Volksmudschahedin in Amerika

Heute also, wo das politische Klima von flegelhafter Dummheit durchsetzt ist, die nicht einmal mehr zynisch, sondern eben dumm ist, rufen die alten Bullies wieder zum Krieg auf. Noch einmal auf das selbe Land, dessen Wohlstand in den 1950ern von eben jenen Westmächten zerstört wurde. Oppression de luxe.

Der US-Außenminister Mike Pompeio ruft zum Regimewechsel im Iran auf. Für eine äußere Einmischung in interne Staatsangelegenheiten ist das nahezu höflich, verglichen mit der üblichen Vorgehensweise der USA. Zugleich hatte Pompeio 2018 allerdings zur Bombardierung des Iran aufgerufen, um dessen Atomprogramm zu stoppen.

Als bezahlter Redner vor den Volksmudschahedin aufzutreten, ist für einen US-Außenminister per se fragwürdig. Immerhin unterstreicht das zugleich seine anti-iranische Haltung. Die Volksmudschahedin stellen das gegenwärtige Regime des Iran infrage. Dazu muß man allerdings wissen, daß diese Opposition im Iran die einzig geduldete ist und zugleich als „loyal“ gilt. Im Sinne des französischen Philosophen und Soziologen Henri Lefebvre könnte man diese Opposition sozusagen als „Residuum“ bezeichnen. Das ist ein so geringer, aber hörbarer, Teil einer Opposition in einem totalitären System, welcher der Obrigkeit gewisse Rechtfertigung gibt. Die herrschende Gewalt sozusagen stabilisiert.

Die politisch-religiöse Einstellung der Volksmudschaheddin ist verworren, wie ihre Geschichte. Aus einer Gruppe von Studenten hervorgegangen, die sich in den späten 1970ern als liberale Freiheitbewegung verstand, kann man die politische Einstellung als anti-sekulär verstehen. Obwohl sie sich in der Tradition des vom CIA gestürzten, weltoffenen Mossadegh sehen und maßgeblich am Sturz des Schahs Mohammad Reza Pahlavi 1979 beteiligt waren, sind die Volksmudschahedin eine religiös-sozialistische Organisation, die nicht vor Terror zurückschreckt.

Es ist also kompliziert. Amerikas Rolle und causa für den gegenwärtigen Islam – der „Sündenfall“ kann hier vielleicht helfen. Als 1953 der demokratisch gewählte Präsident des Irans durch die CIA, im Auftrag von British Petroleum (Operation AJAX) abgesetzt wurde, gab dies den Weg für den damals im Exil lebenden Schah frei. Die Folgen dessen waren kalkuliert: die USA und Großbritannien erhoben Anspruch auf 80% der iranischen Erdölvorkommen, aus dem Land strömte schwarzes und die Bevölkerung verarmte.

Während in der Folge der Mossadegh-Regierung der iranische Geheimdienst SAVAK ins Leben gerufen, welchen der Schah daraufhin insbesondere auf marxistisch- und islamistische Guerillabewegungen ansetzte. Will man es verkürzt zusammenfassen, hatten Marxisten und Islamisten damals ein gemeinsames Ziel, nämlich die Abschaffung der Monarchie. Während Ajatollah Ruhollah Chomeini im Jahre 1979 als charismatischer Widerstandsführer die Regierung des extremen Islam einführte, blieben die marxistisch organisierten Rebellen zurück.

Heute also, wo das politische Klima von flegelhafter Dummheit durchsetzt ist, die nicht einmal mehr zynisch, sondern eben dumm ist, rufen die alten Bullies wieder zum Krieg auf. Noch einmal auf das selbe Land, dessen Wohlstand in den 1950ern von eben jenen Westmächten zerstört wurde. Oppression de luxe.

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