Gefahr aus der Migranten-Parzelle

Andere Sitten und andere Bräuche sind immer mit der Besorgnis verbunden, dass man sein anders Gegenüber falsch versteht oder vice versa. Wenn beispielsweise Herr Hlulu aus Tansania, seines Zeichens Ex-Richter, nun in seinem gepachteten Kleingarten in Norderstedt versucht, ein oder mehrere Affenbrotbäume zu pflanzen, kann es den Zaunnachbarn schon mulmig werden. So geschehen ebenda, wo der Verein der Kleingärtner beschlossen…

Andere Sitten und andere Bräuche sind immer mit der Besorgnis verbunden, dass man sein anders Gegenüber falsch versteht oder vice versa. Wenn beispielsweise Herr Hlulu aus Tansania, seines Zeichens Ex-Richter, nun in seinem gepachteten Kleingarten in Norderstedt versucht, ein oder mehrere Affenbrotbäume zu pflanzen, kann es den Zaunnachbarn schon mulmig werden.

So geschehen ebenda, wo der Verein der Kleingärtner beschlossen hatte, eine Migrantenquote auf die Pachtverträge im Kleingarten einzuführen. Beschlossen wurde, die Quote bei 12,6% – welche dem gesamtdeutschen Ausländeranteil entspricht – festzusetzen.

Angst vor allem Anderem ist verständlich. Denn ein Affenbrotbaum kann immerhin 10 Meter dick werden. Wenn Mr. Hlulu also seine Malvengewächse in Reih und Glied aufforstet und auch nur eines davon aufgehen sollte im kühlen Norderstedt, haben die Garten-Mitbewohner ein Problem. Und die meisten davon sind immerhin Deutsche seit Generationen. Jene, welche seit Jahrhunderten die gemeine Bohne (Vicia fabia) anbauen und den einst von der Neuen Welt eingeschleppten Erdapfel (Nachtschattengewächse) domestiziert, also verkartoffelt haben. Diese Gewächse sind traditionsreich und halten sich an die genau abgesteckten Gartengebiete. Affenbrotbäume sind dagegen unberechenbar und einzudämmen. Der Kleingärtnerverein hatte also eine unpopuläre Entscheidung vor sich: Ein „Stimmungsbild“ der Gärtnerkollegen einzuholen, um in einem demokratischen Prozeß, das Schicksal der sogenannten „Migranten-Parzellen“ weiter diskutieren zu können.

Das hatte der Kleingärtnerverein also getan und steht nun unter starkem Beschuß von allen Seiten. Der Vorfall birgt in jedem Fall ein altes, ein globales und ein sich vergrößerndes Problem: Abgrenzung von Menschengruppen, Nationalismus, das differentiam specificam – das Unterscheidungsmerkmal zu anderen. Wenn die Probleme in einer Gemeinde sich verschärfen – vom Kleingärtnerverein über die Kommune zum Bundesland (Bayern gegen den Rest der Welt) und so weiter  – dann ist es ein Faktum, dass wir als Menschen polarisieren und uns abgrenzen. Was hat nun der Kleingartenverein für Probleme gehabt? Ich kann nur mutmaßen und erspare uns das. Auf jeden Fall war es ein schlechtes Timing, gerade jetzt, wo alles, was im Entferntesten mit Ausländerfeindlichkeit in Verbindung gebracht werden kann, medial breitgetreten wird…


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