Warum der Mensch nicht aufgeklärt sein kann (Ein Gleichnis)

Warum der Mensch nicht aufgeklärt sein kann? Weil er ein Affe ist und bleibt. Manch einer möge nun meinen, der macht es sich zu leicht, der Affe. Ja, warum soll er es sich auch schwer machen?

Hier liegt der Punkt: Wir sind „physikalisch“ konditioniert, uns den Weg des geringsten Widerstandes zu suchen. Und schon scheitert Aufklärung. Es ist unbequem und ängstigend, alte Pfade zu verlassen und einen neuen (oder gar keinen!) in Aussicht gestellt bekommen. Wenn dir einer sagt, verlasse deinen alten Weg und … ja, eben nichts weiter. Dann stehe ich da, orientierungslos, ahnungslos, mutlos.

Da kommt es vor, daß ich schaue, was mein Nachbar macht, der Affe. Der läuft nach rechts. Da laufe ich doch mit! Und wenn mein Nachbar mit einem eloquenten Mundwerk ausgestattet ist und von dem „rechten“ Pfad überzeugt ist, wird es umso leichter, noch ein paar Affen mehr mit auf den Weg zu nehmen. Wir können auch „Schäfchen“ aus den Affen machen. Egal. Das Prinzip bleibt gleich.

Damit ist schon bewiesen, was bewiesen sein muß: Demokratie funktioniert nicht. Unser ureigenstes Inneres verbietet es. Demokratie setzt den mündigen Menschen voraus (sapere aude! usw) – und, gibt es den? Wieviele?

Die Mündigen, die Kritischen, die Denkenden wandeln auf einsamen Pfaden. Die hört keiner.

Ist diese Sichtweise antiquiert? Mag sein: Sie gilt nicht für die individualistische westliche Gesellschaft, wo weite Teile der Ideologiegläubigkeit überwunden sind. Aber das bedeutet nicht, daß der Mensch nicht der selbe Affe oder das Lämmchen geblieben ist. Unterschied heute: Wir rennen nicht blindlings einem Anführer hinterher. Davon haben uns Mao Tse Tung, Lenin, Hitler, Erich und Ratzinger geheilt. Dennoch erstaunlich, daß Che Guevara so romantische Verehrung erfährt.

Und das macht sich subtil-pervers eine neue Maschinerie zunutze, die uns alle unsere Ideologien, Irrglauben und Hirngespinste läßt. Wir können jeden Pfad einschlagen, jedem Affen hinterherlaufen, aber die Wege, die wir beschreiten sind immer von dieser Maschinerie beherrscht. Das begreifen wir nur nicht.

Wir laufen vielleicht keinem Affen mehr hinterher, sondern gehen unseren „individuellen“ eigenen Weg. In Markenjeanshosen. Mit schicken Sonnenbrillen. Mit dem falschen Bewußtsein, überall hingehen zu können und ohne Suppression. Wir wissen, daß da draußen ein Ungetüm herrscht, daß sich „Neoliberalismus“ oder „Deutsche Bank“ nennt – aber wir fühlen uns frei.

Das Neue ist: Wir wandeln allesamt auf Pfaden, die der Deutschen Bank gehören.

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