„Der Angstmacher von Erfurt“

Es droht der Untergang des Abendlandes! Auf die Barrikaden! Jeder Flüchtling ist ein weiterer Nagel im Sarg der deutschen Kultur!

Moment, von welcher Kultur reden wir hier denn?

Von der Kultur der Hetze, der Demagogie, der Angstmacherei. Das ist die Seite, auf der jemand wie der thüringische AfD-Chef Björn Höcke steht. Er greift dabei zu legitimen Mitteln einer Demokratie, welche „aushalten muß, was Leute sagen“ (statt vieler Jürgen Vogel). Das Verrufliche daran mag das Mittel der Demagogie sein („ich bin ja manchmal so ein kleiner Prediger“), nicht des Diskurses. Wobei die Zeit der Diskurse nie da gewesen ist. Und das ist etwas, was sich derzeitige (und vorige) Regierungen zuzuschreiben haben. Demonstranten werden von Politikern dann lieber als „Pack“ bezeichnet. Und mit „Pack“ redet man nicht, man tritt darauf herum. Bei über drei Millionen Deutschen unterhalb der Armutsgrenze, bei über 14 Millionen Deutschen nur knapp darüber und den berühmten EinProzent an „Superkapitalisten“ ist die „German Angst“ eine Kerbe, in die man nicht mehr hart hineinschlagen muß, damit es weh tut. Wie schon erwähnt, ist es die Saat einer Politik, die nun aufgeht – und gegen welche sich die AfD im Besonderen auch wendet. Nicht zu unterschätzen: Die Medien. Alles und jedes ist zur Krise geworden. Eine Krise, die sich selbst nährt – eine autopoeische Krise.

Ob Höcke nun „völkisches Gedankengut“ [Ex-AfD-Parteivize Henkel] verbreitet, sei dahingestellt – die Zahlen von Erfurt ( 8000 AfD-Mitläufer ) zeigen, dass dieses auf fruchtbaren Boden fällt. Der passive Protestwähler ist zum aktiven Protestierer geworden und er sucht Anführer. Auch wenn die Schnittmenge zu AfD oder NPD gering ist, sie ist vorhanden. Etwas, das eine Masse der Deutschen versteht, die sich unter oder knapp über dem Mindestlohn bewegt[1].

Das ist eine andere Kultur; eine die Höcke, genau wie seine xx-GIDA-Kollegen, zu mobilisieren versteht. Deren Inhalte mögen verurteilt werden, die Methoden jedoch nicht: Höcke tut das, was eine Demokratie braucht – die Äußerung von Meinungen. Wenn Gegner der AfD, der NPD oder anderen rechtskonservativen Vereinigungen lediglich die alte Hitler-Nummer beschwören, wird es dieser Demokratie schlecht ergehen. Wer genauer hinsieht, erkennt eine große Anzahl, sagen wir „politisch unbescholtener“ Bürger, denen es um alltägliche Sorgen geht. Wer hier nicht diskutiert ( das schließt einige Bundespolitiker ein), ist kein Demokrat.

 

Quellen:

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/afd-in-der-fluechtlingskrise-der-angstmacher-von-erfurt-a-1056367.html

http://www.wiwo.de/politik/deutschland/armut-in-deutschland-3-1-millionen-deutsche-verdienen-zu-wenig/11276122.html


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