Bernd, der Kämpfer

Bernd war sauer. Zu recht, wie er annahm. Für seine Wahrnehmung tat er alles. Auch vor der Presse reden. Wie es denn möglich sein, in seinen eigenen vier Wänden nicht mehr vor dem Übel der Welt in Sicherheit zu sein. Keine Menschen, die ihre Meinung äußern, sondern Terroristen seien das. Er wurde wochenlang beobachtet, nein, er war systematisch ausspioniert worden! Seine Frau und vier Kinder, unbestreitbar Unschuldige in diesem Spiel, waren praktisch der Gefahr anderer Meinungen ausgesetzt. In Form von Steinen auf dem Nachbargrundstück.

Doch um diese ging es Bernd ja nicht vordergründig; die war eine Gelegenheit – denn Bernd war ein Kämpfer. Jeder Schlag machte ihn stärker. Genauso, wie in der Phantasie eines unverwundbaren, fünfjährigen Superhelden. Bloß war Bernd erwachsen – sogar Lehrer war er; Bernd hatte die Erfahrung gemacht, daß da auch andere mit seiner Phantasie unterwegs waren. Er mußte diejenigen bloß zu etwas Courage verhelfen. Erst waren es Gespräche, dann Argumentationen, dann öffentliche Reden. Bald würde Bernd so populär sein, daß seine Reden erheblich verkürzt werden könnten. Nur noch Schlagwörter würden genügen: Asylant (im entsprechenden Duktus ausgesprochen), Neger, 1000 Jahre, Heimat, christliche Werte, Verteidigung, Kampf.

Eben aus diesem Terrorakt würde Bernd Kapital schlagen, Wieder einmal würde er beweisen, daß das Establishment gegen ihn war. So wie es auch gegen seine Anhänger war. Angst verbindet, Wut schweißt zusammen.


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