Homo homoni lupus?

Homo homini lupus – es hat sich nichts geändert. Das Trügerische unserer Zeit in der wir uns als zivilisiert und gebildet sehen, mit der Errungenschaft der Demokratie unser eigen, ist die eben der Schein unserer Freiheit: Sie wird uns zugestanden, weil sie billiger ist. Es gab zu allen Zeiten Menschen, die anderen das Fell über die Ohren gezogen haben und jene, welchen das Fell über die Ohren gezogen bekamen. Letztere waren und bleiben immer die Massen. Sonst würde die Rechnung nicht aufgehen: Will man viel, muß man Viele ausnutzen.

Heute ist der Lebensstandard der Masse so hoch, dass wir nirgendwo den Wolf im Menschen für wahr nehmen.  Wir sind für Ablenkung offen wie wahrscheinlich nie in der Geschichte zuvor. Es gibt sie immernoch – diejenigen, welche der Masse das Fell über die Ohren zieht. Sie tritt fast eben so offen in Erscheinung wie der Adel in früherer Zeit, gibt sich als Gleicher unter Gleichen. Wir scheren uns wenig um die superreichen Einflußreichen, solange wir keine Zweifel an unseren Traum vom sorgenfreien Dasein haben. Wir können mit ihnen leben, weil wir Bescheidenheit geübt haben; wir brauchen nicht superreich zu sein zum Leben – ein Häuschen, Wärme, Liebe und ein Hobby genügen uns. Wer braucht schon einen Hubschrauber, wenn’s zum VW reicht?

Das war alles richtig. Bis heute. Es geht den Menschen der Masse an die Substanz. Die Rede ist dabei nur von der westlichen Welt; die übrige Welt leidet seit Ewigkeiten bitterlich. Und sie hat keine Möglichkeit, sich zu wehren. Die westliche Welt hat – wir haben – die Chance, unsere Entrüstung zu gebrauchen, solange wir noch einige Mittel der Macht haben: Internet, keine Hungersnot, das Recht, den letzten verbleibenden Funken Demokratie.

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