendlandes,

Turbulente Zeiten, keine besseren. ‚Wenigstens Änderung‘, sagen sich rund zwanzig Prozent jener Wähler, die CDU und SPD davongelaufen sind. Doch ist schwer zu sagen, wie eine Partei, ohne Programm gewählt, den Überzeugungen ihrer Wähler gerecht werden kann. Der Unsinn wird deutlich: AfD wählt man „eben drum“. Die Partei als Dienstleister des Wählers. Der Wähler als verkommenes Konsumsubjekt, welches nur reklamiert und fordert. Änderung tut Deutschland not, wie der Welt auch. Die Regierungsparteien sind zu schwach dafür; sie haben keine Eier, wie man der political correctness zum Trotz sagen muß.

Schade eigentlich: Eier hat sogar Frauke Petry mehr als der ganze Bundesregierung zusammen, aber leider zu wenig Hirn.


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