Da ist keine Moral. Brexit, Johnson, Trump und Kalkül

Boris Johnson spielt, einem Bericht der Sun zufolge, auf  die Strategie eines harten Brexit in der Hoffnung, dass die EU Irland wegen einlenken wird. Seine Mittel sind widerwärtig, zockt er doch auf Kosten von Menschenleben.

Die wird es kosten, sollte der Backstop, die offene, grüne Grenze zwischen Irland und Nordirland, nicht in Kraft treten. Dieser Backstop wurde unter Theresa May als eine der Bedingungen eines geregelten EU-Ausstiegs durch Großbritannien festgehalten und ist Rückgrat der Verständigung zwischen den Europäern.  Die USA ermutigen und bekräftigen die Entscheidung Johnsons und winken mit exklusiven Handelsabkommen. Es ist offensichtlich, daß sich Johnson an die Amerikaner klammert, weil er sie braucht und daß die Amerikaner ihre Stellung ausnutzen. Man sichert Großbritannien Hilfe und Solidarität zu.  Aus amerikanischer Sicht riecht das alles nach Kalkül einer Weltmacht, die ihre Spieler auf dem globalen Schachbrett verteilt. Nationale Zersplitterung Europas kommt den Amerikanern zugute. Polen zum Beispiel. Das Land ist nahe an Rußland und unterstützt die NATO, allen voran die USA bei der Truppen- und Waffenstationierung. Die Einbeziehung der Ukraine in die EU wäre ein feuchter Traum für Donald Trump, insbesondere dann, wenn diese nationalistisch regiert würde.

EU-Staaten mit nationalistischen Regierungen sind dem Anschein nach europäischen Werten von Freiheit, Einigkeit, Gerechtigkeit usf. verpflichtet, handeln aber im Eigeninteresse. Je nationalistischer die Regierung, umso leichter läßt sich ein Keil in die (jede) Gemeinschaft treiben. Mit Handelsabkommen zum Beispiel.

Und so ist Großbritannien, anders als der Kern der EU, deren Auffassung von Weltpolitik sich von der amerikanischen inzwischen weit entfernt hat, ein wichtiger foothold für die USA. Eine Insel, auf welcher sich amerikanische Truppen und Mittelstreckenraketen stationieren lassen. Das mag simpel klingen, allerdings ist die Simplizität von Expansions- und Erhaltungsstrategie nicht zu unterbieten. Strategie, deren Zweck und Methode der US-Präsident ohne weiteres versteht. Es verwundert nicht, wenn Johnson als Trump Großbritanniens bezeichnet wird und beide „Trumps“ stolz darauf sind. Ihre Strategien, und das beweist die Moderne, sind öfter aufgegangen als sie versagten. Aller Schmäh zum Trotz. Männer wie diese spekulieren auf die EU als Wächter demokratischer und unilateraler Werte. Dadurch scheint die EU als berechenbare Vernunft, deren Aufgabe es ist, das Chaos einzudämmen, welches von Johnson befeuert wird. Es ist der Europäischen Wertegemeinschaft nicht an einem Bürgerkrieg in Irland gelegen. Johnson allerdings riskiert genau diesen in der Manier seines geistigen Bruders in den USA und testet auf infantile Weise und im wahrsten Sinne des Wortes seine Grenzen. Und auch wenn Jean-Claude Juncker, bisher mit einem klaren Nein zu Nachverhandlungen im Theaterstück Brexit, in die Rolle des unerweichlichen Vaters schlüpft, gibt es in der EU nun auch jene, die ihre Kinder nie fallenlassen würden. Das schließt nicht einmal Juncker aus, der sich den Werten einer – im weiten Sinne – stabilen und friedlichen EU verpflichtet fühlt. Boris Johnson Dreistigkeit ist gefährlich. Sie ist an einem Punkt angekommen, wo der Junior mit Streichholz und Benzinkanister in die Scheune des Nachbarn läuft. Hier geht es nicht mehr um die Lektion des Sohnemanns, sondern um den Schutz anderer. Und der Sohnemann weiß das.


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