Binsenweisheit: Wie man nicht wird, was man ist

Zynismus – und die Selbsttäuschung (die unbewußte) über das eigene Ich, nämlich das konventionelle Ich: Selbstanschauung des Ich kann zur Selbstkategorisierung führen. Das ist dann zu spät, denn man unterwirft sich unter die Anschauungen anderer und unter eine Gruppenmoral. Beispiele? „Christ“, „Zyniker“, „Arzt“, „Jurist“ … Alles Begriffe, hinter welchen eine Anschauung der Person steckt, ein Wert. Wenn man wird, was… Read more »

Zynismus – und die Selbsttäuschung (die unbewußte) über das eigene Ich, nämlich das konventionelle Ich: Selbstanschauung des Ich kann zur Selbstkategorisierung führen. Das ist dann zu spät, denn man unterwirft sich unter die Anschauungen anderer und unter eine Gruppenmoral.

Beispiele? „Christ“, „Zyniker“, „Arzt“, „Jurist“ … Alles Begriffe, hinter welchen eine Anschauung der Person steckt, ein Wert. Wenn man wird, was man ist, durch sein gesellschaftliches, konventionelles Ich, dann ist man am Arsch.  Die Kunst liegt gerade in der (bürgerlichen) Kunst, dieses Ich abzustreifen, um sich selbst zu sein.

Tja, und wer kann das schon?


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5 Responses to Binsenweisheit: Wie man nicht wird, was man ist

  1. Marco sagt:

    Ach ja: Äußere Einflüsse möchte ich nicht abgeschafft wissen, sondern sie sollen nicht unbezweifelt „assimiliert“ werden – sonst endet man als Mitläufer und „Entfremdete(r)“.

  2. marco sagt:

    Eines noch: ja, ROLLEN ist treffender! Absolut.

    Ich kann die Frage nach dem „originalen“ Ich nicht beantworten (das wird wohl das tote sein). Aber die Frage noch: das GUTE ist welches?

    Fluch und Segen kultureller Formung, genau —
    Ästhetik und Moral – besonders bei letzterem rollen sich mir die sprichwörtlichen Fußnägel hoch :) — diese Begriffe sind in gewisser Weise beliebig… und eben darin steckt die Formung, das ICH im gesellschaftlichen Sinne.

    Wir sollten überlegen, wieviel eigenes ICH möglich und eben „gut“ ist.

  3. marco sagt:

    Die Übermacht in diesem Text hat wohl Nietzsche. :)

    Das müssen wir in Ruhe ausdiskutieren!

  4. SkeptischeAlteDame sagt:

    „wahres“ Ich gegen kulturelle Formung, Zivilisationskritik gegen Konformismus, da rousseaut, freudelt und nietzschelt es im Gebälk. Binsenweisheit oder konservativer Reinheitspathos im Zeitalter moderner Hirnforschung?

    „Zynismus und Selbsttäuschung … (etwas pseudointellektuell verschwurbelt, der ganze Satz)… kann zur Selbstkategorisierung führen.“ Ist das gefährlich und wenn ja, für wen? Mit UNSERER Selbsttäuschung, UNSEREM Zynismus, UNSERER Selbstkategorisierung wären wir doch fein mittendrin im ICH. Wo ist das Problem? Im schlechten Einfluß von außen, im guten Einfluß von außen, in unserer Beeinflussbarkeit durch Mimik, Gestik, Sprache, Kultur, Normen, Nahrung, Medien, Geld, Mitmenschen, deutsche Bank, Diskurse, … alles abschaffen, um endlich ICH zu sein? Tststs …

    Freilich sind weder Selbstkategorisierung und Selbstbild noch Fremdkategorisierung und Fremdbild ungetrübte Spiegel des ICH und beide beeinflussen sich stark. Andere haben wir aber nicht.
    Deswegen ist kluge Partnerwahl so überaus wichtig, auch als Schutz gegen uns und anderen schadende Entfremdungen, z.B. vom eigenen Rhythmus, eigenen Körper, eigenen Temprament, eigenen Ansprüchen, Erfahrungen, Einsichten, Fähigkeiten usw. Jemand, der uns aus Unkenntnis oder Feigheit überschätzt, kritiklos glauben macht, wir hätten z.B. schriftstellerisches, künstlerisches oder Karrierepotential, ist ebenso ein trüber Spiegel und irreführend für unser Selbstbild wie jemand, der uns unterschätzt.
    Nebenbei: ich glaube, nicht jede Entfremdung ist per se schlecht, z.B. die Entfremdung von traumatischer Kindheit, fremd- oder selbstzerstörerischen Gewohnheiten, Kriminalität, Sucht, Aberglaube, barbarischen Traditionen u.ä.
    Für erstrebenswerter als das ORGINALE Ich halte ich das GUTE Ich, womit wir wieder bei Fluch und Segen kultureller Formung wären.

    Formaler Hinweis: “Christ”, “Zyniker”, “Arzt”, “Jurist” sind ROLLEN (treffender als „Begriffe“), die auf WertE (nicht nur EIN Wert pro Rolle) schließen lassen, auf innere Werte wie z.B. moralische (Aufrichtigkeit, Gerechtigkeit, Treue), religiöse (Gottesfurcht, Nächstenliebe), politische (Toleranz, Freiheit, Gleichheit), und äußere wie ästhetische (Kunst, Schönheit), materielle Werte (Wohlstand, Sicherheit).

  5. SkeptischeAlteDame sagt:

    Bin ich nicht ICH, weil ich mit einem Geschlecht geboren wurde, das ich nicht wählte? Mit Genen ausgestattet, die ich nicht wählte? In einem Milieu als Säugling und Kleinkind geprägt, dass ich nicht wählte? In einer Zeit, die ich nicht wählte? In einem Land, das ich nicht wählte? Von Eltern, die ich nicht wählte? Zwischen Geschwistern, die ich nicht wählte? In einem kulturellen Kontext, den ich nicht wählte? In einen politischen Kontext, den ich nicht wählte? In Bildungs-, Züchtigungs-, Glaubens-, Wissens-, Sozialnormen, die ich nicht wählte? Kann ich also nur „reines, unverfälschtes“ ICH sein, wenn ich nicht geboren werde? ;) Oder den frühen Kindstod sterbe? Oder jenseits kultureller Prägung (deiner beargwöhnten Gruppennormen) als Wolfskind aufwachse? Auch in diesen 3 Fällen bleibe ich weit unter meinen Möglichkeiten als Mensch.

    Das Ich ist wie eine Zwiebel und der Ehrgeiz, eine (kulturelle) Haut nach der anderen abzustreifen, endet nicht in der Offenbarung eines strahlenden Kernes, sondern in tödlicher Isolation und Selbstzerstörung.
    Dann doch lieber ungewählte Gruppennormen (Glückskind, wer bürgerliche statt barbarische erwischt), dafür die Illusion des unbefleckten Ich´s verworfen …

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