Der Kapitalist neben mir

Rechnungen, Zahlungserinnerungen, Mahnungen, Drohungen, Schufa… Muß das sein? Hier läuft ja alles wie am Schnürchen: Geht es der Wirtschaft gut, geht es den öffentlichen Kassen gut. Ein Ding. Deshalb sind Politiker ja auch so positiv wirtschaftsfreundlich oder selber Großkapitalisten. Oder verdienen Geld mit Erzählungen aus ihrer Karriere. Dann bekommt (nicht zuletzt durch das eloquente Gerede) die Vita des Politikers eine… Read more »

Rechnungen, Zahlungserinnerungen, Mahnungen, Drohungen, Schufa… Muß das sein?

Hier läuft ja alles wie am Schnürchen: Geht es der Wirtschaft gut, geht es den öffentlichen Kassen gut. Ein Ding. Deshalb sind Politiker ja auch so positiv wirtschaftsfreundlich oder selber Großkapitalisten. Oder verdienen Geld mit Erzählungen aus ihrer Karriere. Dann bekommt (nicht zuletzt durch das eloquente Gerede) die Vita des Politikers eine Aura, die uns vorgaukelt, das Leben sei so geplant gewesen.

Darum geht es aber gerade nicht. Dieser Eröffnungsrahmen deutet bloß an, daß auch etwas Kritik an der Politik geübt werden soll. Das Eigentliche ist der Kapitalist neben mir. Mein freundlicher Händler, Banker oder was auch immer. Beim Kundenfang geht’s wie in der Politik: Etwas Geschleime, manchmal ein paar Versprechungen, die das Produkt nicht einhält (besonders kapitalbildende Lebensversicherungen)… und man hat den Deal.

Irgendwas geht irgendwann schief. Die wollen wieder Geld von einem, ohne daß man weiß wofür und warum. Das zahlt man meist. Liegt das am Vertrauen in die Menschheit (die werden schon recht haben) oder an Bequemlichkeit (ach, den Streß mit Mahnung, Schufa und Gericht tue ich mir nicht an) oder daran, daß man Unterlagen einfach nicht mehr besitzt. Doch wo liegt der Betrag, wo der Spaß aufhört? Das ist egal, denn vor allem kleine Beträge machen Totalschäden aus, denn jeder von uns hat mehr als einen Vertrag laufen. Da bemerkt man erst am Monatsende (oder lange davor), daß irgendwas daneben ist.

Oftmals werden Beträge hingenommen – vor allem Nachzahlungen – die sich aus schon längst erledigt geglaubten Geschäftsverhältnissen ergeben sollen. Da kommts drauf an, ob man jede jemals abgegebene Willenserklärung irgendwo dokumentiert hat. Wer hat das schon? Das, was einem zum Verzweifeln bringt: Die Kapitalisten zwingen einen, zum Pedanten zu werden. Auch wenn ich Jurist bin, wurde mir das in der Uni nicht anerzogen. Der Schuster hat ja auch nicht die besten Leisten. Jedenfalls gibt es – von allen juristischen Spitzfindigkeiten abgesehen – einige einfache Wahrheiten: Alles, wirklich ALLES schriftlich machen, nie der netten Dame am Telefon glauben, nichts voreilig unterschreiben (lesen!!!) und Willenserklärungen wie Kündigungen etc. als Einschreiben (wenigstens Einwurfeinschreiben). So. Einfacher gesagt als getan. Es nervt mich unheimlich, daß dieser Filz aus Banken, Versicherungen und Politik den Menschen dazu zwingt, seine wertvolle Zeit, dämlichen Papierkram zu opfern.

Eines noch: Vor allem Bescheide öffentlicher Behörden nicht gleich nachgeben. Die sind nicht viel besser als die freien Radikalen (ähm, Kapitalisten). Unter dem Schein und dem Druck einer Gesetzmäßigkeit – und dem Zitieren von Paragraphen – werden die meisten Bescheide befolgt, ohne hinterfragt zu werden….

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