Das wird doch nix…

Ich freue mir auf den jroßen Tach wa! Am 15. Oktober geht’s rund (um den Globus). Wir besetzen die Welt! Und ich hatte schon befürchtet, ich müsse allein in Unterwäsche (mehr Aufmerksamkeit) im Hagley Park im erdbeben-gebeutelten Christchurch stehen mit ’nem Papp(p)lakat: „Occupy Germany!“ Womöglich hätten sich dann Zweite-Weltkriegs-Veteranen um mich versammelt, ausgestattet mit alten Wummen, zerbeulten Helmen und angefressenen… Read more »

Ich freue mir auf den jroßen Tach wa! Am 15. Oktober geht’s rund (um den Globus). Wir besetzen die Welt! Und ich hatte schon befürchtet, ich müsse allein in Unterwäsche (mehr Aufmerksamkeit) im Hagley Park im erdbeben-gebeutelten Christchurch stehen mit ’nem Papp(p)lakat: „Occupy Germany!“ Womöglich hätten sich dann Zweite-Weltkriegs-Veteranen um mich versammelt, ausgestattet mit alten Wummen, zerbeulten Helmen und angefressenen Swastikas. Immerhin wäre der Feind klar ausgemacht: Alle mit rot-weiß-schwarzen Armbinden, die deutsch sprechen… Aber nein, wir haben sowas auch in Neuseeland!

Und was wird das in Berlin werden am 15. Oktober? Nehmen wir mal den andauernden Wallstreet-Protest: Wenn die Protestierenden wenigstens eine klare Forderung hätten – eine – dann sähe ich die Möglichkeit, etwas zu erreichen. So in etwa wie 1990: „Die Merkel muß weg! Die Merkel muß weg!“ Auf diese Forderung gibt’s nur eine Antwort. Aber wenn die Antwort dann Schröder heißt, war das Protestieren vergebene Liebesmüh‘. Nein, ohne die Merkel wird das auch nicht besser. Oder sollten wir allen Politikern, Bankern, Unternehmensberatern (sorry, ‚Consultants‘) rot-weiß-schwarze Armbinden geben? Das ist schonmal eine klare Forderung, löst das Problem aber nicht schnell genug.

Also, was fordern? Beendigung der ‚corporate greed‘  – der unternehmerischen Gier. Wobei ‚corporate‘ auch als gesellschaftlich übersetzt werden kann. Also fordern wir die globale Abkehr von der Gier… In den Amerikanern steckt offenbar das Hippie-Gen. Zum Beispiel, wenn „KW“ schreibt:

„My goodness. In a wise, creative, and mischievous response to the nasty rhetoric of the press, the Occupy Wall Street folks have answered propaganda with poetry. What a graceful maneuver in the struggle for social change. Beautiful and heartwarming!“

Das paßt. Gut, wenn die Poetry das Schiller’sche Niveau erreicht, hat die Welt schon etwas gewonnen. Aber im Ernst: Die „occupy wallstreet“-Bewegung ist inzwischen virtuell zur „Occupy Together“ Bewegung geworden. Ob sich was bewegt, wissen wir noch nicht, aber die 100.000er Marke wurde schon überschritten (http://www.facebook.com/OccupyTogether).

Die Jungs und Mädels haben in Amerika inzwischen jedoch eine Liste gemacht: http://occupywallst.org . Die fordert in Teilen die Wiedereinführung regulativer Gesetze aus den 30er Jahren. Allein das erinnert an den stetigen Kampf mit „dem System“. Wieviele Arbeiteraufstände haben wir schon hinter uns? Das werde ich mal zählen, wenn ich nicht die meiste Zeit mit meinem Papp(p)lakat für den Hagley-Park am Wochenende beschäftigt bin…

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